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26.02.2010
 

Doping

"Wer sich erwischen lässt, dopt ungeschickt"

Hinweisschild zur DopingkontrollstationZur Großansicht
ddp

Hinweisschild zur Dopingkontrollstation

Über 1500 Dopingkontrollen, aber kein positiver Fall. Das IOC feiert in Vancouver "saubere Spiele". Warum die Glaubwürdigkeit des Kontrollsystems dennoch in Frage gestellt werden muss und wie Athleten dopen können, erklärt Dopingexperte Klaus Pöttgen im Interview mit SPIEGEL ONLINE.

SPIEGEL ONLINE: Herr Pöttgen, bei den Winterspielen gab es bislang 1664 Dopingkontrollen, aber keinen positiven Fall. Das IOC feiert "saubere Spiele". Sind die Sportler vernünftig geworden?

Pöttgen: Wer sich bei Olympischen Spielen erwischen lässt, dopt ungeschickt.

SPIEGEL ONLINE: Also wird gedopt?

Pöttgen: Das ist möglich. Zum Beispiel kann man IGF1 nehmen, ein insulinähnliches Wachstumshormon. Wachstumshormone werden systematisch eingesetzt. Da gibt es, erst gerade gemeldet, wenige positiv getestete Sportler. Generell ist Doping auch eine Frage der Definition: Ist alles, was auf der Dopingliste steht, verboten, und alles andere erlaubt? Beispielsweise gibt es das Problem mit der nachweisbaren Substanz S107, die nicht untersagt ist, aber dennoch die Ermüdung der Muskulatur hinauszögert.

SPIEGEL ONLINE: Gibt es Sportarten, die besonders betroffen sind?

Pöttgen: Entscheidend ist Doping für die Ausdauersportarten in Vancouver. Athleten können versuchen, die erlaubten Grenzwerte knapp zu erreichen. Nur sind diese Grenzwerte in den jeweiligen Sportarten verschieden und lösen verschiedene Maßnahmen aus. Im Langlauf gibt es bei Männern einen erlaubten Grenzwert von 17,0 Gramm pro Deziliter Hämoglobin im Blut, bei den Biathleten sind es 17,5, bei Eisschnellläufern 18,0.

SPIEGEL ONLINE: Bei den Olympischen Spielen werden also unterschiedliche Grenzwerte herangezogen?

Pöttgen: Ja, die Welt-Anti-Doping-Agentur Wada hat keine einheitlichen Grenzwerte eingeführt, dafür aber am 1. Januar 2009 eine sinnvolle Leitlinie zum biologischen Blutpass. Über Grenzwerte entscheiden nur die Verbände. Da wird doch die Glaubwürdigkeit des Kontrollsystems in Frage gestellt. In der Sportart selbst ist das noch fair, aber global gesehen kann man das nicht vermitteln. Evi Sachenbacher-Stehle erhielt bei Olympia 2006 für Blutwerte eine Schutzsperre, mit deren Werten sie im Eisschnelllauf hätte starten dürfen. Und das ist noch nicht einmal alles.

SPIEGEL ONLINE: Was meinen Sie?

Pöttgen: Die unterschiedliche Dauer der sogenannten Schutzsperren im Falle eines erhöhten Hämoglobinwertes. Auch dafür gibt es keinen Grund. Bei den Radfahrern dauert die Schutzsperre zwei Wochen, beim Langlauf fünf Tage. Wie will man das erklären? Jeder macht, was er will. Das ist doch für die Athleten nicht mehr nachvollziehbar.

SPIEGEL ONLINE: Reicht aus medizinischer Sicht eine fünftägige Schutzsperre, um den Hämoglobinwert so weit zu senken, dass keine Thrombosegefahr mehr besteht?

Pöttgen: Da besteht in Wirklichkeit keine Thrombosegefahr. Die Schutzsperre ist doch wohl eher eingeführt worden, um einen fairen Wettkampf zu legitimieren, zumal es ja Ausnahmegenehmigungen für erhöhte Werte gibt.

SPIEGEL ONLINE: Welchen Stellenwert hat für Sie die Schutzsperre?

