Aus Kopenhagen berichtet Jens Weinreich
Präsident Lula heult. Etwas anderes, als seine Gefühle auszuleben, wäre auch nicht brasilianisch. So weint Luiz Inácio "Lula" da Silva noch anderthalb Stunden nach "seinem" Olympiasieg, den IOC-Präsident Jacques Rogge am Freitagabend um 18.51 Uhr verkündet hatte. Rio de Janeiro richtet die Olympischen Sommerspiele 2016 aus. Und Lula, 63 Jahre alt und 2010 aus seinem Amt scheidendes Staatsoberhaupt Brasiliens, wird als Held in die Geschichte seines Landes eingehen. Sie werden ihm ein Denkmal bauen. Erstmals finden die Spiele in Südamerika statt.
Auf diesen Umstand, endlich diese vernachlässigte Hemisphäre zu bedenken und damit den Transformationsprozess Brasiliens zu beschleunigen, von dem Lula so oft spricht, war die gesamte Kampagne ausgerichtet. "Wir sind kein unterentwickeltes Land mehr. Wir sind eine führende Wirtschaftsnation", ruft Lula auf der Pressekonferenz, die mit der Unterzeichnung des so genannten Host City Contracts begann.
Der Sieg ist amtlich, der Vertrag zwischen dem IOC und den Brasilianern unterschrieben. Lula weint, brasilianische Journalisten skandieren begeistert seinen Namen. Die Party beginnt. Und Lula ruft dem IOC-Präsidenten zu: "Jacques, du bist immer so ernst. Lach endlich mal!" Rogge tut dem Sieger des Tages auch diesen Gefallen.
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Das Land wird in den kommenden Jahren zum Sportzentrum des Planeten. Diese gewaltigen Aufgaben seien zu stemmen, haben Lula und sein Team immer wieder erklärt und versprochen. Gebetsmühlenartig wiederholten sie, dass schon Mexiko (1968/1970), die Bundesrepublik Deutschland (1972/1974) und die USA (1994/1996) das Doppel gemeistert haben.
Aber auch diese Vergleiche verbieten sich. Zu unterschiedlich die Zeiten, Ausgangslagen und Aufgaben. "Wie fühlt es sich an, Präsident Barack Obama in der ersten Runde geschlagen zu haben", wurde Lula gefragt. "Ich habe keinen Präsidenten geschlagen", sagte Lula, "Obama ist mein Freund. Ich entschuldige mich bei Chicago, Madrid und Tokio, dass ich so glücklich bin. Wir Brasilianer haben oft gelitten, wir waren oft traurig. Nun freuen wir uns!"
"Straßenköter sein oder nicht sein"
Der knapp sechs Stunden währende Besuch Obamas hatte am Freitag die größte Aufmerksamkeit erregt. "Meine Leute sagten mir: Oh, Obama kommt. Oh, Obama ist gelandet. Wir verlieren", erzählte Lula. "Ich habe das nie befürchtet. Ich war optimistisch." Der Sieg sei aber kein Erfolg der Politiker, sondern ein Triumph des brasilianischen Volkes.
Lula kennt sein Geschäft, er weiß, was zu sagen ist. Er überzeugte im Bella Center mit Herz und Verve. Der Schriftsteller Nelson Rodrigues hat das brasilianische Minderwertigkeitsgefühl, von dem Lula so oft sprach, einmal mit der Metapher vom Straßenköter beschrieben. "Der Brasilianer muss sich klar werden, dass er kein Straßenköter ist", formulierte Rodrigues. Der Straßenköter - das steht für den mangelnden Glauben an sich selbst, für Erniedrigung, für mangelndes Selbstbewusstsein. "Straßenköter sein oder nicht sein, das ist die Frage."
Fleißige Wahlkämpfer aus Brasilien
Die Kerntruppe der Bewerbung Rios bestand aus NOK-Präsident Carlos Nuzman, Rios Bürgermeister Eduardo Paes, Rios Gouverneur Sérgio Cabral und Sportminister Orlando Silva. Sie haben die Sportwelt so unermüdlich beackert wie keiner der Herausforderer. Auch Lula war im Wahlkampf öfter zugegen als die Staats- und Regierungschefs der USA, Spanien und Japan. Am Wahltag konnten selbst Michelle und Barack Obama mit ihren eigentlich überzeugenden Reden - persönlich die First Lady, politisch der Präsident - nichts mehr retten.
Im Gegenteil: Vor vier Jahren, im Wettbewerb um die Olympischen Spiele 2012, als die USA noch von George W. Bush regiert wurden und sportpolitisch längst isoliert waren, schied New York mit 16 Stimmen in der zweiten Runde aus. Nun scheiterte Chicago mit einer weit besseren Bewerbung, unterstützt von einem demokratischen Präsidenten, mit 18 Stimmen sogar in der ersten Runde. Eine Abfuhr ohnegleichen.
Protest gegen die Verweigerungshaltung der USA
Dafür gibt es politische Motive - und finanzielle: Die Amerikaner haben die gesamte olympische Welt gegen sich aufgebracht, weil sie sich beharrlich weigerten, ihren Anteil aus dem IOC-Marketingprogramm, der auf Grundlage eines steinalten Vertrages berechnet wird, neu zu verhandeln. Das amerikanische NOK kassiert mehr als alle anderen 206 NOKs zusammen. Obamas Scheitern beweist einmal mehr, dass der vermeintliche Bonus einer weltweit goutierten politischen Wende im IOC keine Wirkung entfaltet.
Das mussten vor 15 Jahren auch Berlins Olympiabewerber erfahren, die ernsthaft glaubten, die olympische Welt würde sich noch für den Mauerfall interessieren. Berlin wurde abserviert, so wie Chicago und Obama. Die Spezialdemokratie des IOC hat ihre Antwort gegeben. Dem IOC wegen des Votums für Rio de Janeiro nun aber politische Weisheit zu unterstellen, ist unangebracht. Viele IOC-Mitglieder interpretieren das zwar selbstgerecht so, tatsächlich aber wurde die Frage, ob und in welcher Form endlich auch Südamerika mit den Spielen bedacht werden kann, nie überzeugend öffentlich debattiert.
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Mann Harry, bist Du noch blau? Was hat St.Pauli mit Olympia in Rio zu tuen? mehr...
Nun, meine Wette habe ich gewonnen, 3:1 für Pauli! Es hat wirklich keiner gegengehalten, und nach den Tipps 0:1 - 2:2 gab es wirklich nicht mehr viele Möglichkeiten. Also nahm ich ganz spontan 3:1, und auf meine Pauli's konnte [...] mehr...
Koennen Sie mir den Zusammenhang, Slum in Rio- Gutmenschen- Somalia, mal erklaeren? mehr...
Unklar bleibt bei Ihrem Beitrag, warum somalische Piraten-Geiseln "Gutmenschen" sein sollen. In der Regel sind das internationale Schiffsbesatzungen. Die einfach ihren Job machen. mehr...
Oh da kennen Sie aber einige Stadtviertel von z.B. Neapel nicht. mehr...
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