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09.10.2009
 

Basketball-Bundesliga-Auftakt

Körbe zurück in der Kiste

Von Sascha Klettke

Oldenburgs Zugang Josh Carter (l.): Erster Auftritt im Free-TVZur Großansicht
dpa

Oldenburgs Zugang Josh Carter (l.): Erster Auftritt im Free-TV

Die deutschen Basketball-Fans atmen auf: Endlich können sie ihren Lieblingssport wieder live im TV verfolgen. Der Bundesliga-Start facht aber auch die Diskussion um die Deutschen-Quote in der BBL neu an. Zwei Center-Hünen verabschiedeten sich schon vor dem ersten Spieltag von ihren Clubs.

Elf Sekunden, die über die Meisterschaft entscheiden - das Finale im Juni zeigte die Spannung, die Basketball-Fans an ihrem Sport lieben. Doch danach war nur klar, dass Oldenburg den Titel gewonnen hat, viele Fragen zur Zukunft der Basketball-Bundesliga (BBL) blieben offen: Wie viele Teams werden nach dem Sommer in der BBL spielen? Und wo werden die Partien übertragen?

Am Freitag beginnt die neue Saison - und die Antworten auf diese Fragen lassen die Manager von Liga und Clubs selbstbewusst auftreten. Seit Jahren möchte die BBL wieder ins frei empfangbare Fernsehen. Sie hat es geschafft. Das DSF überträgt jede Woche ein Spiel live. Los geht es am Samstag um 15.30 Uhr mit der Partie Oldenburg gegen Bamberg. Hauptsendeplatz für BBL-Spiele soll künftig der Freitagabend sein.

Ins Free-TV hätten die BBL-Clubs auch schon früher gekonnt - wenn sie denn die Sender für die Ausstrahlung bezahlt hätten. Doch jetzt fließt das Geld in die andere Richtung: "Wir bekommen eine Rechtegebühr, wie wir es immer gefordert haben", sagte Liga-Präsident Thomas Braumann vor einer Woche bei der BBL-Saison-Präsentation in Oldenburg.

Neuer Namensgeber

Und das DSF ist nicht das einzige Unternehmen, von dem die BBL in Zukunft Geld bekommt. Nach jahrelanger Suche hat die Liga wieder einen Namenssponsor: einen türkischen Elektrogerätehersteller. Sechs Jahre - so lange läuft der Vertrag - soll jetzt nicht mehr von der BBL die Rede sein, sondern von der Beko-BBL. Nach Informationen des Branchenmagazins "Sponsors" bekommt die Liga dafür etwa eine Million Euro pro Jahr.

Geld spielte auch eine entscheidende Rolle bei der Frage, welche Mannschaften künftig in der BBL spielen: Nördlingen hatte sich schon vor Ende der Spielzeit in die zweite Liga zurückgezogen, Köln meldete wenige Tage nach dem Erhalt der Lizenz Insolvenz an. Das nutzte den sportlichen Absteigern: Mit Hilfe einer Wildcard schafften Gießen und Bremerhaven den Klassenerhalt am Konferenztisch. Es sind also wieder 18 Teams, die um die deutsche Meisterschaft spielen.

BBL-Geschäftsführer Jan Pommer zeigte sich optimistisch, dass alle Clubs sich die erste Liga leisten können: "Die sind alle halbwegs wetterfest". Die Liga habe die Finanzen der Vereine so genau geprüft wie noch. Der Grund dafür: In den vergangenen Jahren hatten immer wieder Club-Manager öffentlich nach mehr Geld gerufen, weil ihnen sonst die Pleite drohe. Falls in der neuen Saison trotz der Kontrollen ein Verein in Geldschwierigkeiten kommt, dann kann die Liga einspringen: Die BBL hat nun einen Sicherungsfonds mit 250.000 Euro eingerichtet.

