Von Peter Ahrens
Wer Einblick in die gegenwärtige Lage des Profi-Radsports haben will, dem sei ein Blick in die Meldungen empfohlen, die die Nachrichtenagenturen in den vergangenen Wochen über diese Sportart veröffentlicht haben: "Valverdes Italien-Sperre bestätigt", "Radprofi Giunti wegen Positiv-Tests suspendiert", "Ein Jahr Gefängnis für Betreuer", "Zweijährige Sperre für Radprofi Bosisio beantragt", "Niederländischer Radprofi Dekker gesperrt", "Haftbefehl gegen Ex-Toursieger Landis", "Armstrong kündigt Anti-Doping-Experten". So geht es weiter. Der Profi-Radsport wird das Thema Doping nicht mehr los - auch nach dem x-ten angekündigten Neuanfang nicht.
Im Gegenteil: In dieser Saison, die am Samstag mit dem Frühjahrsklassiker Mailand-San Remo Fahrt aufnimmt, steigen wieder viele ehemalige Top-Fahrer aufs Rad, die zuletzt als Dopingsünder aus dem Verkehr gezogen worden waren. Der Kasache Alexander Winokurow, der den Dopinggebrauch bis heute bestreitet, war bei der Skandal-Tour 2007 der Leistungsmanipulation überführt worden und kehrt jetzt zu seinem alten Team zurück. Das ist der kasachische Astana-Rennstall. Ein Team, das seit Jahren mit Doping in Verbindung gebracht wird. 2007 wurden im Wochentakt Astana-Fahrer des Dopings überführt.
Auch der Italiener Ivan Basso kehrt wieder ins Blickfeld zurück. Seine Sperre ist zwar schon früher abgelaufen, aber bisher sind seine Comeback-Versuche eher im Sande verlaufen. Basso gehörte ebenfalls nie zu den reuigen Sündern. Er hatte lediglich das Ansinnen zu dopen gestanden, er habe diese Absicht aber niemals ausgeführt, so seine Version der Dinge.
Winokurow und Basso werden wahrscheinlich zu den Stars bei der Tour de France 2010 zählen.
Voigt ist für eine zweite Chance
"Man muss und soll den Jungs wieder eine Chance geben", hat der deutsche Profi Jens Voigt das Comeback der Dopingsünder abgesegnet. Basso und Winokurow hätten ihre Sperren schließlich abgesessen, jetzt seien sie wieder da, "das ist halt einfach so". So kann man das sehen.
So sahen das viele auch schon im Vorjahr, als der US-Amerikaner Lance Armstrong den Profisport mit seiner Rückkehr beehrte. Jener Armstrong, der die Tour de France jahrelang nach Belieben beherrschte, jener Armstrong, zu dem Dopingspekulationen fast so gehören wie das Gelbe Trikot. Der US-Amerikaner ist nie erwischt worden, es existiert lediglich ein nachträglicher Befund aus dem Jahr 1999 - Armstrong hat diesen Befund nie anerkannt, er wurde nie bestraft.
Eine Rückkehr ins Profigeschäft wurde ihm nicht verbaut - zu wichtig schien für die erschütterte Sportart eine charismatische Figur wie er. Doch auch Armstrong hat es nicht geschafft, den Radsport aus der Schmuddelecke herauszuführen. Zu sehr gilt er als Repräsentant des alten, befleckten Radsports.
Dazu passt, dass Armstrong die mit großem Getöse angekündigte Zusammenarbeit mit dem dänischen Anti-Doping-Experten Rasmus Damsgaard zum Jahresbeginn beerdigt hat. Auch seine Blutwerte werden seitdem nicht mehr im Internet veröffentlicht. Dermaßen ermuntert, kündigte auch das dänische Saxo-Bank-Team von Bjarne Riis die Kooperation mit Damsgaard. Riis hatte die Tour de France 1996 gewonnen und war im Nachgang des Dopings überführt worden.
Valverde droht eine weltweite Sperre
Ein anderer Star der Szene kämpft im Gegensatz zu Armstrong noch darum, weiter mittun zu dürfen. Der Spanier Alejandro Valverde ist bis zum Mai 2011 gesperrt - allerdings zurzeit nur in Italien. Vor dem Internationalen Sportgerichtshof Cas wird gerade geprüft, ob die Sperre auch auf andere Länder ausgeweitet werden soll. Valverde gilt als Kunde des berüchtigten spanischen Dopingarztes Eufemiano Fuentes, zu dessen Kundenkreis auch der gefallene deutsche Radsport-Hero Jan Ullrich gezählt wird.
