Lesen Sie im ersten Teil des Interviews, warum die EM in Polen bislang der Höhepunkt in Jaglas Karriere war und was er über Vergleiche mit Dirk Nowitzki denkt.
Frage: Herr Jagla, Ihre Einsatzzeiten in der deutschen Nationalmannschaft sind immer stark abhängig davon, ob Dirk Nowitzki dabei ist. Wie sehen Sie das?
Jagla: Wenn der auf seiner Position beste Spieler der Welt vor dir spielt, dann ist alles, was du machst, relativ. Dann könntest du der zweitbeste Spieler der Welt sein, und trotzdem hättest du es schwer.
Frage: Was haben Sie empfunden, wenn Sie in der DBB-Auswahl nur Ersatzmann waren?
Jagla: Ich will natürlich immer spielen, und deshalb war es für mich sehr frustrierend, wenn ich bei der Nationalmannschaft anfangs nur auf der Bank gesessen habe. Je länger ich über die Jahre trotz guter Vereinssaison saß, desto frustrierender wurde es. In der Situation selbst war es extrem schwer für mich, aber rückblickend relativiert sich da einiges.
Frage: Wie meinen Sie das?
Jagla: Ich war bei einer WM in Japan, bei Olympischen Spielen samt der beeindruckenden Eröffnungsfeier, ich war bei mehreren Europameisterschaften. Dafür muss man Dirk auch danken. Ohne ihn hätten wir vielleicht öfter die EM-Qualifikation als Hürde gehabt, und dann wäre eine Teilnahme bei einer EM der Höhepunkt der Karriere im Nationaltrikot gewesen.
Frage: Wenn Sie früher ein paar Minuten spielen duften, haben Sie viele Würfe genommen, oft auch solche, die zu schwierig waren. War es nicht möglich, das Spiel auf sich zukommen zu lassen?
Jagla: Für mich damals nicht. Es ist eine Tugend, wenn man das schafft, ich aber habe mir da öfter eher selbst im Weg gestanden. Der Trainer wollte nur, dass ich für fünf, sechs Minuten reinkomme und meine offenen Würfe nehme. Das zu verstehen, war damals schwer. Heute bin ich reifer.
Frage: Welche Philosophie ist richtig: "Wer trifft, hat recht" oder "Ein schlecht ausgewählter Wurf, der reingeht, ist immer noch eine schlechte Entscheidung"?
Jagla: Letzteres. Es geht nicht immer nur darum, in dem Moment zu punkten, sondern auch darum, im Gesamtkontext der Partie alle Spieler zu involvieren. Wenn einer seine Soloshow abzieht und die anderen Spieler den Ball nicht mal berühren, werden sie irgendwann hinten nicht mehr richtig verteidigen. Würfe sollten aus dem System heraus zusammen erarbeitet werden.
Frage: Die Wurfauswahl ist immer ein Thema zwischen Ihnen und Bundestrainer Dirk Bauermann. Werden Ihnen die wichtigen Treffer bei der EM in Polen helfen, künftig bei dem Thema entspannter zu sein?
Jagla: Ich hoffe es. Das wird sich vor allem zeigen, falls Dirk Nowitzki nächsten Sommer bei der WM in der Türkei wieder dabei ist.
Frage: Sie haben bereits bei acht Clubs gespielt. Warum lief es vor allem bei den letzten beiden in Ankara und Badalona besonders gut?
Jagla: Ich bin kein Spieler, der sich seine Würfe aus dem Dribbling heraus kreiert. Natürlich mache ich auch mal eine Wurftäuschung, nehme ein, zwei Dribblings und gehe dann hoch, aber insgesamt gesehen funktioniere ich am besten in einer Truppe, die als Team arbeitet, in der sich die Spieler gegenseitig die Würfe auflegen. Genau das habe ich in Ankara gefunden.
Frage: Was ist das Spezielle an der spanischen Liga ACB, wo Badalona spielt?
Jagla: Dass du jede Partie voll spielen musst. In jeder anderen Liga, in der ich bis jetzt war, gab es Teams, die schlecht waren, bei denen klar war, dass du gewinnst. In der ACB kannst du zum Tabellenletzten fahren, der acht Spiele in Serie verloren hat, aber wenn du nicht bereit bist und alles gibst, kriegst du eine Klatsche mit 20 Punkten.
Frage: Und wie war es in Griechenland?
Jagla: Im ersten Jahr als Profi bin ich zuerst bei Panellinios Athen rausgeflogen und habe danach bei Quakenbrück auch nicht wirklich viel gespielt. Damals habe ich zeitweilig gezweifelt, ob ich wirklich das Zeug habe, Basketballprofi zu werden.
Frage: Abgesehen von Ihrem Engagement in Quakenbrück von 2004 bis 2005 hat es mit Ihnen und der Bundesliga nie geklappt. Gab es beispielsweise keine Gespräche mit Alba, dem Club Ihrer Heimatstadt?
Jagla: Gespräche gibt es immer, aber es wurde nie so konkret, dass ein Vertragsangebot vorlag. Ich möchte jetzt aber auch niemandem zu nahe treten, ich mag Alba Berlin, das ist ein hervorragend organisierter Verein, ich mag den Coach, die Stadt sowieso, aber es hat halt einfach bisher nicht gepasst.
Frage: Wie bewerten Sie das Niveau der Bundesliga?
Jagla: Ich habe immer versucht, auf dem höchsten Niveau zu spielen. Und wenn ich in die ACB gehen und Euroleague spielen kann, dann ziehe ich nicht die Bundesliga vor, auch wenn ich aus Deutschland stamme. Sich mit den besten Spielern Europas zu messen, ist eine großartige Sache, die mir viel bedeutet.
Das Interview führte Sven Simon
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