Wie wichtig sind Trainer im Basketball? Natürlich immens wichtig - vor allem im Jugendbereich. In den Jahren, in denen Talente ihr Spiel und die nötigen Fertigkeiten entwickeln, kann ein guter Coach Wunder wirken. Doch wie sieht es bei den NBA-Profis aus? Sind die Anzugträger an der Seitenlinie wirklich elementar wichtig für den Erfolg einer Mannschaft? Machen sie aus Playoff-Teams Meisterschaftskandidaten? Können sie untalentierte Kader zu überraschenden Erfolgen führen?
Die Gegebenheiten in der NBA sind klar. Vor jeder Saison steht das Training Camp. Einen Monat lang hat der Trainerstab Zeit, seinen Kader in Form zu bringen, den Akteuren die Offensiv- und Defensivphilosophien einzuimpfen. Von dieser vierwöchigen Vorbereitung zehrt das Team dann während der gesamten Spielzeit. Denn im Laufe der Saison gibt es kaum Zeit für Training.
Das liegt vornehmlich am knüppelharten Reiseprogramm der Teams. Wer in zwei Wochen fünf Auswärtsspiele auf dem Plan stehen hat, nach den Partien nachts zur nächsten Station fliegt und oft erst um zwei Uhr morgens ins Bett fällt, der steht am nächsten Tag nicht zwei Stunden in der Halle. Oft gibt es, wenn überhaupt, nur ein lockeres Wurftraining in der Arena des Gegners.
Außerdem zehrt der Spielplan natürlich an der Gesundheit der Spieler. Gerade die Ü30-Veteranen bekommen nach jeder Partie ihre Kniegelenke und Knöchel in Eis gepackt, um Entzündungen einzudämmen oder zu verhindern. Training muss da dosiert eingesetzt werden, um nicht den Einsatz der Stars zu gefährden. Sicher können die Profis zu jeder Zeit in die Trainingshalle und auf eigene Faust an ihrem Spiel arbeiten. Das Mannschaftstraining, wie es in Europa üblich ist, findet sich in der NBA während der Saison nur sehr selten.
Die NBA ist eine Liga der Spieler
Können die Trainer in der besten Basketballliga der Welt also überhaupt großen Einfluss auf die Geschicke ihrer Teams haben? Im Spiel können sie das sicherlich. Viele von ihnen sagen die meisten Spielzüge an, wechseln ein und aus. Aber wie viele NBA-Chefcoaches machen wirklich den entscheidenden Unterschied aus?
Die NBA ist eine Liga der Spieler. Wer den Titel gewinnen oder auch nur in die Playoffs einziehen will, braucht talentierte Akteure im Kader, die trotz ihrer Millionengehälter als Einheit funktionieren - der Coach als vom Team respektierter Anführer ist hierfür hauptverantwortlich. Gleichzeitig muss die Mannschaft in das taktische Konzept des Trainers passen, der mit seiner Philosophie klare Regeln für die Spieler vorgibt, mit denen das Team in der NBA bestehen kann.
Außerdem muss der Coach sein Handwerk verstehen, passende Spielzüge ansagen, in den entscheidenden Phasen die richtigen Entscheidungen treffen. Wer einen Trainer auf der eigenen Gehaltsliste weiß, der all diese Anforderungen erfüllt, lässt ihn so schnell nicht gehen.
Deshalb gehören Jerry Sloan (22 Spielzeiten) in Utah und Gregg Popovich (14) in San Antonio bereits zum Inventar. Und deshalb sind Phil Jackson (Los Angeles Lakers), Larry Brown (Charlotte), Rick Adelman (Houston) oder Mike D'Antoni (New York) so begehrt. Ansonsten? Stan Van Gundy (Orlando), George Karl (Denver) und Nate McMillan (Portland) gehören mit Abstrichen zur Trainerelite der Liga.
Manche Trainer schaden sogar ihrem Team
Das sind neun Namen, neun von 30 Coaches, die derzeit in der NBA beschäftigt sind. Würden die anderen 21 Franchises es überhaupt merken, wenn morgen ihr Trainer gegen einen anderen ausgetauscht werden würde? Würde sich ein Wechsel in der Siegesbilanz gravierend bemerkbar machen? Höchstwahrscheinlich nicht. Die meisten NBA-Übungsleiter sind lediglich Beamte, die ihr Team verwalten. Sie machen einen unaufgeregten Job, haben mal mehr, mal weniger Erfolg - je nach altersbedingter Entwicklung des Spielermaterials.
Natürlich gibt es Jungtrainer wie Scott Brooks (Oklahoma City), die vielleicht auf dem Weg in die Elite sind. Trainer wie Mike Dunleavy (kürzlich bei den Los Angeles Clippers zurückgetreten) oder Don Nelson (Golden State Warriors) jedoch schaden mehr, als sie helfen. Außerdem ist es erstaunlich, wie viele Trainer nach vermeintlich großen Erfolgen kein Bein mehr auf den Boden bekommen.
Paul Westphal etwa erreichte 1993 als Rookie-Coach mit den Phoenix Suns um Charles Barkley, Kevin Johnson und Dan Majerle die Finals. Von 2001 bis zum Sommer 2010 wollte ihm trotzdem niemand einen Job als Cheftrainer geben, inzwischen ist Westphal in Sacramento beschäftigt. Waren also eher Barkley und Co. für den Finals-Trip der Suns verantwortlich?
Eine andere Zahl mag belegen, wie wenige Toptrainer es gibt, die ein Team voranbringen: Ganze acht Coaches haben seit 1990 die NBA-Meisterschaft gewonnen. Jackson holte zehn Titel, Gregg Popovich vier, Rudy Tomjanovich zwei, Brown, Pat Riley, Doc Rivers und Chuck Daly jeweils einen. Die Teams, die also keinen Trainerfuchs auf der Bank sitzen haben, können nur auf ihre Spieler hoffen.
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