Quote für deutsche Spieler

In der Zukunft hofft die BBL wieder mehr Schlagzeilen mit sportlichen Erfolgen zu machen als mit finanziellen Schieflagen. Und diese Erfolge sollen auch vermehrt von deutschen Spielern errungen werden. DSF-Programmchef Torsten Haux appellierte an die Clubs, "gemeinsam ein paar Helden zu schaffen" - damit sich die Zuschauergemeinde vor dem Fernseher schnell vergrößert. Bundestrainer Dirk Bauermann hatte in den vergangenen Monaten mit scharfen Worten verlangt, dass die Liga mehr für den deutschen Nachwuchs tut. Bauermanns Forderung: Einer der fünf Spieler auf dem Parkett soll einen deutschen Pass haben.

Das lehnten die meisten Clubmanager als zu großen Eingriff ins Spiel und die Entscheidungsmöglichkeiten des Trainers ab. Sie beschlossen einen Quotenkompromiss. In dieser Saison müssen von zwölf Spielern im Kader vier Deutsche sein. Weil aber viele Trainer nur acht Spieler in einer Partie überhaupt einsetzen, kann es sein, dass die vier Deutschen die ganze Zeit auf der Bank sitzen. Deshalb wird die Quote noch einmal erhöht: Ab 2012 müssen sechs der Spieler im Zwölfer-Kader Deutsche sein. Wenn ein Club allerdings nur mit zehn Spielern antritt, dann reichen vier Deutsche. Mit dieser Regelung soll verhindert werden, dass Talente ihr Wochenende im Reisebus und auf der Bank verbringen, statt in der Nachwuchsliga Spielzeit zu sammeln.

Doch unabhängig von der Quote könnten mehrere Deutsche schon in dieser Saison wichtige Rollen in ihren Teams übernehmen - darunter drei der Nationalspieler, die bei der Europameisterschaft in Polen für Aufsehen gesorgt hatten: Aufbauspieler Heiko Schaffartzik ist schon vor dem ersten Saisonspiel das neue Aushängeschild der Braunschweiger Basketballer. Tim Ohlbrecht, 21, dessen spielerische Entwicklung in Bamberg ins Stocken geraten war, ist nach Bonn gewechselt und soll dort von Center auf Power Forward umschulen. Den 20-jährigen Forward Robin Benzing haben bei der EM in Polen auch die NBA-Scouts ins Visier genommen - für die nächsten zwei Jahre ist er aber in der Bundesliga bei Ulm unter Vertrag.

"Wunderheilung" in Ulm

Passend zu den guten Nachrichten in Sachen Fernsehen und Ligasponsor wartet Ulm zum Saisonstart sogar mit einem "Wunder" auf: Aufbauspieler Per Günther, der sich in Nationalmannschafts-Vorbereitung den Fuß gebrochen hatte, soll am Freitagabend gegen Bonn antreten - nur 39 Tage nach der Fraktur. Die Ärzte hatten ihm eine achtwöchige Pause vorausgesagt. In der Ulmer Pressemitteilung heißt es, die "unglaubliche Heilung" sei bei Röntgen-Untersuchungen bestätigt worden.

Dass die BBL nicht komplett zu Liga der frohen Neuigkeiten wird, ist aber auch klar: Zwei Vereine melden noch am Tag des Saisonbeginns den Verlust von Spielern. Göttingen hat den Vertrag mit Center Wolfgang Gieler auf dessen Wunsch hin aufgelöst und beim Aufsteiger Phoenix Hagen hat sich Center Sean Finn verabschiedet - obwohl er nach Vereinsangaben einen gültigen Vertrag hat. Ein Streit über die Freigabe für einen neuen Club zeichnet sich ab.

Doch für die Fans der BBL-Clubs ist die lange Sommerzeit, in der es nur Meldungen über Vertragsabschlüsse gab, nun vorbei. Bis zum Finale geht es für sie wieder vor allem um Körbe - und um Spannung bis in die letzten Sekunden eines Spiels.

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