Aus Rio de Janeiro berichtet Jens Glüsing
Als Chicago rausgeflogen war, da begann der Strand zu vibrieren. Da legten die Sambatrommeln noch einen Drive zu, ein Meer aus gelbgrünen Fahnen und Luftballons wogte vor der riesigen Bühne, die die Stadtverwaltung auf dem Strand von Copacabana errichtet hatte. Madrid würde es nicht werden, vier Jahre nach London noch eine europäische Metropole, daran glaubten nicht einmal die ewigen Pessimisten.
Chicago war der gefürchtete Rivale, Obama und Michelle traten gegen Lula und Pelé an. Blues gegen Samba. Die großen Seen gegen die legendären Strände von Copacabana und Ipanema. Der erste schwarze US-Präsident gegen den ersten brasilianischen Präsidenten aus der Arbeiterschicht. Obamas jugendlicher Charme gegen Lulas Charisma.
Aber dann war Chicago eliminiert, der Samba hatte den Blues besiegt, und das Endergebnis nahmen die Cariocas schon fast wie selbstverständlich hin. Nach fünf kühlen Regentagen brach der Himmel auf, und die Sambaschule Salgueiro stimmte die heimliche Hymne der Stadt an, den Karnevalshit von 1993: "Explode Coração!". Das Herz explodiert!
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Feiern können die Cariocas, wie die Einwohner von Rio genannt werden, das haben sie trotz des langen, schmerzlichen Niedergangs der "Cidade Maravilhosa", der "Wunderbaren Stadt", nicht verlernt. 15.000 Cariocas aus allen Teilen Rios fieberten am Strand von Copacabana dem Ergebnis in Kopenhagen entgegen. An diesem sonnigen Freitagnachmittag feierten sie sich selbst, bis Sonntag wird der Olympia-Karneval dauern, der Aschermittwoch bleibt diesmal aus. "Für Rio beginnt eine neue Ära!" jubelte Celso Pimentel, ein Verwaltungsangestellter aus dem Vorort Pilares zwischen zwei Schlucken aus der Bierdose.
Ist das jetzt die Wende für die "Cidade Maravilhosa"? Seit Brasiliens Hauptstadt vor über 30 Jahren nach Brasília verlegt wurde, ging es mit der Sieben-Millionen-Metropole bergab. Unternehmen wanderten ab, die Elendsviertel wucherten, Drogengangs übernahmen die Herrschaft in weiten Teilen der Stadt. Selbst eingefleischte Rio-Fans verließen die Stadt, sie verzweifelten an Kriminalität und Korruption.
Aber Rio ließ sich nicht unterkriegen. Die findigen, humorvollen Cariocas widerstanden, sie improvisierten, sie suchten nach einer neuen Perspektive für die ehemalige Hauptstadt. Seit zwei oder drei Jahren erlebt Rio ein Comeback. Der Straßenkarneval ist wieder da, das alte Boheme-Viertel Lapa vibriert wieder. Rio ist die Hauptstadt der boomenden brasilianischen Ölindustrie, die Werften blühen auf, jüngst präsentierte der junge Bürgermeister Eduardo Paes ein milliardenschweres Projekt für die Renovierung der heruntergekommenen Hafengegend. Erstmals ziehen Bürgermeister, Gouverneur und Präsident an einem Strang.
"Brasilien erlebt einen magischen Moment"
Es ist Rios Glück, dass seine Renaissance mit der wohl längsten Wachstumsphase Brasiliens der vergangenen 30 Jahre zusammenfällt. "Brasilien erlebt einen magischen Moment", schwärmte Präsident Lula in Kopenhagen. Brasilien hat die Finanzkrise schneller überwunden als die meisten anderen Länder, die Wirtschaft wächst wieder, für die Fußball-WM 2014 werden Regierung und Unternehmen Milliarden in die Infrastruktur investieren. Lula schwebt auf einer Wolke von Glück, er ist mit über 70 Prozent Zustimmung wohl einer der beliebtesten Staatschefs der Welt. Die Weltmeisterschaft und jetzt die Olympischen Spiele sollen den Aufstieg des südamerikanischen Giganten zu einer politischen und wirtschaftlichen Großmacht krönen.
