SPIEGEL ONLINE: Herr Pöttgen, bei den Winterspielen gab es bislang 1664 Dopingkontrollen, aber keinen positiven Fall. Das IOC feiert "saubere Spiele". Sind die Sportler vernünftig geworden?
Pöttgen: Wer sich bei Olympischen Spielen erwischen lässt, dopt ungeschickt.
SPIEGEL ONLINE: Also wird gedopt?
Pöttgen: Das ist möglich. Zum Beispiel kann man IGF1 nehmen, ein insulinähnliches Wachstumshormon. Wachstumshormone werden systematisch eingesetzt. Da gibt es, erst gerade gemeldet, wenige positiv getestete Sportler. Generell ist Doping auch eine Frage der Definition: Ist alles, was auf der Dopingliste steht, verboten, und alles andere erlaubt? Beispielsweise gibt es das Problem mit der nachweisbaren Substanz S107, die nicht untersagt ist, aber dennoch die Ermüdung der Muskulatur hinauszögert.
SPIEGEL ONLINE: Gibt es Sportarten, die besonders betroffen sind?
Pöttgen: Entscheidend ist Doping für die Ausdauersportarten in Vancouver. Athleten können versuchen, die erlaubten Grenzwerte knapp zu erreichen. Nur sind diese Grenzwerte in den jeweiligen Sportarten verschieden und lösen verschiedene Maßnahmen aus. Im Langlauf gibt es bei Männern einen erlaubten Grenzwert von 17,0 Gramm pro Deziliter Hämoglobin im Blut, bei den Biathleten sind es 17,5, bei Eisschnellläufern 18,0.
SPIEGEL ONLINE: Bei den Olympischen Spielen werden also unterschiedliche Grenzwerte herangezogen?
Pöttgen: Ja, die Welt-Anti-Doping-Agentur Wada hat keine einheitlichen Grenzwerte eingeführt, dafür aber am 1. Januar 2009 eine sinnvolle Leitlinie zum biologischen Blutpass. Über Grenzwerte entscheiden nur die Verbände. Da wird doch die Glaubwürdigkeit des Kontrollsystems in Frage gestellt. In der Sportart selbst ist das noch fair, aber global gesehen kann man das nicht vermitteln. Evi Sachenbacher-Stehle erhielt bei Olympia 2006 für Blutwerte eine Schutzsperre, mit deren Werten sie im Eisschnelllauf hätte starten dürfen. Und das ist noch nicht einmal alles.
SPIEGEL ONLINE: Was meinen Sie?
Pöttgen: Die unterschiedliche Dauer der sogenannten Schutzsperren im Falle eines erhöhten Hämoglobinwertes. Auch dafür gibt es keinen Grund. Bei den Radfahrern dauert die Schutzsperre zwei Wochen, beim Langlauf fünf Tage. Wie will man das erklären? Jeder macht, was er will. Das ist doch für die Athleten nicht mehr nachvollziehbar.
SPIEGEL ONLINE: Reicht aus medizinischer Sicht eine fünftägige Schutzsperre, um den Hämoglobinwert so weit zu senken, dass keine Thrombosegefahr mehr besteht?
Pöttgen: Da besteht in Wirklichkeit keine Thrombosegefahr. Die Schutzsperre ist doch wohl eher eingeführt worden, um einen fairen Wettkampf zu legitimieren, zumal es ja Ausnahmegenehmigungen für erhöhte Werte gibt.
SPIEGEL ONLINE: Welchen Stellenwert hat für Sie die Schutzsperre?
Pöttgen: Es gibt das klassische Beispiel einer bekannten Wintersportlerin. Die hatte bei den Spielen in Turin 2006 einen Wert von 16,3 Gramm pro Deziliter, 0,4 mehr als erlaubt, und wurde mit einer fünftägigen Schutzsperre belegt. Die Athletin hat damals gesagt, sie habe noch nie in ihrem Leben so viel getrunken wie an diesem Vormittag, wahrscheinlich war es ein ganzes Fass, sagte sie, um den Hämoglobinwert zu senken. Nach den fünf Tagen durfte sie wieder starten, denn der Wert lag unter 16,0. Grundsätzlich kann man zudem nicht kontrollieren, ob Blut verbotenerweise in der Zwischenzeit manipuliert wurde.
SPIEGEL ONLINE: Wie macht man das?
Pöttgen: Die Sportler bekommen eine Infusion mit einer Kochsalzlösung, deren verdünnende Wirkung bis zu sieben Stunden lang hält. 500 Milliliter Kochsalzlösung senken den Hämoglobinwert im Blut bis zu 0,7 Gramm pro Deziliter. Die Athleten wissen ja, dass sie nach Ablauf ihrer Sperre noch einmal kontrolliert werden und könnten das gut anpassen.
SPIEGEL ONLINE: Man muss also nur aufpassen, dass man die Beutel nicht findet.
Pöttgen: Ja, und man muss auch nicht die Ärzte finden, die die Infusionen anhängen. Denn einen Infusionsbeutel selbst anzuhängen ist ja keine Kunst. Und es gibt auch noch eine andere Möglichkeit, den Hämoglobinwert zu senken.
SPIEGEL ONLINE: Welche?
Pöttgen: Die Radfahrer hatten früher ihre Zentrifugen dabei. Wenn sie dann gesehen haben, dass ihr Hämatokritwert vor einer Kontrolle zu hoch war, haben sie sich einfach eine Kanüle in die Armvene gesteckt, Blut rauslaufen lassen und viel getrunken, bis sie unter dem Wert waren.
SPIEGEL ONLINE: Es wird den Athleten also zu leicht gemacht?
Pöttgen: Die Manipulation, um in fünf Tagen wieder startberechtigt zu sein, das ist Kinderkram, ein Witz. Das ist so einfach zu manipulieren, das kann ja nicht ernstgemeint sein. Und wenn man bei den Winterspielen ernsthaft sperren wollte, müsste die Schutzsperre auf den gesamten Zeitraum der Spiele ausgeweitet werden.
SPIEGEL ONLINE: Glauben Sie noch an den sauberen Sport?
Pöttgen: Ich will nicht den Stab über jemanden brechen. Aber wenn man herausfindet, dass der Zweitplatzierte, Dritte und Vierte gedopt war, liegt doch die Frage nahe: Was ist mit dem Ersten?
Die Fragen stellte Jan Reschke
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Wow - wo kann man denn den Stoff kaufen, den Du rauchst??? Ich wäre interessiert :-) mehr...
http://de.wikipedia.org/wiki/Juan_Antonio_Samaranch Bemerkenswert das auf wikipedia, die wahrscheinliche Opus-Dei Mitgliedschaft Samaranch nur indirekt über einen Liuk hingewiesen wird [...] mehr...
da halt ich es wie ein ehemaliger leistungssportler sagte: leistungen im spitzenbereich sind ohne doping nicht möglich ! das denke ich auch. die fahnder sind leider immer zu spät in der entwicklung. gebt doch den ganzen [...] mehr...
Ich weiss gar nicht was sie wollen. Die Grenzwerte fuer die Blutparameter stehen doch im Reglement, Pechstein lag daneben, das bezweifelt sie ja nochnichtmnal selbst, und sie wurde deswegen gesperrt. Welche Beweise wollen sie [...] mehr...
zwar keine eindeutigen Beweise, aber erst mal ne >karriere vernichtet, da werfen sich doch alle ANTI Doping Gurus in die Brust und sind hochzufrieden ! mehr...
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