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10.09.2009
 

Handball

Lemgo-Legende Stephan über Rauswurf enttäuscht

Von Rafael Buschmann

Ex-Spieler Stephan 2005 im Lemgo-Trikot: "Stehe unter Schock"Zur Großansicht
Getty Images

Ex-Spieler Stephan 2005 im Lemgo-Trikot: "Stehe unter Schock"

Überraschende Trennung: Markus Baur und Daniel Stephan wurden beim Handball-Bundesligisten TBV Lemgo beurlaubt - einen Tag vor dem ersten Saisonspiel. Maßgeblich an dieser Entscheidung beteiligt war offenbar Fynn Holpert, der Vertreter von Geldgeber Heristo im Aufsichtsrat des Clubs.

Hamburg - Die Handball-Bundesliga hat ihren ersten wirklich großen Aufreger schon, bevor der erste Spieltag abgeschlossen ist. Am Abend vor dem ersten Ligaspiel des TBV Lemgo beim SC Magdeburg am Donnerstag teilte der TBV-Vorstand seinen Spielern mit, dass Trainer Markus Baur und Sportdirektor Daniel Stephan beurlaubt sind. Baurs Nachfolger ist Volker Mudrow, der den Club bereits von 2002 bis 2007 trainiert hatte. Entscheidend an diesem Schritt beteiligt soll der neue Hauptsponsor der Ostwestfalen sein. Aber auch Spielmacher Michael Kraus steht in der Kritik.

"Eigentlich kann ich das Ganze noch nicht wirklich fassen. Ich bin seit 15 Jahren in diesem Verein und stehe nach der gestrigen Entscheidung unter Schock", sagte Stephan, der Welthandballer des Jahres 1998, SPIEGEL ONLINE. "Die Entscheidung kam völlig unerwartet. Und sie ist einfach nicht nachvollziehbar", sagte Stephan. Der TBV hatte in der laufenden Saisonvorbereitung zahlreiche Probleme, die sportlichen Ansprüche schienen gefährdet.

Als Anstoß der Beurlaubung nannte der TBV Lemgo in einer am Mittwoch veröffentlichten Pressemitteilung das schlechte Abschneiden der Mannschaft beim Champions-League-Qualifikationsturnier in Spanien. Dort verloren die Ostwestfalen unter anderem gegen die schweizerische Mannschaft Kadetten Schaffhausen. "Klar war das nicht besonders gut. Aber wir hatten viele Verletzte. Ich bin mir sicher, dass wir diese kleine Krise in den nächsten Wochen überstanden hätten", sagte Stephan. Doch diese Zeit wollte der Verein ihm und Baur nicht mehr geben.

"So etwas macht man mit so verdienten Menschen nicht"

"Das ist doch völlig unsinnig. Die beiden haben doch in der vergangenen Saison, als Lemgo vom Verletzungspech gebeutelt war, das Optimale aus der Truppe herausgeholt und sind Vierter geworden", sagte Bundestrainer Heiner Brand SPIEGEL ONLINE. Und auch der Stil gefiel dem Nationaltrainer nicht: "So etwas macht man mit so verdienten Menschen nicht."

Doch von wem ging die Entlassung tatsächlich aus? Es ist kaum vorstellbar, dass Geschäftsführer Volker Zerbe, der etliche Jahre mit Baur und Stephan zusammenspielte und auch über das Spielfeld hinaus eine enge Freundschaft zu ihnen pflegte, die beiden entlässt. Viel entscheidender wiegt darin wohl der Einfluss des Lemgoer Hauptsponsors Heristo. Das Nahrungsmittelunternehmen ist der große Geldgeber des TBV und sitzt sogar in Person des ehemaligen Lemgoer Managers Fynn Holpert im TBV-Aufsichtsrat - eine Konstellation, die in anderen Sportarten nicht vorstellbar ist.

Baurs "Kronprinz" Kraus soll entscheidende Rolle gespielt haben

Holpert hielt sich mit Kritik in der jüngsten Vergangenheit nicht zurück. "Mir fehlen Hierarchie und Führungsfiguren im Team", sagte er nach dem Scheitern in der Königsklasse. Und kurz vor der Entlassung ließ der ehemalige Nationaltorwart verlauten: "Der Riss zwischen Mannschaft und Trainer lässt sich nicht mehr kitten." Diese Aussage teilten jedoch nur die wenigsten Spieler. "Klar gab es einige Spannungen zwischen Team und Trainer. Aber das gibt es immer, wenn es nicht läuft. Von uns wollte ihn keiner absägen", sagte Mittelmann Martin Strobel SPIEGEL ONLINE. Sein Nationalmannschaftskollege Michael Kraus sagte: "Wir wollten eigentlich vor dem Saisonstart als Mannschaft noch enger zusammenrücken und es gemeinsam schaffen. Jetzt müssen wir uns ganz neu aufstellen."

Doch gerade der TBV-Spielmacher Kraus spielt laut lokalen Medienberichten eine ganz entscheidende Rolle in der Demission Baurs. Der "Kronprinz", der in der Nationalmannschaft jahrelang hinter Baur die Nummer zwei auf der Position des Regisseurs war, soll sich immer wieder abfällig über dessen Trainingsmethoden sowie Kleidungsvorschriften und Teambuilding-Einheiten geäußert haben. "Das ist Quatsch. Ich habe Markus sehr viel zu verdanken und würde nie versuchen, ihn von seinem Posten zu verscheuchen", sagte Kraus.

Ex-Lemgoer Schwarzer wollte den Trainerjob nicht

Tatsächlich erscheint der Einfluss des Hauptsponsors eher als Kern der Trennung. "Es ist schon sehr deutlich - und mittlerweile auch kein Geheimnis mehr -, wie groß der Einfluss unseres Hauptsponsors auf die Vereinsführung ist", sagte Strobel. Der ehemalige Lemgoer Kreisläufer Christian Schwarzer bestätigt dies auf SPIEGEL ONLINE: "Zerbe hätte Baur und Stephan nicht von sich aus entlassen. Das glaube ich nicht. Wahrscheinlicher ist, dass der Hauptsponsor nun seine Interessen in Lemgo noch stärker durchsetzen will." Schwarzer wurde schnell als Nachfolgekandidat Baurs genannt, doch der Hüne winkte ab. Seine Aufgabe als DHB-Jugendkoordinator mache ihm zu viel Spaß.

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