Wird Rio den Moment nutzen? Viele besonnene Brasilianer haben vor den riesigen Herausforderungen gewarnt. Die Spiele können eine Katharsis für die Stadt bedeuten, den Auftakt für eine neue, goldene Epoche, so wie 1992 in Barcelona. Aber sie öffnet auch die Schleusen für gigantische Verschwendung und Korruption. Montreal und Athen kennen den Fluch von Olympia, die Kehrseite der Medaille.
Rio wird sich sehr anstrengen müssen, um eine Wiederholung des Desasters der Panamerikanischen Spiele vor zwei Jahren zu vermeiden. Damals versprachen die Stadtväter 54 Kilometer neue U-Bahnstrecken, Schnellzüge, Sportanlagen, Lebensverbesserungen für die Armen. Außer einer blauen Linie auf den Hauptverkehrsstraßen, die eine Extraspur für die Funktionäre markierte, ist nicht viel von den Spielen geblieben.
Rio braucht dringend neue U-Bahnstrecken, es fehlen Hotels, die verdreckte Guanabara-Bucht muss endlich saniert werden, die Straßen sind voller Schlaglöcher, die touristische Infrastruktur ist trotz der vielen Attraktionen dürftig. Auf 30 Milliarden Real, rund zwölf Milliarden Euro, schätzen Experten die Gesamtkosten für die Ausrichtung der Olympischen Spiele. Die Privatwirtschaft allein wird das kaum aufbringen, zumal sie zwei Jahre zuvor bereits bei der WM gefragt ist. Andererseits wird Rio von der WM profitieren, ein Großteil der Infrastruktur muss schon 2014 fertig sein.
Die Stadt hat alle Zutaten, um große Olympische Spiele zu garantieren
Das Problem der Gewaltkriminalität, die von vielen internationalen Beobachtern als Rios größtes Handicap gesehen wird, ist in den Griff zu bekommen, das hat Rio schon oft bewiesen. Die Weltumweltkonferenz 1992 verlief friedlich, die jährlichen Silvesterfeiern am Strand von Copacabana sind sicherer als viele Großveranstaltungen in Europa und den USA. Auch bei den Panamerikanischen Spielen gab es kaum Zwischenfälle. Erst nach den Spielen schnellte die Kriminalitätsrate wieder nach oben.
2016 ist eine gewaltige Chance für Rio. Die Stadt hat alle Zutaten, um große Olympische Spiele zu garantieren: Sie ist spektakulär zwischen Bergen, Urwald und Meer gelegen. Das Klima im südamerikanischen Winter ist perfekt. Die Cariocas lieben Sport und Spiel, sie feiern gern und sind spontan, witzig und gastfreundlich.
Jetzt müssen sie zeigen, dass sie auch planen und organisieren können, ihren geldhungrigen Politikern auf die Finger sehen und nicht die Kontrolle über die Finanzen verlieren. Präsident Lula machte in Kopenhagen eine Anleihe bei seinem Rivalen Obama, um die letzten Zweifel zu zerstreuen:
Sim, nós podemos. Yes, we can.
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Mann Harry, bist Du noch blau? Was hat St.Pauli mit Olympia in Rio zu tuen? mehr...
Nun, meine Wette habe ich gewonnen, 3:1 für Pauli! Es hat wirklich keiner gegengehalten, und nach den Tipps 0:1 - 2:2 gab es wirklich nicht mehr viele Möglichkeiten. Also nahm ich ganz spontan 3:1, und auf meine Pauli's konnte [...] mehr...
Koennen Sie mir den Zusammenhang, Slum in Rio- Gutmenschen- Somalia, mal erklaeren? mehr...
Unklar bleibt bei Ihrem Beitrag, warum somalische Piraten-Geiseln "Gutmenschen" sein sollen. In der Regel sind das internationale Schiffsbesatzungen. Die einfach ihren Job machen. mehr...
Oh da kennen Sie aber einige Stadtviertel von z.B. Neapel nicht. mehr...
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