Dies ist der zweite Teil des "FIVE"-Portraits über Washingtons Gilbert Arenas. Zum ersten Teil gelangen Sie hier.
Um den Spieler zu verstehen, der die schlichte Null auf dem Jersey trägt, reicht seine Erklärung für die Wahl seiner Trikotnummer. Gilbert Arenas ergatterte nach der Schule beim College-Team der Arizona Wildcats nur mit Mühe ein Stipendium. Immer wieder wurde ihm prognostiziert, dass er keine einzige Minute Einsatzzeit bekommen werde. Trotzig ließ er sich die Null aufs Trikot sticken und strafte danach alle Kritiker Lügen. Wie kaum ein anderer Spieler zieht Arenas aus Ablehnung seine Motivation.
Als er zwei Jahre später in der NBA erst zu Beginn der zweiten Runde gedraftet wurde, behielter auch bei den Profis die Nummer. Die Celtics, Magic, Blazers und Kings landeten auf seiner "schwarzen Liste", weil er ihnen im Rahmen eines Workouts sein Können demonstrierte, die Clubs ihn dennoch in der Draft verschmähten. 2003 kürte man ihn zum meistverbesserten Spieler der Liga, 2005 wurde Arenas als erster Spieler seines Draftjahrgangs zum All-Star-Game eingeladen.
Dennoch lieferte ihm sein Umfeld immer wieder neue Anlässe, sich zu motivieren. 2006 bekam er als viertbester Scorer der Liga von Fans und Trainern keine Nominierung für das All-Star-Game, rutschte später lediglich für den verletzten Jermaine O'Neal nach. Einige Monate später fehlte er im Zwölferkader des Team USA für die WM in Japan. Wasser auf die Mühlen von Arenas. All diese Demütigungen haben ihn nicht verbittert, sondern verbessert.
Eiskalter Scorer ohne Nerven
Stimmen die körperlichen Voraussetzungen, zählt Arenas inzwischen vor allem in der Crunchtime zu den meistgefürchteten Akteuren der Liga, als Scorer auf einem Level mit Laker Kobe Bryant und LeBron James von den Cleveland Cavaliers. Im fünften Spiel der ersten Playoffrunde von 2005 lieferte er mit der Sirene den Gamewinner gegen Chicago von weit draußen zum 112:110. Zum ersten Mal seit mehr als zehn Jahren gewann die Franchise aus der Hauptstadt eine Playoffserie.
2006 schenkte er den Cavs von weit hinter der Dreierlinie einen Buzzerbeater zum Sieg ein. Im Januar 2007 war erst ein Dreier mit der Sirene zum 108:105 gegen die Bucks zu bewundern, zwei Wochen später gefolgt von einem ähnlichen Distanzwurf zum 114:111 gegen Utah. "Wenn Gilbert sich vorgenommen hat, einen Korb zu erzielen, ist es momentan fast unmöglich, ihn daran zu hindern", sagte Gegenspieler Deron Williams von den Utah Jazz damals. "Du kannst nur versuchen, es ihm so schwer wie möglich zu machen, und dann beten, wenn der Ball in der Luft ist."
Drei Knieoperationen in nur 18 Monaten
Kurz danach wurde die große Show von Agent Zero zwangsweise abgesetzt, als Bobcat Gerald Wallace ihm ins Bein fiel. Diagnose: Kreuzbandriss. Heute blickt Arenas auf drei Knieoperation in 18 Monaten zurück. 2007/08 schaffte er es für 13 Partien aufs Parkett, verkündete aber kurz vor dem vierten Erstrundenspiel gegen die Cavs, dass er in den Playoffs nicht mehr auflaufen werde. Dennoch bekam er von den Wizards einen neuen Vertrag über sechs Jahre und 111 Millionen Dollar, die Saga seines verletzten Knies nahm jedoch kein Ende. Vergangene Saison folgte Ende März ein kurzes Comeback für zwei Spiele, danach musste das Knie erneut unters Messer.
Nun soll er also wieder fit sein, aber das wurde von vielen anderen Rekonvaleszenten früher auch behauptet, bevor sie sich langsam in die Bedeutungslosigkeit verabschiedeten. Selbst wenn dem so sein sollte: Die Zeiten haben sich geändert, und Arenas wird Zeit zur Eingewöhnung brauchen.
Die Wizards besitzen mittlerweile neben Antawn Jamison und Caron Butler einiges mehr an Firepower im Kader. Arenas hat auch schon geäußert, dass er mehr als traditioneller Point Guard auftreten wird, um seine Mitspieler öfter in Szene zu setzen.
Eine neue Rolle für Agent Zero?
Allerdings ist es ja nicht so, dass er einfach beschließen könnte, von nun an ein klassischer Ballverteiler vom Schlage eines John Stockton zu werden. Er hat schlicht nicht die Übersicht eines Jason Kidd oder Steve Nash. Auch ist er nicht so schnell wie ein Devin Harris oder Chris Paul oder so kräftig wie Baron Davis oder Deron Williams.
Sein Talent spiegelt sich vor allem in der Punkte-Kategorie auf dem Spielberichtsbogen wieder. Neben dem Dreier und dem Drive bis zum Korb auch jederzeit für den Mitteldistanzwurf abstoppen zu können, ist in der "Dunk-or-Distance"-NBA voller Spezialisten eine weitere wertvolle Gabe. Und nur durch seine Korbgefahr kann er auch zum Ballverteiler werden. Wenn er wie gewohnt attackiert, muss die Defense ein größeres Augenmerk auf ihn werfen. Dadurch entstehen Freiräume für die Mitspieler.
Natürlich bleibt die Frage, ob er nach seinen Ausflügen auf den Operationstisch immer noch die gleichen Fähigkeiten wie in der Vergangenheit sein Eigen nennt. Der Auftakt in die Saison 2009/10 ist gelungen, abzuwarten bleibt, wie sich der Körper des Null-Agenten während der 82 Spiele einer NBA-Saison verhält. Der Osten ist nicht mehr die schwache Conference, in der Point Guards wie Eric Snow oder Jason Williams ihre Teams in die Finals führen. Seit seinem ersten Ausfall haben sich andere Spieler auf Arenas Position etabliert. Bostons Rajon Rondo und Chicagos Derrick Rose dominieren mittlerweile im Osten die Eins, dahinter stehen Point Guards wie Jameer Nelson, Devin Harris, Mike Bibby, Jose Calderon oder Mo Williams.
Das ist ernstzunehmende Konkurrenz - und erst im alltäglichen Wettstreit mit diesen Jungs wird sich über die Saison zeigen, ob Agent Zero immer noch der Mann für jeden Einsatz ist.
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