Die Waage zeigte seit längerem nur noch "Error" - kein Wunder, bei einem Kampfgewicht von geschätzten 160 Kilogramm. Ich war an einem Punkt, an dem es einfach nicht mehr weiter ging.
Es musste sich etwas ändern, nur wie? Eine Punktezähl-Diät? Davon hatte ich eher Schlechtes als Gutes gehört, aber was soll's, probieren kann man es ja. Ich verkniff mir die Chips nach der Pizza und jede noch so kleine Sünde. Die Pfunde purzelten und ich fühlte mich besser. Es war fast wie ein kleines Wunder.
Kaum waren die ersten Pfunde geschmolzen, interessierte ich mich sogar wieder für Sport. Als Schwergewicht hatte ich Golf gespielt, jetzt konnte ich mich nicht mehr damit identifizieren. Also suchte ich mir etwas Neues. Ich fing ganz schonend mit Nordic Walking an, was mir bald schon nicht mehr reichte. Ich wollte endlich wieder laufen, schließlich hatte mir das Joggen früher richtig Spaß gemacht.
Ich begann im klassischen Zwei-Minuten-Takt: zwei Minuten laufen, zwei Minuten gehen. Ich meldete mich auch in einem Fitnessstudio an, um etwas für den Muskelaufbau zu tun. Gut zehn Monate und 50 verlorene Kilos später, lief ich meinen ersten Halbmarathon in Lübeck: ich finishte in 2:08 Stunden.
Ermüdungsbruch statt Berlin-Marathon
Im folgenden Jahr meldete ich mich in einem Sportverein an, der auch gleichzeitig ein Marathonstützpunkt ist. Beim nächsten Halbmarathon in Kassel brachte ich 85 Kilogramm auf die Waage. Ich verbesserte meine Zeit auf 1:39:44 Stunden. Wenig später lief ich einen Halbmarathon in Marburg und weitere Zehn-Kilometer-Läufe. Doch irgendwie reichte mir das alles nicht mehr - ich wollte einen Marathon laufen. Dafür hatte ich Berlin auserkoren, dort wo Haile Gebrselassie seine Rekorde läuft und es das beste Publikum der Welt geben soll.
Leider kam es nicht dazu. Bei einem langen Trainingslauf zog ich mir einen Ermüdungsbruch zu und musste vier Wochen komplett auf Sport verzichten. Danach durfte ich vier Wochen nur Rad fahren und schwimmen. Als mein Arzt schließlich grünes Licht gab, war ich so aufgeregt wie ein kleines Kind bei der Weihnachtsbescherung. Endlich durfte ich wieder meine Schuhe schnüren. Ich war fit und ausgeruht.
Gewicht halbiert, Ironman als Ziel
Ich lief wie ein junger Gott. Mir wurde bewusst, wie sehr mir das Laufen gefehlt hatte. Heute, fast zwei Jahre nach meinem Kampf gegen die Pfunde, kann ich mich nicht mehr an die Person erinnern, die ich früher war. Auch Bilder von damals kann ich mir kaum angucken, denn diese Person bin ich nicht mehr und will auch nie wieder weder so aussehen noch so antriebslos sein.
Mein Gewicht habe ich um die Hälfte reduziert und wiege nun 79 Kilogramm bei einer Größe von 1,89 Metern. Ich habe keine gesundheitlichen Probleme, die Bluthochdruckmittel konnte ich absetzten und mein Arzt ist zufrieden mit mir. Selbst mein vierfacher Bandscheibenvorfall macht mir keine Probleme mehr. Manchmal kann ich gar nicht glauben, dass ich das alles tatsächlich geschafft habe.
Ich will meine Ziele weiter verfolgen, denn ich habe gemerkt, dass mich selbst Rückschläge nicht aus der Bahn werfen. Dieses Jahr werde ich den Marathon laufen, komme was wolle. Außerdem habe ich noch eine weitere Idee, ich nenne sie "Projekt 2015". Denn dann habe ich vor, einen Ironman zu schaffen.
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