Der Franky ist nicht gerade der Läufer-Typ. Aus seinen 170 Kilogramm kann man drei afrikanische Weltklasse-Athleten machen und es bliebe immer noch ein großer Sack Kartoffeln übrig. In elf Jahren als "Morningmän" bei Radio ffn hat Franky sich 70 Kilo angefuttert, kontinuierlich ein Pfund pro Monat. Das Leben ist hart: Jeden Morgen um drei Uhr raus, am Wochenende Plattenauflegen in den Dorfdissen zwischen Großenkneten und Westerstede. Hier ein halbes Dutzend Bierchen, dort eine Pizza mit drei Dönern drauf. Beim Spachteln funktioniert Franky wie ein Uhrwerk.
Für sein Footballteam war Franky ein Geschenk. Der Quarterback konnte sich prima hinter ihm verstecken. Damals hat Franky noch fünfmal die Woche Eisen gestemmt. Dann war mit dem Football Schluss. Aber Franky schlemmte weiter, bis die Frau in der Wäscherei eines Tages erklärte, dass man keine Zelte reinige. Dabei waren es nur Frankys Unterhosen. Die 200-Kilo-Marke war in Sicht.
Schluss jetzt, dachte Franky im Januar: Ein neues Leben muss her, Bewegen bringt Segen. Willkommen im Laufclub. Aber noch nicht ganz. Denn Franky macht erst mal den Calli. Weg mit dem Speck, aber zunächst nur mit Walken. Denn der Arzt sagt, dass Laufen mit dieser Tonnage schlagartig die Gelenke ruiniert und wahrscheinlich auch die Straße. Also ab zur Medizinischen Hochschule Hannover. Zum Glück ist das Laufband dort für Zirkustiere ausgelegt. Jeden Tag marschiert Franky 20 Minuten mit gemütlichen fünf Stundenkilometern. Das ist nicht gerade Rekordtempo, aber für Massenmenschen genauso anstrengend wie für Läufer die doppelte Geschwindigkeit.
Wohlstand darf kein Wettbewerbsnachteil sein
Fairerweise sollte die gesamte Zeitnahme bei Lauf-Wettbewerben modernisiert werden. Gewertet wird nicht der Läufer, sondern die Zeit pro transportiertem Kilogramm: Ein 60-Kilo-Läufer, der den Halbmarathon in einer Stunde wetzt, ist demnach nicht besser als ein 120-Kilo-Hulk, der zwei Stunden braucht - beide eine Minute pro Kilo. Da würde Haile aber Augen machen. Wohlstand darf kein Wettbewerbsnachteil sein, würde man auf gut Westerwellisch sagen.
Bei Franky wird es noch etwas dauern, bis er die Afrikaner schafft. Jeden Morgen wiegt er sich live in seiner Morningshow. Vergangene Woche waren schon vier Kilo runter. Gemüsesaftfolter und Eiweiß-Shake statt Abendbrot schlagen offenbar an. In den nächsten Wochen wird Franky sich das erste Mal an der frischen Luft bewegen.
Die Erdbeben-Meßgeräte in Hannover werden hektisch ausschlagen. Egal. Franky ist wild entschlossen: Er will Anfang Mai in Hannover den Halbmarathon absolvieren. Einzige offene Frage: Mit Stöcken oder ohne. Die Walk-Prügel sind peinlich, entlasten aber die Wirbelsäule. 100 Niedersachsen mit jeweils deutlich mehr als hundert Kilogramm haben sich gemeldet, um mit Franky gemeinsam den Halbmarathon zu walken. Insgesamt zwölf Tonnen Mensch werden durch Hannover marschieren. Eine Demonstration des Willens.
Mut zur Attacke
Natürlich gibt es nicht Schöneres, als sich über Walker lustig zu machen. Sie nerven mit ihrem Gequatsche, blockieren die Waldwege und verschrecken Tiere, sie tragen Buttercremetorten und Limofässer in ihren Verpflegungsbeuteln und sind einfach strukturpeinlich. Andererseits: Was sollen Menschen wie Franky machen, denen das eigene Gewicht entglitten ist: einsam vor der Glotze sitzen und aus Verzweiflung weiterfressen?
In Wirklichkeit gehört ziemliche Größe dazu, sich offensiv mit der Plauze zu befassen und sie auch noch auf die Straße zu bringen. Endlich ein klares Bekenntnis gegen das Dick-ist-schick-Gefasel. Mut zur Attacke auf eine Lebensweise, die auf Dauer weder gesund noch glücklich macht.
Frankys Diät-Programm erfordert brutale mentale Härte. Wenn er jede Woche ein Pfund verliert, braucht er drei Jahre, um zurück auf 100 Kilo zu sein. Das härteste Marathon-Training ist ein Klacks gegen Frankys Mission Wampentod. Wenn alles gut geht, kann er 2011 tatsächlich mal ans Laufen denken. Er wird sich fühlen als ob er fliegt. Walker sind die Pest, keine Frage. Aber wenn sie Läufer werden wollen, sind sie herzlich willkommen.
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Nur wenn man es selbst zum Stigma macht, ist es eins. Man könnte ja auch über sich selbst lachen und offensiv damit umgehen. Wer eine Kolumne wie Achilles bierernst nimmt, IST selber schuld. Apropos: Und die allermeisten [...] mehr...
So peinlich es ist, auch Nordic Walking kann ich absolut empfehlen. Habe mit Gehen angefangen und bin relativ schnell auf Nordic Walking gewechselt. Bis zu 2 x 3,5 Stunden JEDEN Tag. Habe so unglaubliche fast 200 KG in 14 [...] mehr...
Ersetzen Sie doch mal in der "Moby Dick im Schwimmbad" Geschichte, die hier neulich stand, "dicke Frauen" durch "Spastiker" oder "[beliebige andere Randgruppe]". Schon ist es nur noch [...] mehr...
Hallo, dann erzählen Sie doch einfach Raucher und Drogenabhängigenwitze. Ein Dicker auf einem Laufband ist halt witzig. Ein Drogenabhängiger auf selbigem nicht. Besten Gruß, C mehr...
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