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01.04.2010
 

Alba in den Eurocup-Finals

Mit Herz und Hirn auf dem Parkett

Aus Berlin berichtet Sascha Klettke

Foto: ddp

Der größte Erfolg seit 15 Jahren: Alba Berlin hat mit einer Glanzleistung das Eurocup-Viertelfinale gegen Jerusalem gewonnen und fährt zum Final Four nach Spanien. 14.500 Zuschauer feierten eine lautstarke Basketballparty - viele davon werden jetzt erst mal ihren Kontostand überprüfen.

Wer an diesem Abend eine der Heldenrollen übernehmen sollte, konnten die Fans schon auf dem Titelblatt der Hallenzeitung sehen: Derrick Byars. Der 25-jährige US-Amerikaner hatte schon im Hinspiel 17 Punkte gemacht. Jetzt war er noch wichtiger, Albas Top-Scorer Julius Jenkins musste eine Gehirnerschütterung auskurieren, er hatte in Jerusalem einen Ellenbogen gegen den Kopf bekommen - eine von vielen Verletzungen in den Eurocup-Auswärtsspielen der vergangenen Wochen. Auch Power Forward Jurica Golemac konnte wegen einer gebrochenen Hand nicht auflaufen.

Byars nahm die Rolle an: Schon nach dreieinhalb Minuten traf er seinen ersten Dreier, im ersten Viertel machte er insgesamt zehn Punkte, sechs kamen im Rest der Partie noch dazu, trug so wesentlich zum 72:59-Erfolg gegen Jerusalem bei. Für ihn dürften die Auftritte als Top-Scorer eine Genugtuung sein. Im Spätsommer sah es noch so aus, als könnte er es in die NBA schaffen. Doch die Chicago Bulls strichen ihn schließlich als letzten aus dem Kader. So stieß er erst nach Saisonbeginn zu Alba Berlin. Und lange schien er mit dem Team und der Spielweise von Trainer Luka Pavicevic zu fremdeln. Doch jetzt in der entscheidenden Saisonphase haben Coach und Spieler wohl begriffen, was sie aneinander haben.

Sieben Punkte mehr als Jerusalem brauchte Alba, um zum Finalturnier nach Vitoria ins Baskenland zu fahren (17./18. April, live bei Eurosport 2). Und alle in der Halle wussten das. Nicht nur die Spieler, sondern vor allem auch die 14.500 Zuschauer in der ausverkauften Arena am Berliner Ostbahnhof. Sie schlugen immer und immer wieder die Klatschpappen im Takt der Trommel gegen die Hände und jubelten über jeden Treffer, als wäre er so wichtig wie ein Tor beim Fußball.

Denn Fans und Team wollten unbedingt gewinnen: Der letzte große Erfolg für Alba in Europa ist schon 15 Jahre her. Damals gewann Berlin den 2002 zum letzten Mal ausgespielten Korac-Cup. Jetzt soll wieder ein Titel her.

Balldiebstahl verhindern

9:3 für Berlin stand nach viereinhalb Minuten auf der Anzeigetafel. Also eigentlich 0:0. In den nächsten Angriffen baute Alba die Führung aus, 20:7 stand es nach dem ersten Viertel. Doch was war die hohe Führung so früh schon wert? "Jerusalem ist ein Team, das in zwei Minuten 15 Punkte machen kann. Das ist ihre große Stärke ", erklärte Alba-Manager Marco Baldi nach dem Spiel.

Am Wochenende in der israelischen Liga kam Hapoel auf 102 Punkte, im Eurocup erzielten sie durchschnittlich 85 Punkte pro Spiel, 15 Zähler mehr als Alba. So traf das beste Offensiv-Team des Wettbewerbs auf die beste Defensive. Und das Hauptziel der Berliner Verteidigung war, Jerusalem nicht ins Laufen kommen zu lassen. "Wenn die den Ball stehlen, dann ist er nach drei Sekunden im Korb", sagte Trainer Pavicevic. Also sollten seine Männer sich das orangene Leder nicht klauen lassen. Und das gelang ihnen, am Ende standen lediglich fünf Ballverluste in der Statistik.