Pöttgen: Es gibt das klassische Beispiel einer bekannten Wintersportlerin. Die hatte bei den Spielen in Turin 2006 einen Wert von 16,3 Gramm pro Deziliter, 0,4 mehr als erlaubt, und wurde mit einer fünftägigen Schutzsperre belegt. Die Athletin hat damals gesagt, sie habe noch nie in ihrem Leben so viel getrunken wie an diesem Vormittag, wahrscheinlich war es ein ganzes Fass, sagte sie, um den Hämoglobinwert zu senken. Nach den fünf Tagen durfte sie wieder starten, denn der Wert lag unter 16,0. Grundsätzlich kann man zudem nicht kontrollieren, ob Blut verbotenerweise in der Zwischenzeit manipuliert wurde.

SPIEGEL ONLINE: Wie macht man das?

Pöttgen: Die Sportler bekommen eine Infusion mit einer Kochsalzlösung, deren verdünnende Wirkung bis zu sieben Stunden lang hält. 500 Milliliter Kochsalzlösung senken den Hämoglobinwert im Blut bis zu 0,7 Gramm pro Deziliter. Die Athleten wissen ja, dass sie nach Ablauf ihrer Sperre noch einmal kontrolliert werden und könnten das gut anpassen.

SPIEGEL ONLINE: Man muss also nur aufpassen, dass man die Beutel nicht findet.

Pöttgen: Ja, und man muss auch nicht die Ärzte finden, die die Infusionen anhängen. Denn einen Infusionsbeutel selbst anzuhängen ist ja keine Kunst. Und es gibt auch noch eine andere Möglichkeit, den Hämoglobinwert zu senken.

SPIEGEL ONLINE: Welche?

Pöttgen: Die Radfahrer hatten früher ihre Zentrifugen dabei. Wenn sie dann gesehen haben, dass ihr Hämatokritwert vor einer Kontrolle zu hoch war, haben sie sich einfach eine Kanüle in die Armvene gesteckt, Blut rauslaufen lassen und viel getrunken, bis sie unter dem Wert waren.

SPIEGEL ONLINE: Es wird den Athleten also zu leicht gemacht?

Pöttgen: Die Manipulation, um in fünf Tagen wieder startberechtigt zu sein, das ist Kinderkram, ein Witz. Das ist so einfach zu manipulieren, das kann ja nicht ernstgemeint sein. Und wenn man bei den Winterspielen ernsthaft sperren wollte, müsste die Schutzsperre auf den gesamten Zeitraum der Spiele ausgeweitet werden.

SPIEGEL ONLINE: Glauben Sie noch an den sauberen Sport?

Pöttgen: Ich will nicht den Stab über jemanden brechen. Aber wenn man herausfindet, dass der Zweitplatzierte, Dritte und Vierte gedopt war, liegt doch die Frage nahe: Was ist mit dem Ersten?

Die Fragen stellte Jan Reschke

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22.04.2010 von Brieli:

Wow - wo kann man denn den Stoff kaufen, den Du rauchst??? Ich wäre interessiert :-) mehr...

22.04.2010 von Der.PolyTicker: Samaranch Opus Dei und/oder KGB Mitglied?

http://de.wikipedia.org/wiki/Juan_Antonio_Samaranch Bemerkenswert das auf wikipedia, die wahrscheinliche Opus-Dei Mitgliedschaft Samaranch nur indirekt über einen Liuk hingewiesen wird [...] mehr...

12.04.2010 von Prekarianer:

da halt ich es wie ein ehemaliger leistungssportler sagte: leistungen im spitzenbereich sind ohne doping nicht möglich ! das denke ich auch. die fahnder sind leider immer zu spät in der entwicklung. gebt doch den ganzen [...] mehr...

11.04.2010 von caheid:

Ich weiss gar nicht was sie wollen. Die Grenzwerte fuer die Blutparameter stehen doch im Reglement, Pechstein lag daneben, das bezweifelt sie ja nochnichtmnal selbst, und sie wurde deswegen gesperrt. Welche Beweise wollen sie [...] mehr...

