Von Holger Rehm
Oliver Schwall hat einen Traum. Die Vision des ehemaligen Tornado-Segelweltmeisters handelt von funkelnden olympischen Goldmedaillen, Weltmeistertiteln, regelmäßiger Segelberichterstattung und einer deutschen Segelnationalmannschaft, auf deren Yachten aus der Ferne das Logo eines Großsponsors zu sehen ist.
Deutschland sei einmal "eine der erfolgreichsten Segelnationen der Welt" gewesen, sagt der ehemalige Geschäftsführer der Werbeagentur Springer & Jacoby. Schwall schwärmt von 1976 in Montreal, als die deutschen Segler fünf olympische Medaillen gewinnen konnten. Mittlerweile können diese mit den europäischen Top-Nationen nur noch selten mithalten. Das liegt auch am fehlenden Geld.
Rund eine Million Euro stehen den deutschen Seglern derzeit zur Verfügung. Der englische Verband hat umgerechnet knapp sieben Millionen Euro. Nicht viel schlechter geht es den Franzosen oder Italienern. "Selbst die Segler aus Österreich und der Schweiz, die keine Küstenregion besitzen, haben bessere Rahmenbedingungen", klagt Schwall.
Der gebürtige Kieler will jedoch nach vorne schauen, etwas verändern. Dafür soll auch das im Sommer 2009 gegründete Sailing Team Germany (STG) sorgen. Mit im Boot: der Deutsche Seglerverband (DSV) und mittlerweile 30 der führenden deutschen Segelclubs.
Deutschlands neue Segelnationalmannschaft
Ziel der Initiative ist es, eine neue Segelnationalmannschaft aus der Taufe zu heben und sämtliche Maßnahmen darauf auszurichten: Geplant sind die Förderung von Trainerausbildungen, ein Segelleistungs- und Forschungszentrum in Kiel-Schilksee sowie ein Winter-Trainingszentrum auf Mallorca. Für das nötige Geld soll die Sailing Team Germany GmbH sorgen.
An der Spitze der fünfköpfigen autarken Vermarktungsgesellschaft wirken seit Anfang des Jahres die beiden Geschäftsführer Schwall und Arne Dost sowie die deutsche Segel-Ikone Jochen Schümann, der als Gesellschafter der GmbH, Aufsichtsrat und gleichzeitig "Anker für die Medien" und "sportfachliche Stütze" innerhalb der GmbH auftreten soll.
Der Weg allerdings, den sie noch vor sich haben, ist weit. Vier bis sechs Millionen Euro soll die neue Vermarktungsgesellschaft über Werbeeinnahmen generieren. Davon soll ein niedriger einstelliger Millionenbetrag - und damit der größte Teil des Budgets - durch einen Premium- und Hauptpartner erlöst werden. Ein stolzer Preis für ein Sponsoring in einer Sportart, die hierzulande über Jahre medial kaum stattfand.
Denn schließlich ist es mit den kolportierten zwei bis drei Millionen Euro an Rechtekosten für einen Premium-Sponsor nicht getan. Hinzu kommen in etwa die gleichen Ausgaben für die Aktivierung der Partnerschaft sowie Gelder für etwaige Medienproduktionen. Dass der aufgerufene Preis zu hoch ist, glaubt Schwall nicht. Schließlich bekomme der Hauptsponsor im Gegenzug den Großteil der Brandingfläche der neu gegründeten Segelnationalmannschaft und könne als neuer Namensgeber "eine ganze Sportart prägen und neu gestalten". So wie früher die Telekom im Radsport oder Audi derzeit im alpinen Ski-Sport. Jedoch nicht als Sponsor, sondern als Vertriebspartner.
Acht Millionen Segel-Interessierte
Die STG-Initiatoren werden nicht müde zu betonen, dass eigentlich kein klassischer Werbepartner gesucht werde, sondern ein Unternehmen, das "gemeinsam mit uns die Vertriebspotentiale im deutschen Segelsport erschließt". Schwall verweist auf das Potential von acht Millionen Segel-Interessierten in Deutschland. Außerdem gebe es 2,5 Millionen kaufkräftige und konsumfreudige Menschen, die hierzulande regelmäßig den Sport ausübten, und davon seien rund 300.000 Personen in Segelclubs und Verbänden organisiert. "Das sind alles mögliche Kunden, und es geht darum, eben diese Zielgruppen gemeinsam zu erschließen. Wir liefern im Grunde nicht nur eine Sportart, sondern einen ganzen Markt auf dem Silbertablett", erklärt er.
Klingt einleuchtend, doch über das Wie schweigt sich Schwall noch aus. Konkrete Vertriebsideen will er noch nicht verraten. Die sollen zunächst maßgeschneidert den potentiellen Partnern vorgelegt werden. Vielmehr kommt er auf eine weitere Baustelle zu sprechen: das Thema Medien. Mit wenigen Ausnahmen findet der Segelsport dort derzeit nämlich überhaupt nicht statt.
Schwall glaubt, die Gründe zu kennen: "Der Sport muss den Medien besser verpackt werden." Dabei gehe es nicht nur um den Rennverlauf, sondern ebenso um die Protagonisten und die Geschichten drum herum: Technik, Material, Wetter, Teamarbeit, körperliche Fitness, Celebrities oder die Strategie und die Taktik, die zum Erfolg führen.
"Idealerweise produzieren wir einen Großteil des Contents mit einem Medienpartner selbst und kümmern uns um die gemeinsame Vermarktung", so die geplante Marschrichtung. Bis zur Kieler Woche (19. bis 27. Juni) sollen die ersten Partner vorgestellt werden. Ein ambitioniertes Ziel. Das weiß auch Schwall.
Auf die Olympischen Spiele 2012 in London werde die Neuausrichtung daher noch keine Auswirkungen haben. Das eigentliche Ziel, so Schwall, seien ohnehin die Sommerspiele 2016 in Rio de Janeiro. Dann sollen wieder Medaillen her.
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"Wir präsentieren einen ganzen Markt" - als wenn die Segelsportler nur darauf warten, als Zielgruppe entdeckt zu werden - hat Herr Schwall sich mal umgeschaut, wie intensiv diese Zielgruppe bereits beworben wird? Und wie [...] mehr...
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