Jerusalem hatte deutlich mehr Schwierigkeiten mit der konzentrierten Berliner Verteidigung, sie verloren zwölfmal den Ball. Alba konnte die ganze Zeit über Druck machen, weil die Einwechslungen keinen Bruch ins Spiel brachten. Auch die deutschen Nationalspieler Lucca Staiger und Philip Zwiener, die bei wichtigen Spielen bisher meist gar nicht aufs Parkett durften, spielten ihre Rolle - in der Verteidigung wie im Angriff. Staiger stand kaum auf dem Feld, da blockte er schon einen gegnerischen Wurf ab und wenig später traf er einen Dreier.

36:28 stand es zur Halbzeit. Ein Punkt mehr als Alba für das Weiterkommen brauchte. Nach dem dritten Viertel führten die Berliner mit 15 Punkten. Aber Jerusalem gab nicht auf. Vor allem der kleine Aufbauspieler Pooh Jeter sorgte nun für Punkte, zwei Minuten vor Schluss führte Alba wieder nur noch mit acht. Ein einziger Korb für Jerusalem hätte den Traum vom Final Four platzen lassen. Fast kein Zuschauer saß noch auf seinem Platz. Doch nun sorgten Aufbauspieler Rashad Wright und Center Adam Chubb dafür, dass nichts mehr schiefgehen konnte. Korb für Korb bauten sie den Vorsprung wieder aus, das Publikum feierte jeden Treffer frenetisch - bis sich die Spieler beim 72:59-Endstand jubelnd in die Arme fielen.

Ob Spieler, Fans oder Manager - fast alle hatten nach der Schlusssirene ein Lächeln auf dem Gesicht. Nur einer guckte schon Minuten später wieder ganz ernst: Trainer Pavicevic. Mit ruhiger Stimme sprach er seiner Mannschaft den Respekt aus: "Jeder hat sein Herz und sein Gehirn mit vollem Einsatz auf das Parkett gebracht. Zwei wichtige Spieler haben gefehlt - das hat man heute nicht gemerkt." Und die Fans nannte er "beautiful". Sie seien an diesem Abend wirklich der sechste Spieler seines Teams gewesen.

Fan-Reise-Angebot kurz nach Abpfiff online

Beim Halbfinalgegner Bilbao, der trotz einer Niederlage im Rückspiel den Einzug in die Runde der letzten vier schaffte, gab es dagegen ganz andere Töne. Trainer Fotios Katsikaris beklagte sich über die Buhrufe der eigenen Anhänger wegen des schwachen Spiels ihres Teams. Zoff beim Gegner dürfte den Berlinern helfen, damit bei der Partie im nur 60 Kilometer von Bilbao entfernten Vitoria keine echte Heimspielstimmung aufkommt.

Denn die von Pavicevic so hoch gelobten Berliner Fans werden jetzt überlegen müssen, ob sie es sich leisten können, ihr Team auch beim Final Four in Spanien zu unterstützen. Wenige Minuten nach dem Sieg stand das Angebot des Vereins im Internet: Die Fan-Reise soll stolze 660 Euro kosten.

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Zu einem Basketballteam gehören fünf Akteure. Auf der Eins spielt der Point Guard (Aufbau). Die Zwei hat der Shooting Guard inne, dessen vornehmliche Aufgabe es ist, Punkte zu erzielen. Die Drei ist der Small Forward, eine wendige Flügelkraft mit einem guten Wurf. Spieler, die auf der Zwei oder Drei eingesetzt werden können, heißen "Swingmen". Die Vier ist der Power Forward, ein kräftiger Spieler, der durch seine Größe auch für Rebounds prädestiniert ist. Auf der Fünf spielt der Center, der zumeist in Korbnähe agiert. Die Positionen Eins und Zwei bilden den Backcourt, Drei bis Fünf sind der Frontcourt.






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