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17.11.2009
 

Achilles' Verse

Willkommen im Laufclub 21

Läufer mit Trisomie 21: 2007 erstmals einen Marathon gefinishtZur Großansicht
Hierl

Läufer mit Trisomie 21: 2007 erstmals einen Marathon gefinisht

Achim Achilles hat eine neue Gruppe in der Läufer-Gemeinde kennengelernt: Sportler mit Downsyndrom, die sich seit zwei Jahren im "Laufclub 21" treffen. Zusammen trainieren die Mitglieder für ihre große Herausforderung - einen Staffellauf über 160 Kilometer im kommenden Jahr, bei dem Achim mitläuft.

Simon Beresford ist vier Marathons gelaufen. Kein großes Ding für ihn. Sein Heimatstädtchen Lichfield ist eines dieser Laufnester, wie es sie in aller Welt gibt: Früher gab es keine Autos, heute rennen alle aus lauter Langeweile. Und Simon war immer dabei. Als der Knabe den Wunsch äußerte, auch mal die 42 Kilometer versuchen zu wollen, gaben ihm die Alten den bewährten Rat: "Trainier' einfach länger." Also rannte er weiter, schneller, härter.

Beim Flora-Marathon 2007 in London hatte Simon Beresford seine Premiere, die zur Welturaufführung geriet: Denn Simon ist ein Downie, Mediziner sprechen von Trisomie 21. Nie zuvor hatte ein Downie, wie sich manche selbst liebevoll nennen, einen Marathon gefinisht, was allerdings weniger am fehlenden Talent lag, sondern daran, dass es offenbar vor Simon nie ein Downie versucht hatte. Komische Brille, strammes Übergewicht und ungelenke Bewegungsabläufe, so sah das klassische und nicht gerade marathontypische Bild aus, das sich die Gesellschaft so machte.

"Was Simon kann, können wir auch", dachte sich Anita Kinle aus Fürth. Ihr Sohn Thomas hat das Down-Syndrom. Die resolute Ultra-Läuferin gehört wie Katharina die Große, Angela Merkel oder Beate Uhse zu jener Sorte Frau, bei der Männer instinktiv die Hacken zusammenknallen. Sie fragt nicht lange, sondern bestimmt lieber gleich. Vor zwei Jahren gründete sie den Laufclub 21 und rief Down-Läufer aus ganz Deutschland zum ersten gemeinsamen Runner's High auf eine 800-Meter-Strecke. Vorsichtig wie jeder Anfänger trabte und marschierte die bunte Truppe erst einmal.

Seither trainieren die meisten regelmäßig und haben das Walker-Stadium längst verlassen; Lauf-Paten sorgen für regelmäßige Übungseinheiten Zuhause. Die überwiegend jungen Athleten schaffen inzwischen mehr als zehn Kilometer, manche schon einen Halbmarathon. Nahezu jedes Wochenende trifft sich die Truppe zu einem Lauf irgendwo in Deutschland.

Downies sind ausdauernd, nur etwas langsamer. Denn der Gen-Defekt bringt Stoffwechselprobleme mit sich. Downies unterzuckern schneller; Laufen bedeutet eine ungleich größere Belastung. Ansonsten haben sie die gleichen Macken wie alle anderen Läufer auch: Christian braucht AC/DC auf die Ohren, Carolin weint im Ziel vor Glück, Benjamin geht nicht ohne Schirmmütze an den Start.

Das Besondere am Laufclub 21: Hier wird keine herzenswarme Kuscheltherapie geboten, sondern knallharter Sport. Wenn die Athleten über Unlust klagen, schrecken die Trainer vor einem zünftigen Anpfiff nicht zurück. Kein Training dauert unter zwei Stunden, die Harten wetzen mehr als drei Stunden am Stück. "Alle haben mehr erreicht, als wir je erwartet haben", sagt Anita Kinle, "dabei legen wir Wert darauf, dass unsere Sportler keine Sonderbehandlung bekommen. Sie sind Läufer wie alle anderen auch. Fertig." Clubchefin Kinle legt Wert darauf, dass ihre Athleten nicht durch übertriebene Rücksichtnahme diskriminiert werden. Sie gehört zu einer modernen Generation von Eltern, die ihre Kinder nicht verstecken, sondern offensiv fordern, gern auch mal bis an den Rand des Nervenzusammenbruchs.

Am 20. März 2010 starten die Marathonis zu ihrem bislang härtesten Lauf, einmal rund um Berlin. Zusammen mit drei Dutzend Ultras geht der Laufclub 21 mit einer Staffel auf die 160 Kilometer, die in 24 Stunden erledigt sein sollen. Achilles darf auch ein paar Kilometer mitrennen.

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