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27.12.2009
 

Distanzwerfer

Die Special Forces der NBA

Dreipunkte-Schütze Butler (r.): Spezialisten, die bestimmte Kombinationen in sich vereinenZur Großansicht
AFP

Dreipunkte-Schütze Butler (r.): Spezialisten, die bestimmte Kombinationen in sich vereinen

Der Dreier war schon immer eine Sache für Spezialisten. Zuletzt rückten aber zwei besondere Exemplare dieser Spezies in den Mittelpunkt. "FIVE"-Autor Sven Simon erklärt, warum diese Profis zwar nie Stars werden, im richtigen System aber zu Meisterehren kommen können.

Seit der Einführung des Dreiers in der NBA im Jahre 1979 nahm die Bedeutung des Distanzwurfes stetig zu. Ein deutliches Indiz dafür ist, dass in der Saison 1979/80 ein gewisser Brian Taylor von den San Diego Clippers mit 90 getroffenen Dreiern die Liga anführte, 29 Jahre später netzte Rashard Lewis dagegen als bester Distanzschütze der vergangenen Saison 220 Dreierwürfe ein.

Doch ein Spieler, der den Dreier als einzige Stärke vorzuweisen hat, hat es in der stärksten Liga der Welt immer schwer. Vor allem in den vergangenen Jahren bildeten sich deshalb Spezialisten heraus, die bestimmte Kombinationen in sich vereinen. Zum einen ist das der lange Schütze aus dem Frontcourt, neuerdings als "Stretch-Four" betitelt, zum anderen der Flügelspieler, der sich vorne im extremsten Fall auf den Dreier aus dem Stand aus der Ecke beschränkt, hinten aber beste Verteidigung im Programm hat.

Zwei Aspekte haben die Bedeutung des "Stretch-Four" grundlegend verändert. Zum einen wurde die physische Härte im Spiel unter dem Korb beschnitten. Zum anderen streckten die Talentsucher der NBA nach dem Erfolg des Dream Teams von 1992 und dem damit verbundenen globalen Aufschwung ihre Fühler auch nach Europa aus. Dort trafen sie viele große Spieler, die eher mit Finesse als mit Kraft agierten und in der Lage waren, auch aus der Distanz zu treffen.

Das Spiel muss in der Offensive auseinandergezogen werden

Mittlerweile wird ein großer Spieler mit Distanzwurf für ein Team, das um den Titel mitspielen möchte, fast als notwendig angesehen. Als größte Schwachstelle bei den Cavaliers beispielsweise wird dieses Jahr das Fehlen dieses Spielertyps im Frontcourt bezeichnet. Wie es der Name "Stretch-Four" schon sagt, geht es vor allem darum, das Spiel in der Offense auseinanderzuziehen. Orlandos Rashard Lewis ist momentan der gefährlichste Akteur auf diesem Gebiet, aber erstaunlicher ist, dass auch mindertalentierte Profis wie San Antonios Matt Bonner ihre Nische finden.

Der 2,08 Meter große Rotschopf hat abseits seines Wurfes keine wirkliche Stärke - er reboundet schlecht und ist im besten Fall ein mittelmäßiger Verteidiger, aber große Shooter brauchen nicht unbedingt eine weitere überragende Fähigkeit. Ihr Dreier an sich reicht aus, weil dadurch ein großer Verteidiger nach außen gebunden wird und automatisch in der Mitte wertvoller Platz für die Leistungsträger entsteht. Da ist es zu vernachlässigen, wenn der betreffende Spieler auf anderen Gebieten Defizite hat.

Swingmen mit Kombination aus Distanzwurf und überragender Verteidigung

Bei den Distanzschützen auf der Zwei und der Drei (siehe Glossar) sieht das anders aus, weil sie eben nicht zwangsläufig einen gegnerischen Big Man nach außen locken. Deshalb muss in diesem Fall eine weitere Stärke her. In den letzten Jahren kristallisierte sich bei den Swingmen dabei immer mehr die Kombination aus Distanzwurf und individuell überragender Verteidigung heraus. Paradebeispiele sind der gerade zurückgetretene Bruce Bowen und Houstons Shane Battier.

Ein Traumjob ist das aber beileibe nicht. Anerkennung gibt es von der Öffentlichkeit selten. Michael Cooper verglich es mal mit der Müllabfuhr. "Diese Jungs fallen dir nie auf - bis zu dem Zeitpunkt, an dem sie ihren Job mal nicht ordentlich machen", sagte der Edelverteidiger der Showtime-Lakers aus den Achtzigern.

