Hamburg - Das Rennen an der Stätte ihrer beiden Olympiasiege von 2002 war vermutlich das letzte in der Karriere der erfolgreichsten deutschen Winter-Olympionikin. Die wegen auffälliger Blutwerte gesperrte Eisschnellläuferin, die vor dem Schweizer Bundesgericht eine Startgenehmigung für das Rennen erkämpft hatte, hätte in Utah über die 3000 Meter mindestens Achte werden müssen.
Das Gericht steht nun nicht mehr unter dem Zeitdruck, möglichst noch vor den Winterspielen im Februar ein Urteil fällen zu müssen. Pechsteins Sperre läuft am 9. Februar 2011 aus. Nun geht es wohl "nur" noch um die Wiederherstellung ihres Rufs sowie Schadensersatzforderungen. Pechstein selbst bestritt eine Ende ihrer sportlichen Laufbahn: "Das war definitiv nicht mein Karriere-Ende."
Im 360. Rennen bei wichtigen internationalen Wettkämpfen zeigte Pechstein eine enttäuschende Leistung und kam auf eine Zeit von 4:04,59 Minuten. Erst kurz vor dem Rennen war die 37-Jährige mit dunkler Sonnenbrille in der Halle erschienen. Gemeinsam mit Teamchef Helge Jasch zog sie sich sofort aus dem Innenraum zurück und bereitete sich mit deutlicher Entfernung zu den anderen Läuferinnen auf das Rennen vor.
Pechstein startete gleich im ersten Paar gegen Eri Natori und hatte lange Mühe, mit der Japanerin Schritt zu halten. Erst auf den letzten anderthalb Runden setzte sie sich ab, doch schnell war klar, dass es zu einer Spitzenzeit nicht reichen würde. Das wusste die Berlinerin auch selbst genau. "Eigentlich nicht", antwortete sie auf die Frage, ob sie denn zufrieden mit ihrer Leistung sei: "Aber genau werden wir das erst nachher sehen." Noch minutenlang saß Pechstein erschöpft auf einer Bank und ging mit Teamchef Jasch noch einmal das Rennen durch.
Dopingprobe nach dem ersten Paar
Dann wurde sie auch schon aus dem Innenraum zur Dopingkontrolle geholt, was selbst den erfahrenen Jasch überraschte: "Das habe ich auch so noch nicht erlebt. Das ist alles andere als normal." Mit dem Rennen war er ebenfalls nicht zufrieden: "Das, was Claudia immer ausgezeichnet hat, nämlich gleichmäßige Rundenzeiten zu laufen, hat hier nicht funktioniert. Sie hat kontinuierlich abgebaut und ist in der letzten Runde eine schwache 32,29 gelaufen."
Als Erste unterbot ausgerechnet die Berlinerin Katrin Mattscherodt in 4:03,89 Minuten Pechsteins Zeit. Sie hatte beim Weltcup in Hamar den Olympia-Startplatz über 5000 Meter für die Deutsche Eisschnelllauf-Gemeinschaft geholt. "Ich bin froh, dass ich auf dem Eis zeigen konnte, dass ich diesen Platz verdient habe", sagte Mattscherodt.
Weltrekord für Jenny Wolf
Eine Top-Leistung zeigte Sprinterin Jenny Wolf. Die 30-Jährige unterbot in 37,00 Sekunden über 500 Meter ihren eigenen Weltrekord erneut um zwei Hundertstelsekunden. Das Kunststück, als erste Frau überhaupt eine 36er-Zeit zu laufen, hat die 30-Jährige dagegen knapp verfehlt. "Der Weltrekord ist natürlich super, aber eine 37,00 ist eigentlich das Schlimmste, was mir passieren konnte", sagte Wolf im Ziel: "Eine 36er-Zeit hätte doch ein bisschen anders ausgesehen. Da fehlten wahrscheinlich nur ein paar Tausendstel an einer neuen Dimension."
Neun Wochen vor den Olympischen Winterspielen in Vancouver untermauerte sie damit zum wiederholten Mal ihren Status als unumstrittene Top-Favoritin auf Sprint-Gold, auch wenn sie selbst tief stapelte: "Ich bleibe optimistisch für Olympia, auch wenn es an der Spitze sehr eng wird." Dafür ist vor allem Wolfs Rivalin Wang Beixing (China) verantwortlich, die beim 46. Weltcupsieg der Deutschen in Salt Lake City in 37,14 Sekunden Zweite wurde. Den dritten Rang belegte Lee Sang-Hwa aus Südkorea (37,24). Wolf baute mit dem sechsten Sieg im siebten Saisonrennen ihre Führung im Gesamtweltcup vor Wang aus. Am Samstag kann sie im zweiten Rennen noch einmal nachlegen.
jok/sid/dpa
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