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21.11.2009
 

NBA-Deal

Russischer Playboy will die Nets als Spielzeug

Von Felipe Alexander Dunsch, New York

New Jersey Nets: Zukunft in der SchwebeZur Großansicht
AFP

New Jersey Nets: Zukunft in der Schwebe

Sportliche Krise, knapp bei Kasse: Die New Jersey Nets bieten derzeit ein erbärmliches Bild. Hoffnung verspricht ein russischer Milliardär, der die Nets kaufen und nach Brooklyn verpflanzen will. Doch vorher müssen andere Teams dem Verkauf zustimmen - und der Umzug ist auch noch nicht sicher.

NBA-Commissioner David Stern bemüht sich seit Jahren um ein sauberes Image seines Sports. Spieler und Trainer müssen einer Kleiderordnung folgen, Rüpel- und Schlägereien werden hart sanktioniert. So ist nicht mehr viel übrig geblieben vom Schmuddelimage des Sports der siebziger und frühen achtziger Jahre. Unbequeme Spieler wie Dennis Rodman oder fiese Typen wie einst Bill Laimbeer sucht man vergebens.

Auf den Tribünen sieht es mitunter anders aus, denn unter den Besitzern der Teams finden sich ungewöhnliche Charaktere. Bekanntestes Beispiel ist Mark Cuban, Besitzer von Dirk Nowitzkis Club Dallas Mavericks. Der exzentrische Milliardär ist bei jedem Spiel seiner Mannschaft dabei und hält sich gegenüber Schiedsrichtern selten zurück, was ihm Jahr für Jahr hohe Strafen einbringt.

Mit dem Russen Michail Prochorow, 44, steht nun der erste Europäer bereit, sich als Besitzer in ein NBA-Team einzukaufen. Der Milliardär hat sich bereits mit der Besitzergruppe, zu der auch der US-Rapper Jay-Z zählt, über einen Deal einigen können. Prochorow zahlt 200 Millionen US-Dollar (umgerechnet etwa 133 Millionen Euro) für 80 Prozent der Anteile der New Jersey Nets und würde gleichzeitig 45 Prozent eines in Brooklyn, New York, entstehenden Gebäudekomplexes "Atlantic Yards" halten, dessen Bau noch umstritten ist. Teil dieses Komplexes wäre die neue Heimspielstätte der Nets. Über die notwendigen Enteignungen in Brooklyn ist noch nicht entschieden.

Playboy mit undurchsichtigen Finanzen

Der Umzug der New Jersey Nets nach Brooklyn ist jedoch nicht die einzige Schwierigkeit, die den Deal verhindern könnte. Die Besitzer von 23 der 30 NBA-Teams müssen dem Kauf zustimmen. Eine private, von der NBA nicht namentlich genannte, Sicherheitsfirma untersucht den finanziellen und privaten Hintergrund des Russen, um sicherzustellen, dass dieser finanziell geeignet ist, ein NBA-Team zu unterhalten. "Risk-Management" nennt Stern diese Unternehmung. Informationsquellen gibt es nur wenige: Bankdaten sind schwer verständlich und russischen Medienberichten ist nur mit Einschränkungen zu trauen. Die NBA wird kaum so viele Daten erhalten, wie sie sich wünscht. Die Besitzer müssen eine Entscheidung treffen, die einem Schuss ins Blaue gleicht. Andererseits kann es sich die NBA nicht leisten, auf einen gut situierten Käufer für die finanziell angeschlagenen Nets zu verzichten.

Michail Prochorow ist eine schillernde Figur. Der Metallinvestor ist Junggeselle, unglaublich reich und ein Playboy. Das US-Magazin "Forbes" führt ihn auf Platz 40 der reichsten Menschen der Welt. Sein Vermögen wird auf etwa 9,5 Milliarden US-Dollar geschätzt. 2007 wurde er von der französischen Polizei unter dem Verdacht festgenommen, für seine Gäste im Skiresort Courchevel Prostituierte eines illegalen Callgirl-Rings geordert zu haben. Von Orgien war die Rede. "Im Ausland wird das Auftauchen freier, unabhängiger, gut gebildeter, selbstbewusster Russen leider mit Erstaunen, Neid und Aggression aufgenommen", sagte Prochorow. Es habe keine Orgien gegeben, lediglich "die traditionelle Liebe der Russen zu schönen und lebhaften Festen und die Fähigkeit, sich zu vergnügen". Die Vorwürfe wurden fallengelassen, das Image aber blieb an ihm haften. "Um jung zu bleiben, muss man sich mit Jugend und Schönheit umgeben", sagte er. Die Frauen seien alles Freundinnen gewesen. Neben diesem Fall wird sich die NBA außerdem seine Rolle als Präsident des Russischen Biathlon-Verbandes anschauen; in seiner Amtszeit wurden drei Athleten positiv auf Blutdoping getestet.

Hoffnung auf den Neustart

Bei der Bewerbung um den Kauf der New Jersey Nets musste Prochorow gegenüber der NBA zustimmen, dass diese seine Bankkonten und seinen geschäftlichen Werdegang einsehen darf. Stern, der die NBA von einem maroden Unternehmen zu einer der einnahmestärksten Sportligen der Welt machte, ist offensichtlich nicht abgeschreckt von Prochorows teilweise mysteriöser Vergangenheit und befürwortet einen Einstieg des Russen: "Die Überprüfung ist noch unvollständig. Wir sind jedoch noch auf nichts gestoßen, was zu einer negativen Meinung über ihn führen könnte. Wir freuen uns auf den Abschluss der Transaktion."

Vom Sportlichen spricht derzeit in New Jersey kaum jemand. Den Nets steht derweil eine grausame Saison bevor - sie verloren jedes ihrer bisher zehn Saisonspiele. Die Unklarheiten über den Umzug nach Brooklyn - die Nets werden schon in dieser Saison nicht mehr den Schriftzug "New Jersey" auf der Brust tragen - und die unterdurchschnittliche Qualität der Mannschaft verprellten viele Fans. Da kommt ein russischer Oligarch mit vermeintlich guten Beziehungen zu Ex-KGB Agenten gerade recht, um ein wenig Begeisterung zu entfachen. Man räumt den Nets zudem Außenseiterchancen ein, Superstar LeBron James zu verpflichten, dessen Vertrag in Cleveland im Sommer 2010 ausläuft. Wer dann dessen Gehaltsscheck ausstellt, wird den Fans in Brooklyn egal sein.

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Zur Person

REUTERS
Michail Prochorow, geboren am 3. Mai 1965, gilt mit einem Vermögen von 9,5 Milliarden Dollar als reichster Bürger Russlands. Der Oligarch machte sein Vermögen mit einer Beteiligung an einem Rohstoffunternehmen. 2008 verkaufte er seine Beteiligungen an dem Konzern und transferierte den Erlös von sieben Milliarden Dollar zu einem von ihm gegründeten Investmentfonds. Prochorow gilt als Lebemann und ist bekannt für seinen ausschweifenden Lebenswandel. Er ist sportbegeistert und gilt als der begehrteste Junggeselle Russlands.

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