Hamburg - "Es ist schon offensichtlich, dass der Wert in Deutschland nicht auf deutsche Spieler und die Jugend gelegt wird", sagte Jan-Hendrik Jagla am Mittwoch in Danzig. "Wir Deutschen sind in Deutschland leider nicht erwünscht", hatte der Nationalspieler zuvor der "Sport Bild" gesagt. Der 28-Jährige, der selbst noch auf Vereinssuche ist, zeigt sich von der nachrückenden Generation begeistert.
"Irgendwas läuft doch in Deutschland falsch. So hoch veranlagte Spieler wie Tibor Pleiß oder Robin Benzing habe ich in Spanien nicht gesehen", sagte Jagla, der zuletzt bei Badalona unter Vertrag stand. Nach dem 76:73-Sieg gegen Titelverteidiger Russlandkämpft die neu formierte deutsche Basketball-Nationalmannschaft am Mittwoch (19.15 Uhr) gegen Lettland um den Einzug in die Zwischenrunde der EM in Polen. In der Bundesliga (BBL) sitzen die einheimischen Talente jedoch auf der Bank oder flüchten ins Ausland.
Jagla beklagte zudem das Niveau in der BBL. "Dort wird grausamer Basketball gespielt, zum Weggucken. Da kann man sich genauso Streetbasketball im Hinterhof anschauen." Im europäischen Vergleich rangiere die Bundesliga allenfalls auf Rang fünf und hinke Spanien, Griechenland, Italien und der Türkei immer drei bis vier Schritte hinterher. "Selbst die belgische Liga ist teilweise stärker", sagte Jagla. Er fordert deshalb "ein Umdenken bei den Vereinen, aber auf den Managerposten sitzen die falschen Leute. Die Clubs holen lieber billige Amerikaner, die nur für ihr eigenes Punktekonto spielen und nach einem Jahr wieder verschwinden."
Unterstützung von Bundestrainer Bauermann
Unterstützung erhielt der 2,11-Meter-Mann von Bundestrainer Dirk Bauermann. "Da hat Jan zur Recht den Finger in eine Wunde gelegt", sagte der Nationalcoach im Teamhotel. BBL-Präsident Thomas Braumann wies die Vorwürfe Jaglas hingegen zurück. "Die Beschimpfung der Liga ist sicherlich unberechtigt. Ich verstehe, dass Herr Jagla vielleicht Druck machen will und eventuell auf einen Vertrag in Deutschland hofft. Doch das ist sicher der falsche Weg", sagte Braumann. "Es ist alles eine Preis-Leistungs-Frage. Herr Jagla kann gern in Deutschland spielen, er muss sich nur an das Gehaltsgefüge anpassen", so der Präsident.
Am 3. Oktober berät die BBL über eine Anpassung der deutschen Quote in den Vereinskadern. Ab der kommenden Saison (Start am 8. Oktober) sind vier Deutsche vorgeschrieben. Dazu Braumann: "Es ist gut möglich, dass wir auf fünf erhöhen." Bundestrainer Bauermann begrüßte dies: "Das ist sicherlich eine deutliche Verbesserung zu den vergangenen Jahren", sagte der 51-Jährige. Gleichzeitig forderte Bauermann aber eine weitere Verschärfung der Deutschen-Quote: "Ideal wäre am Ende aber, dass immer ein Deutscher auf dem Feld steht. Wenn dies erst in drei oder vier Jahren so weit sein würde, wäre dies ja auch hinnehmbar."
US-College wird der Bundesliga-Bank vorgezogen
Dass die jungen Spieler mehr Spielzeit verdient hätten, zeigten sie beim überraschenden Sieg gegen Russland. "Wir gehen einfach raus und spielen Basketball", nennt Forward Benzing das Geheimnis seiner Generation. Der 20-Jährige spielte zuletzt beim Zweitligisten TV Langen, Staiger, 21, zog es in die amerikanische College-Liga NCAA. Dort wird in der kommenden Saison auch Flügelspieler Elias Harris auf Korbjagd gehen. "Ich spiele lieber in der NCAA vor 15.000 Zuschauern als in Deutschland vor 2000 Fans auf der Bank zu sitzen", sagte der 20-Jährige.
laa/dpa/sid
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