Valverde tut das, was in dieser Sportart so viele gemacht haben: Er streitet alles ab, obwohl ihn ein DNA-Abgleich bereits 2009 überführt hat.
Auch Riccardo Ricco fährt ab sofort wieder mit. 2008 ist er bei der Tour spielend leicht die Berge hinaufgeflogen. Epo hatte ihm dabei geholfen. Er wurde noch während der Rundfahrt erwischt. Ricco hat sich wortreich bei Gott und der Welt entschuldigt und gelangte zu der Erkenntnis: "Im Radsport gibt es keine Solidarität, sondern viel Heuchelei."
Selbst der abgefeimteste unter den Dopingsündern, der US-Amerikaner Floyd Landis, ist wieder da. Der Profi, dem sein Sieg bei der Tour de France 2006 aberkannt wurde, wird zwar von der französischen Anti-Doping-Agentur noch per Haftbefehl gesucht, nachdem er eine Befragung durch einen Untersuchungsrichter geschwänzt hatte. Das änderte nichts daran, dass Landis beim Team Rock Racing des früheren Ullrich-Beraters Rudy Pevenage anheuerte. Als Rock Racing, bei dem zahlreiche ehemalig gedopte Fahrer untergekommen waren, keine Lizenz für diese Saison erhielt, wechselte Landis eilig zu dem zweitklassigen Team Bahati Foundation.
Valverde, Winokurow, Basso, Ullrich, Landis, Armstrong - das waren die Helden der Straße des vergangenen Jahrzehnts, das Who is Who der Weltklasse im Profiradsport. Der derzeit überragende Fahrer im Feld ist der Spanier Alberto Contador. Auch er soll Kontakt zu Fuentes gehabt haben, auch er bestreitet alles wie ein standhafter Zinnsoldat. Er ist der aktuelle Tour-de-France-Sieger. Er ist der Kapitän von Astana.
Selbst der Saubermann unter Verdacht
Armstrong hat dem Team dagegen den Rücken gekehrt und fordert Contador und Co. mit seinem neuen Rennstall RadioShack heraus. Ihm zur Seite steht der Deutsche Andreas Klöden, auch er ein ehemaliger Astana-Mann und davor Helfer und Konkurrent von Jan Ullrich beim Team Telekom. Gerüchte um Blutdoping hat Klöden stets zurückgewiesen, obwohl er im Vorjahr durch den Abschlussbericht zur Dopingpraxis der Freiburger Radsport-Ärzte schwer belastet wurde. Seit Jahren reagiert er nur noch genervt und aggressiv, wenn er auf das Thema Doping angesprochen wird. Ein Neuanfang ist mit Leuten wie Klöden nicht zu machen.
Das deutsche Milram-Team sollte für einen solchen Neubeginn stehen. Der Teamkapitän Linus Gerdemann ist einer, der in der Vergangenheit die Dopingpraxis immer wieder angeprangert hatte. Einer, auf den man Hoffnungen in Sachen sauberen Sport gesetzt hatte. Ein Musterknabe im deutschen Radsport.
Im Oktober vergangenen Jahres wurden Messergebnisse mit auffällig hohen Blutwerten bei Gerdemann öffentlich.
Der Profi, bis 2006 bei Telekom-Nachfolger T-Mobile unter Vertrag, sagt, er könne Doping definitiv ausschließen.
Viele haben das gesagt.
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Wenn Sie glauben im Fussball wird weniger gedopt als im Radsport sind Sie durch die Medien eingelullt worden. Felix Magat sagte einmal im aktuellen Sportstudio, das er dafür wäre, Doping im Fussball freizugeben. Zu dem steht er [...] mehr...
Wusste noch nicht das man sich mit Uhren dopen kann! Danke für die Info! Ihr Dopingfon haben sie dann kosequenterweise auch schon abgemeldet? Ihren Mercedes nach dem McLaren-Mercedes Spionageskandal verkauft oder die [...] mehr...
Achten Sie dann bitte auch darauf, nicht mit einem Telefon der bundesdeutschen Firma "Telekom" (vormals: Bundespost) zu telefonieren. Dieser Firma gehört nämlich nicht nur die Farbe rosa, sondern auch die [...] mehr...
Natürlich musste zum Beginn der Radsportsaison ein solcher Artikel erscheinen oder der Spiegel wäre seinen Prinzipien ja untreu geworden. Es ist offensichtlich, dass im Radsport gedopt wird. Aber das wird auch in anderen [...] mehr...
Schrauben Sie den Heiligenschein über den Ball- und Mannschaftssportarten bitte schnell ab. Die FIFA ist stärker, als die Radsportvereinigung. Für alle von Ihnen beschriebenen positiven Eigenschaften eines guten [...] mehr...
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