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23.04.2010
 

Doping mit Potenzmittel

US-Leichathletik-Boss attackiert Olympiasieger Merritt

Olympiasieger Merritt: Das Kleingedruckte auf der Packung nicht gelesenZur Großansicht
AFP

Olympiasieger Merritt: Das Kleingedruckte auf der Packung nicht gelesen

"Er hat sich zur Witzfigur gemacht": Der Generalsekretär des US-Leichathletikverbandes ist empört über LaShawn Merritt, sieht dessen "gesamte Karriere beschmutzt". Der 400-Meter-Olympiasieger war zuvor nach der Einnahme eines Mittels zur Penis-Vergrößerung wegen Dopings gesperrt worden.

Hamburg - LaShawn Merritt sprach von einem "doofen, unreifen und egoistischen Fehler", der Chef des US-Leichtathletikverbandes USATF, Doug Logan, war außer sich vor Wut. Nachdem 400-Meter-Olympiasieger und Weltmeister Merritt im Oktober, Dezember und Januar positiv auf das Steroid Dehydroepiandrosteron (DHEA) getestet wurde, hat ihn der Verband nun gesperrt.

"Die ganze Geschichte widert mich an", sagte Doug Logan, der Merritts "gesamte Karriere beschmutzt" sieht: "Er hat sich selbst zur Witzfigur gemacht." Der Schaden, den Merritt den Anstrengungen im Anti-Doping-Kampf zugefügt habe, sei immens. "Jeder professionelle Athlet weiß, dass er allein dafür verantwortlich ist, was in den Körper gelangt", sagte Logan.

Merritt führte die positiven Befunde in einer am Donnerstag durch seinen Anwalt Howard Jacobs veröffentlichten Pressemitteilung auf die Einnahme des Penis-Vergrößerungs-Mittels "ExtenZe" zurück, das er im freien Verkauf erworben habe. "Wir sind empört. Dank dieser egoistischen Aktion hat er unseren Bemühungen geschadet, die Pest der leistungssteigernden Mittel in unserem Sport zu bekämpfen", sagte USATF-Chef Logan.

"Einen außergewöhnlichen Mangel an Reife und Verantwortlichkeit"

Das Produkt steht bei der Welt-Anti-Doping-Agentur Wada auf der Liste der verbotenen Substanzen. Merritt hat die einstweilige Strafe akzeptiert und wird keinen Wettkampf bestreiten, bis der Fall von der nationalen Anti-Doping-Kommission Usada geklärt ist. "Merrit hat seine Karriere beschmutzt und seinen Namen mit einem bedauernswerten Stigma in Verbindung gebracht, mit dem er bis an sein Lebensende klar kommen muss. Sein Zugeständnis zeigt einen außergewöhnlichen Mangel an Reife und Verantwortlichkeit, die bei einem Weltklasse-Athleten nötig sind", sagte Logan. Merritt werde sich als Objekt zahlreichen und unnötigen Spotts wiederfinden, so der USATF-Präsident weiter.

Die drei positiven Urinproben werden als ein Vergehen angesehen. Als Erst-Täter droht Merritt eine zweijährige Sperre. Somit könnte er seinen Titel bei den Weltmeisterschaften 2011 im südkoreanischen Daegu nicht verteidigen. "Ich hoffe, meine Sponsoren, Familie, Freunde und der Sport selbst werden mir verzeihen. Die Strafe, die ich bekommen dürfte, wird nicht die Verlegenheit und Demütigung übertünchen, die ich derzeit fühle", sagte Merritt.

Er war in den vergangenen Jahren der "Mister zuverlässig" der US-Leichtathletik. Bei den Sommerspielen 2008 in Peking und der WM im Vorjahr in Berlin avancierte er zum Star der Stadionrunde. Der 23-Jährige gilt als Hauptkontrahent für Usain Bolt, sollte der jamaikanische Supersprinter eines Tages tatsächlich von den 100 und 200 Metern auf die 400 Meter umsteigen.

Laut Anwalt Jacobs habe Merritt das Produkt seit Ende der Saison 2009 und somit nach der WM in Berlin genommen. Daher droht ihm keine nachträgliche Aberkennung seiner Goldmedaillen. Howard war bereits der Rechtsbeistand von Marion Jones und Tim Montgomery. Die ehemaligen Stars wurden des Dopings überführt und wegen falscher Aussagen vor Gericht im Zusammenhang mit verbotenen Mitteln sogar zur Haftstrafen verurteilt.

Howard sieht im Fall Merritt keine Parellelen. "Diese Sache ist anders. Es würde mich überraschen, wenn irgendjemand bezweifelt, wodurch die Ergebnisse zustande gekommen sind. Es ist wichtig, dass die Leute versuchen, den Unterschied zu verstehen und nicht alle in die selbe Kategorie stecken", sagte Howard. Merritt entschuldigte seinen Fehlgriff damit, dass er das Kleingedruckte auf der Packung nicht gelesen habe.

fsc/dpa/sid

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Dopingsubstanzen und ihre Wirkung

Epo/HGH

Die Ausdauerleistungsfähigkeit ist wesentlich vom Sauerstoffaufnahmevermögen abhängig. Erythropoetin (Epo), ein Peptidhormon, stimuliert die Produktion roter Blutkörperchen. Die erhöhte Anzahl im Organismus zirkulierender Erythrozyten führt zu einer Verbesserung der Sauerstoffaufnahmekapazität des Blutes und hat damit eine Steigerung der Ausdauerleistungsfähigkeit zur Folge.

Das Internationale Olympische Komitee (IOC) verbietet seit mehr als zwölf Jahren den Gebrauch von Epo. Seit 1983 ist es möglich, Epo synthetisch herzustellen. Entwickelt wurde es für Patienten mit schweren Nierenleiden, bei denen Blutarmut auftritt. Epo gehört zur Gruppe der Peptidhormone. Ebenso wie das Wachstumshormon HGH, das zur Behandlung von Kleinwüchsigkeit eingesetzt wird. Das Wachstumshormon HGH lässt nicht nur die Muskeln, sondern auch die Knochen wachsen, mit langen Gliedmaßen, einem verformten Kopf und Riesenhänden als Folge. Zudem verändert sich die Struktur der Organe. Auch bei den Peptid-Hormonen gibt es immer neue Varianten, die mit heutigen Dopingtests nicht erkannt werden. (mit dpa)

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