08.04.2010 von sitiwati: tja, man hat

zwar keine eindeutigen Beweise, aber erst mal ne >karriere vernichtet, da werfen sich doch alle ANTI Doping Gurus in die Brust und sind hochzufrieden ! mehr...

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Zur Person

Dr. Klaus Pöttgen

wurde am 20. November 1963 in Jugenheim geboren. Der Anti-Doping-Experte nahm bereits sieben Mal am Ironman auf Hawaii teil. 1999 wurde er in seiner Altersklasse Weltmeister im Triathlon auf der Langdistanz. Seit 2002 ist er Medizinischer Leiter des Teams Ironman Germany. Derzeit ist er außerdem Arzt des Hessischen Triathlon Leistungszentrums. Er war einer der Gutachter im Fall Pechstein.


Wintersport-Dopingfälle 2009

Julia Tschepalowa

Im August wurde bekannt, dass die Langlauf-Olympiasiegerin am 3. Januar auf der vorletzten Etappe der Tour de Ski in Val di Fiemme positiv auf das Dopingmittel Epo getestet wurde. Daraufhin erklärte sie ihren Rücktritt vom Leistungssport. Im Dezember wurde sie für zwei Jahre gesperrt.

Nina Rysina

Jewgenij Dementjew

Natalja Matwejewa

Andrej Prokunin

Weronika Timofejewa

Jekaterina Jurjewa

Alena Sidko

Christian Hoffmann

Claudia Pechstein


Dopingsubstanzen und ihre Wirkung

Epo/HGH

Die Ausdauerleistungsfähigkeit ist wesentlich vom Sauerstoffaufnahmevermögen abhängig. Erythropoetin (Epo), ein Peptidhormon, stimuliert die Produktion roter Blutkörperchen. Die erhöhte Anzahl im Organismus zirkulierender Erythrozyten führt zu einer Verbesserung der Sauerstoffaufnahmekapazität des Blutes und hat damit eine Steigerung der Ausdauerleistungsfähigkeit zur Folge.

Das Internationale Olympische Komitee (IOC) verbietet seit mehr als zwölf Jahren den Gebrauch von Epo. Seit 1983 ist es möglich, Epo synthetisch herzustellen. Entwickelt wurde es für Patienten mit schweren Nierenleiden, bei denen Blutarmut auftritt. Epo gehört zur Gruppe der Peptidhormone. Ebenso wie das Wachstumshormon HGH, das zur Behandlung von Kleinwüchsigkeit eingesetzt wird. Das Wachstumshormon HGH lässt nicht nur die Muskeln, sondern auch die Knochen wachsen, mit langen Gliedmaßen, einem verformten Kopf und Riesenhänden als Folge. Zudem verändert sich die Struktur der Organe. Auch bei den Peptid-Hormonen gibt es immer neue Varianten, die mit heutigen Dopingtests nicht erkannt werden. (mit dpa)

Anabolika

Stimulanzien

Narkotika

Kampf gegen Doping

Welt-Anti-Doping-Agentur (Wada)

Am 10. November 1999 wurde auf Initiative des Internationalen Olympischen Komitees (IOK) die unabhängige Welt-Anti-Doping-Agentur (Wada) in Lausanne gegründet. Zusammen mit den nationalen NOKs und staatlichen Organisationen will die Wada die internationale Dopingbekämpfung fördern und einheitliche Standards für Kontrollen in allen Ländern schaffen. Das Anti-Doping-Programm der Wada wurde im März 2003 von allen Delegierten der internationalen Sportverbände, der Regierungen und dem IOK auf der Welt-Anti-Doping-Konferenz in Kopenhagen angenommen. Der Welt-Anti-Doping-Codex löste im darauffolgenden Jahr den Anti-Doping-Code der Olympischen Bewegung ab und gilt seit den Spielen in Athen 2004 auch für die Olympischen Spiele.

Welt-Anti-Doping-Programm

Welt-Anti-Doping-Code (WADC)

Internationale Standards

Verbotene Substanzen

Verbotene Methoden

Kontrollregularien





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