Am Sonntag hat Laufen wirklich mal Sinn gehabt. Hunderte Freizeitathleten spulten an über 400 Orten extra viele Kilometer für einen guten Zweck ab. "Run4haiti" hieß die Aktion, die sich der Münsteraner Student Hendrik ausgedacht und allein übers Internet organisiert hatte. Pro Kilometer spendeten die Läufer einen Euro, am Ende kamen über 25.000 Euro zusammen.
Mitmachen, klare Sache, auch wenn Berlins Strecken seit Wochen verschneeist sind. Zweites Handicap: Im Bekanntenkreis findet sich absolut keiner, der sonntagmorgens um 7.30 Uhr mitläuft, wenn das Thermometer zehn Grad minus anzeigt. Alles elende Frühlingsjoggerpussies. Selbst der eisenharte René hatte im letzten Moment per SMS abgesagt, mit der originellen Ausrede, dass in der Nacht "Vollmond" gewesen sei. Dabei zaubert der Frost wirklich nette Läufer-Zombies.
Wenigstens keine Walker im Grunewald, die mehren zu Hause ihren Winterspeck. Die zahlreichen Stockspuren stammten von Langläufern, die direkt neben der bleireichen Avus ein bisschen Finnland-Feeling zu atmen versuchten.
Also allein auf zu einem knappen Halbmarathon; knirschende Langeweile mit bangen Blicken auf die Wildschweinspuren. In harten Wintern sollen die Viecher ja sogar Läufer verspeisen und allenfalls die schwer verdaulichen Funktionsklamotten wieder ausspucken. Bei meinem Trainingsstand habe ich keinerlei Aussicht auf erfolgreiche Flucht.
Ein historisches Experiment
Um die Eintönigkeit zu bekämpfen, wage ich ein historisches Experiment. Neulich sorgte eine US-Studie für Aufsehen, die ergeben hatte, dass moderne Laufschuhe mit Dämpfungssystemen aus der Weltraumforschung Verletzungen begünstigen. Brettsohlen aus der Ära Zatopek verursachten dagegen angeblich keinerlei Schäden.
Also die guten alten "Handball Spezial" aus ihrem Endlager in der hintersten Ecke des Schuhschranks gekramt, die dort schliefen für den Fall, dass Heiner Brand vielleicht doch noch mal anruft. Die Treter in zartem Bleu sind in etwa baugleich mit den Klassikern "Samba" und "Universal". Sohle, ein paar Lederlappen, Schnürsenkel - fertig. Eine Idee von Dämpfung verbirgt sich allenfalls in der gummiartigen Sohle, die von kaum mehr erkennbaren Kerben nach dem Zufallsprinzip durchzogen ist und einigen Mulden, die wie Monde um den Ballenkreis angeordnet sind.
Einziger technologischer Knüller sind die Lüftungslöcher von Holzwurmgröße. Keine Materialmixe, kein ABS, keine 17-Zonen-18-Materialien-Sohle, überhaupt kein modischer Schnickschnack. Die Botten dürften einige tausend Kilometer hinter sich haben, wenn man die kurvenreichen Rückwege aus dem Flair dazu rechnet. Das echte Leder, über Jahre mit Eigenschweißbehandlung in ideale Passform geknetet, scheint unverwüstlich. Gewicht: 374 Gramm im Vergleich zu den 378 Gramm des Trainingsschuhs, sämtliche Schlammreste mitgewogen.
Ein Lauf im Dienst der Forschung
Was würde nun mit meinem sensiblen Laufapparat geschehen, wenn mich die "Handball Spezial" durch die weiße Hölle des Grunewalds trügen? Würde ich, wenn überhaupt, zurückkehren wie ein Versehrter aus Russischer Gefangenschaft? Würden meine zarten Ballettzehen die brutale Härte brüchigen Leders unblutig überstehen? Egal. Es war ein Lauf im Dienst der Forschung. Millionen Läufer wollen schließlich wissen: Sollen wir uns weiterhin mit Gel, Luft und Plastikknautsch dämpfen? Oder geht der Trend zurück zur reduzierten alten Sachlichkeit?
Hier nun die Ergebnisse eines todesmutigen 20- oder vielleicht auch nur 18-Kilometer-Laufes:
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Zumindest triffe seine Aussage deckungsgleich mit dem, was ich in der Praxis erlebe. Wenn man hier so liest, kann man ja zum Eindruck kommen, daß hier nur Fußkrüppel herumlaufen, oder Leute, die im Wanderzirkus auftreten [...] mehr...
Nace einigen hundert Metern schon "wochenlang" Probleme? Das sollte aber ein Extremfall sein. Ich hoffe, Du geht noch aus dem Haus zu Einkaufen ;) mehr...
Ich würde noch zur NASA gehen, das Gutachten von Frau Knoblock einholen, und den Experten Wolfgnag Büser fragen, ob das so OK wäre. Ach ja: ein richtiges Qi Gong muß unbedingt, sonst droht Leberverkrümmung. Mein Gott Leute, [...] mehr...
Sollte keinerlei Problem darstellen. Ich weiß zwar nicht, was die Foristen hier für Schweinefüße haben, aber die Samba sind da genau so gut wie alles anderen - auch für 30 km. Und das jeden Tag. Und wenn jemand mit denen [...] mehr...
Die meisten Leser habe die Glosse wohl Ernst genommen... Mein Tip wäre, dass Achim`s Laufschuhe auch eher abgelaufene Exemplare sind und dann macht der Umstieg auf Samba und Co. keinen großen Unterschied. Vieleicht gehört er ja [...] mehr...
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