Von Daniel Killy und Benjamin Schulz
Amerikaner lieben Underdogs - und sie lieben Comeback-Kids. Jene, die immer wieder aufstehen, egal, wie häufig sie zuvor niedergestreckt wurden. Beides trifft auf die New Orleans Saints zu, an sich eines der erfolglosesten Teams der NFL-Geschichte. In allererster Linie ist die Geschichte des Comeback-Kids aber jene der Stadt New Orleans, die die Folgen des verheerenden Hurrikans "Katrina" von 2005 noch immer nicht überwunden hat. Bis zum Abend des Super-Bowl-Finales in Miami, an dem Drew Brees und die Saints ihrer Stadt endgültig den Glauben an sich selbst wiedergaben.
Es gibt Momente in Spielen, in denen man weiß, wer gewinnen wird. Und auch dieser Super Bowl hatte solch einen Moment. Exakt: Im letzten Viertel, 3 Minuten und 24 Sekunden vor Spielende. Die Colts waren an der 26-Yard-Linie der Saints und auf einem guten Weg, zum 24 zu 24 auszugleichen. Und dann, innerhalb weniger Sekunden, war für Indianapolis und seinen überragenden Quarterback Peyton Manning alles verloren.
Mannings bester Passfänger Reggie Wayne stand auf der linken Seite des Spielfelds. Zu ihm sollte der Pass gehen. Doch Tracy Porter hatte etwas geahnt. "Ich habe das schon oft auf Film gesehen", sagte er. Weil er ahnte, was geschehen würde, war der Saints-Cornerback vor Wayne am Ball und nicht einmal zehn Sekunden später in der Colts-Endzone. Ein Spielzug, der das Spiel entschied. Die Saints führten plötzlich mit 14 Punkten.
Ballgewinn in der Verteidigung als Erfolgsrezept
Nun lag es an der Saints-Defensive, diesen Vorsprung zu retten. Die Jungs taten es auf beeindruckende Weise, ließen keines der berühmten Manning-Comebacks zu, ja noch nicht einmal weitere Colts-Punkte. Dabei hatte New Orleans während der ganzen Saison keine überragende Defensive gehabt. Das Team war immer darauf angewiesen gewesen, dem Gegner den Ball abzunehmen - schaffte das allerdings besser als fast jede andere Mannschaft. 26 Interceptions waren in der regulären Saison die drittmeisten der Liga.
Brees' Leistung ist auch ein Dank an seinen Trainer. Sean Payton brachte Brees 2006 nach New Orleans, als ihn kaum ein anderes Team wegen einer gerade überstandenen Operation an seiner Wurfschulter haben wollte - eine sehr mutige Entscheidung. Brees zahlt es ihm seither mit guten Leistungen zurück, war im Endspiel der bessere von zwei sehr guten Quarterbacks und wertvollster Spieler.
Defensivspezialist vervollständigt das Meisterpuzzle
Um sein Meisterpuzzle zu vervollständigen, verzichtete Payton vor der Saison auf 250.000 Dollar Gehalt, um Defensivspezialist Gregg Williams zu verpflichten. Das hat sich gelohnt. Williams war mutig genug, Manning immer wieder mit zusätzlichen Verteidigern unter Druck zu setzen. Normalerweise geht so ein Konzept gegen Manning nicht auf, weil dadurch weniger Verteidiger die Passempfänger decken. Diesmal nicht. Der Druck zeigte Wirkung. Williams hatte keine Angst vor dem Risiko, weil auch sein Chef keine zeigte.
Bei einem 10:3-Rückstand im zweiten Viertel ging Payton das Risiko ein, einen Touchdown zu versuchen - statt sein Kickteam auf den Platz zu schicken, um sich die drei Punkte durch ein Field Goal zu sichern. Das hätten außer ihm wohl nur wenige NFL-Trainer gewagt.
Doch Payton riskierte zum Start der zweiten Halbzeit einen sogenannten Onside Kick, um in Ballbesitz zu bleiben. "Tu es", bestärkte Williams seinen Chef, "so gewinnt man Titel." Wenig später erzielten die Saints ihren ersten Touchdown. "Diese Entscheidungen sind typisch für die Saints und unseren Cheftrainer", sagte Brees.
Abendmesse für Super Bowl abgesagt
Diese Entscheidungen - selbstbewusst, mutig und klug - zeigen, was die Saints hinter sich gelassen haben: Mehr als vier Jahrzehnte sportlich zumeist grausamer Jahre. Fans, die im Heimstadion mit Papiertüten über ihren Köpfen saßen, weil die Leistungen des Teams so erbärmlich waren.
Brees jubelte nach dem Spiel: "Wer hätte vor vier Jahren gedacht, dass es einmal so weit kommen würde? 85 Prozent der Stadt standen unter Wasser. Es war höchst fraglich, ob es die Stadt und das Team überhaupt noch geben würde. Aber sowohl Stadt wie auch Team standen wieder auf. Wir schworen uns: "Wir kommen wieder, wir stehen das gemeinsam durch. Das haben wir die vergangenen vier Jahre getan - und heute ist dieser Glaube in diesem unglaublichen Sieg gegipfelt."
Dass vielleicht tatsächlich neben dem Glauben göttlicher Beistand dabei gewesen sein mag bei dieser himmlischen Geschichte, liegt schon im Ursprung des Teams begründet. Als 1966 der damalige Erzbischof von New Orleans, Philip Hannan gefragt wurde, ob er den Namen Saints für ein Sakrileg halte, antwortete er: "Überhaupt nicht. Sie werden alle Gebete gut gebrauchen können. Bedenken Sie, dass die meisten Heiligen Märtyrer waren."
Hannan, heute 96, saß übrigens am Sonntag neben Saints-Besitzer Tom Benson (82). Und feierte die Auferstehung seiner Stadt. Sein Nachfolger hatte übrigens für Sonntag die Abendmesse abgesagt. Es wäre während des Spiels ohnehin keiner gekommen.
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Nagut, wobei man bei den Vikings und Favre schon sagen muss dass das Team zu 99% selbstverschuldet rausflog. Wer kommt denn bitte auf die Idee bei ~30 Sekunden auf der Uhr und ausgeglichenem Spielstand noch einen Pass zu werfen [...] mehr...
Ich bin kein Football Fan. Ich bin nichtmal ein Saints Fan. Und doch habe ich - mit vielen meiner 'nicht-Fans' das Spiel gestern abend intensiv verfolgt. Denn fuer uns als New Orleanians - und damit Mitglieder der "Who dat [...] mehr...
Ein schönes Spiel beider Mannschaften. Auch wenn mir der Superbowl letztes Jahr ein wenig dramatischer vorkam. Hat vielleicht auch daran gelegen, das dieses Jahr viel mehr auf Taktik gesetzt wurde und nach der Interception [...] mehr...
"Die Moderation mit dem unvermeidlichen Dauergast Tom Nütten war dieses mal zwar gar nicht so schlecht, aber man fühlt sich durch die ständigen Hinweise auf "die statistikwütigen Amerikaner" oder die "achso [...] mehr...
Saison fängt August mit der Vorsaison an und startet richtig im September. Wenn man das Spiel versteht ist recht spannend. Leider haben die Vikings gegen die Saints in Overtime vor zwei Wochen verloren. Hätte gerne Brett Favre [...] mehr...
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