Hinzu kommt, dass die Verteidigungsspezialisten die Schiedsrichter nicht unbedingt auf ihrer Seite haben. Und wenn sie gegen einen Star die Linie zwischen hartem und gefährlichem Spiel überschreiten, sind sie sofort der Mittelpunkt harter Kritik. Beispiele dafür sind Bells Armschwinger gegen Kobe Bryant oder Bruce Bowens Tritte gegen Ray Allen und Chris Paul und der Vorwurf, dass er absichtlich seinen Fuß so hinstellt, dass der gegnerische Werfer darauf landet.

Anerkennung gibt es zumeist nur von den eigenen Mitspielern. Nur selten gibt es Situationen, in denen sie auch offensiv mal glänzen. So wie Bowen 2005 im siebten Finale gegen Detroit, als er den vorentscheidenden Dreier zur Meisterschaft einnetzte. Oder als Battier im vierten Spiel der vergangenen Playoffs Bryant bei 15 Punkten hielt und selbst 23 Zähler zum Sieg der Rockets beitrug. "Natürlich ist das schön, aber es ist die absolute Ausnahme, deshalb versuche ich, das alles abzuhaken und mich lieber auf das nächste Aufeinandertreffen vorzubereiten", sagte Battier damals.

Paradoxe Situation

Das Paradoxe an den beiden beschriebenen Spielertypen ist, dass sie - obwohl sie beide den Dreier als größte offensive Stärke haben - entgegengesetzte Ziele verfolgen. Der lange Shooter möchte das Spiel weit machen, um den spektakulären Stars viel Raum für Drives und Dunks zu verschaffen. Der Flügelverteidiger möchte mit seiner Defense genau das verhindern.

Gemein ist beiden Spielertypen, dass dafür nur Akteure geeignet sind, die früh begreifen, dass sie auf höchstem Niveau keine großen Stars werden können, da es an Talent mangelt. Stattdessen beschränken sie sich auf bestimmte Details des Spiels und trainieren diese bis zur Perfektion. Nur dadurch konnte jemand wie Bowen drei Meisterschaften mit den Spurs einheimsen.

Das ist eine weitere Parallele: Oft erfahren diese Spieler die richtige Wertschätzung erst bei erfolgreichen Clubs, die regelmäßig tiefer in die Playoffs vordringen. Nicht selten stehen bei Spezialisten wie Bonner, Bell oder auch Trevor Ariza zuvor viele Stationen in der Vita, bis sie dann ihre Nische im richtigen System finden. Für die Zukunft könnte das auch für andere Profis Anlass sein, daran zu arbeiten, sich zu einem der hier beschriebenen Spielertypen zu entwickeln.

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insgesamt 3 Beiträge zum Forum...
Die neuesten Beiträge:
28.12.2009 von magoly: Ansichtssache

Da bin ich durchaus Ihrer Meinung (bis auf die inflationäre Nutzung des Buchstabens "a"). Allerdings gibt es da wohl immer Mischformen, bessere Beispiele, etc. Tayshaun Prince ist meines Erachtens ein sehr gutes [...] mehr...

27.12.2009 von brian_griffin: gut gemeint

naaaaaaaaaaajaaa... ich bin ja durchaus dankbar für solche artikel, aber stojakovic nicht zu erwähnen und auch JR Smith aussen vor zu lassen dafür aber Shane Battier dessen beste Fähigkeit eindeutig die Defense ist mit in die [...] mehr...

27.12.2009 von nurEinGast: n1

Ich hab zwar kaum ne Ahnung worum es in dem Artikel ging (dafür hab ich von BB zuwenig Ahnung), aber ich finde die Details und Zusammenhänge in den verschiedenen Sportarten immer wieder interessant. Wenn ich mir was fürs nächste [...] mehr...

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Zu einem Basketballteam gehören fünf Akteure. Auf der Eins spielt der Point Guard (Aufbau). Die Zwei hat der Shooting Guard inne, dessen vornehmliche Aufgabe es ist, Punkte zu erzielen. Die Drei ist der Small Forward, eine wendige Flügelkraft mit einem guten Wurf. Spieler, die auf der Zwei oder Drei eingesetzt werden können, heißen "Swingmen". Die Vier ist der Power Forward, ein kräftiger Spieler, der durch seine Größe auch für Rebounds prädestiniert ist. Auf der Fünf spielt der Center, der zumeist in Korbnähe agiert. Die Positionen Eins und Zwei bilden den Backcourt, Drei bis Fünf sind der Frontcourt.

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