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27.09.2009
 

Box-Champion Klitschko

Fluch der Makellosigkeit

Von Susanne Rohlfing, Los Angeles

WM-Kampf: Klitschko hellwach gegen den "Alptraum"
Fotos
REUTERS

Technik, Eleganz, Beweglichkeit: Vitali Klitschko zeigte bei seinem WM-Kampf in Los Angeles gegen Chris Arreola beeindruckendes Boxen. Doch die US-Fans wollten lieber Blut und Tränen sehen - und so musste sich der Weltmeister nach dem Fight auch noch für seine Überlegenheit rechtfertigen.

Amerika und die Klitschkos, das passt nicht. Das ist, als versuchten zwei smarte Goldfische, sich in einem Piranha-Schwarm zu etablieren. Die einen wollen glänzen, die anderen wollen Blut sehen. Das kann nicht gutgehen. Und schon gar nicht in Los Angeles. Hier werden in Hollywood die Geschichten gefallener Helden zu großem Kino gemacht und die im wirklichen Leben Gestrauchelten bejubelt. Makellosigkeit will niemand sehen.

Makellosigkeit ist in den vergangenen Jahren aber zum Markenzeichen der boxenden Brüder Vitali und Wladimir Klitschko geworden. Daran konnte am Samstagabend im Staples Center von LA auch der bis dahin ungeschlagene Amerikaner Chris Arreola nichts ändern. Zehn Runden lang ließ der 28-jährige Herausforderer sich vom zehn Jahre älteren Weltmeister verprügeln, dann hatte sein Trainer Henry Ramirez genug von der Demütigung und gab auf.

Ohne in diesen zehn Runden jemals ernsthaft in Gefahr geraten zu sein, bleibt Vitali Klitschko Champion des Weltverbandes WBC. Sein jüngerer Bruder Wladimir hält die Gürtel der IBF und der WBO. Nur der vierte namhafte Titel im Schwergewicht gehört keinem Klitschko, der WBA-Titel ist im Besitz des Russen Nikolai Walujew.

"Rocky, Rocky"-Sprechchöre

Applaus und Begeisterung kassierten in LA dennoch andere. Draußen vor dem Staples Center der tote Michael Jackson. Fans richteten sich in einer Warteschlange mit Campingstühlen auf eine lange Nacht ein, denn auf keinen Fall wollten sie den Beginn des Vorverkaufs am Sonntagmorgen verpassen: Es ging um die Premierenkarten für einen Film, der aus den Videoaufzeichnungen von den Proben zu Jacksons geplanter "That's it!"-Tour gemacht wurde.

Drinnen galt der Jubel allen voran Sylvester Stallone, oder besser: "Rocky Balboa". Der gealterte Filmstar saß in der ersten Reihe, direkt neben dem kalifornischen Gouverneur Arnold Schwarzenegger (der ein Buh-Konzert auslöste), und wurde mit "Rocky-Rocky"-Sprechchören empfangen. Das war noch vor dem Kampf und durfte wohl als Fingerzeig dafür gelten, womit die rund 16.000 Zuschauer im nicht ganz ausverkauften Staples Center glücklich zu machen wären: mit Blut, Schweiß, Tränen und einem Helden, der schon am Boden scheint, und sich dann Kraft seines übermächtigen Willens doch noch zum Sieg aufschwingt.

So kam es nicht. Blut, Schweiß und Tränen ja, aber weder strauchelte der Favorit, noch wurde der Underdog zum Helden. Die Klitschkos sind keinem Drehbuch entsprungen, sie sind ganz pragmatische Sieger und Geldverdiener, zu perfekt, um in Amerika geliebt zu werden. Chris Arreola war ein besserer Gegner als manch anderer, der in den vergangenen Jahren mit einem Klitschko im Ring stand. Er kämpfte, er wollte gewinnen, er marschierte voran und, vor allen Dingen, er kassierte Treffer, ohne mit der Wimper zu zucken. Er traf sogar mal. Aber eben viel zu selten.

301 Treffer in zehn Runden

Deshalb muss Vitali Klitschko sich nach dem Kampf dafür rechtfertigen, wieder - zumal auf so überlegene Art - eine amerikanische Schwergewichtshoffnung zerstört zu haben. Er wisse ja, dass das US-Publikum Kämpfe liebe, in denen das Kinn der Boxer getestet werde, in denen Blut fließe und die Kämpfer mehrfach zu Boden gingen. "Aber sorry", sagte Klitschko, "ich bin nicht bereit, meinen Kopf zu testen, ich möchte diesen Kopf auch nach meiner Zeit als Boxer noch benutzen." Er braucht ihn, um als ukrainischer Politiker im Stadtparlament von Kiew Karriere zu machen.

Für den Trainer seines Herausforderers hatte Vitali Klitschko vollstes Verständnis. "Wir sind Menschen, wir haben Familie und Kinder, das Wichtigste ist, dass wir gesund bleiben", sagte er. "Dein Trainer muss auf dich aufpassen, auf deine Zukunft." Das tat Henry Ramirez, als er Arreola in der Pause zur elften Runde aus dem Kampf nahm. Da hatte der Amerikaner mexikanischer Herkunft bereits 301 Treffer kassiert, was in doppelter Hinsicht beachtlich ist: 301 Treffer, geschlagen von einem Klitschko, steckt man nicht so einfach weg und bleibt dabei stehen. Da könnte doch ein Hollywood-Autor seine Finger im Spiel gehabt haben.

Andererseits landet ein zwei Meter langer, 114,3 Kilogramm schwerer Boxer wie Klitschko üblicherweise auch nicht mal eben 301 Treffer in zehn Runden. Das zeugt von einem Grad an Ausdauer, Beweglichkeit und Schnelligkeit, die hinter den staksigen, etwas ungelenk wirkenden Bewegungen Vitali Klitschkos nicht zu vermuten sind.

Chris Arreola weinte, als es vorbei war. "Es tut so weh", sagte er, "es tut so weh, zu verlieren." Und er lieh sich die Worte Schwarzeneggers, nicht des Politikers, sondern des "Terminators": "Ich komme wieder." Vitali Klitschko kündigte das Gegenteil an. Wie lange er noch boxen wolle? "Nicht mehr lange." Zumindest ein nächster Kampf ist für den 12. Dezember gegen den Amerikaner Kevin Johnson geplant, dann vor europäischem, Klitschko-affinerem Publikum. Aber letztlich könnte Dan Goosen, der enttäuschte Promoter von Chris Arreola Recht behalten. Ratlos angesichts der Chancenlosigkeit seines Boxers sagte er: "Der einzige Gegner, der Vitali schlagen kann, ist die Rente."

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..das ist das was ich mir von Boxen erhoffe. Leider sind die Beiden zu intelligent um das zu tun. Ich respektiere ihre sportliche Leistung, aber ich mag dann doch lieber "auffe Fresse" ala Tyson. Sie dominieren den [...] mehr...

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Absolut super Sportler die tiefsten Respekt verdienen. mehr...

14.06.2010 von Ursprung: Beispielhaft!

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07.06.2010 von Rockker:

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