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08.06.2010
 

Achilles' Verse

Schlemmen, laufen, abnehmen

Läufersünde Pizza: Nach 90 Minuten abtrainiertZur Großansicht
REUTERS

Läufersünde Pizza: Nach 90 Minuten abtrainiert

Schluss mit der Grübelei bei jedem Bissen: Das neue Buch "Der Lauf-Gourmet" von Achim Achilles bringt Laufspaß und Esslust in Einklang. Appetithappen statt Gewissensbisse lautet das Motto. Denn wer gut isst, der läuft nicht unbedingt schneller - aber besser gelaunt.

Früher musste der Mensch laufen, um sein Abendbrot zu fangen. Nur schnelle und ausdauernde Steinzeit-Sportler brachten ein zartes Wildbret in die heimische Höhle oder ein paar Nüsse und Beeren vor hungrigen Zeitgenossen in Sicherheit.

Heute läuft der Mensch nicht dem Essen hinterher, sondern flieht vor dem Pizzaboten, aus Angst vor Herzverfettung und prallen Hüften. Die nächtliche Fressattacke kommt dennoch so sicher wie der Hungerast beim Marathon. Laufen und Essen, das sind Überlebenstechniken, die den Neandertaler mit Reiner Calmund verbinden, wenn auch in unterschiedlicher Reihenfolge.

Fakt ist: Weder eine Sommerserie geselliger Grillabende noch das vierwöchige Trinkgelage zur Fußball-WM sind mit dem idealen Wettkampfgewicht in Einklang zu bringen. Einer leidet immer - der Läufer. Entweder an Hunger, Sodbrennen, Durst oder Kater.

2000 Meter Tempotraining pro Pils

Hätte der große Lauf-Manitu gewollt, dass seine Anhänger nur Salatblätter essen, hätten sie auch Hasen werden können. Aber Läufer sind menschliche Wesen, getrieben vom dialektischen Doppel aus heiterer Disziplinlosigkeit und beträchtlichem Ehrgeiz. Glaubt man Psychologen, dann ist es ganz einfach, Currywurst und Fitnesswahn zu harmonisieren. Der Mensch schließt einfach einen Vertrag mit sich: Jeder Genuss ist abzubüßen. 2000 Meter Tempotraining pro Pils, eine Stunde flotten Trab für Schweinebraten plus Extraknödel. So sollen Lebensfreude und Läuferleid im Idealgewicht bleiben. Aber wer glaubt schon Psychologen.

Auch mit Studien, die die segensreiche Wirkung von Schokolade, Fleisch und alkoholischen Getränken preisen, kann man sich erfolgversprechend betrügen. Die Harvard Medical School ermittelte, dass das nur im Rotwein enthaltene Antioxidans Resveratrol lebensverlängernd wirken kann. Die University of California-Davis hat herausgefunden: Im Wein finden sich überdies pflanzliche Verbindungen namens Saponin, die die Aufnahme von Cholesterin blockieren. Weil in einem Glas Rotwein aber nur die Hälfte der täglich verwertbaren Menge an Saponinen schwimmt, muss man natürlich zwei trinken.

Gesund genießen, abnehmen und dennoch gute Laune - diese Ziele vereinen die große Läuferfamilie. Für alle gelten jedoch folgende Grundgesetze, ganz gleich, ob Olympionike oder Walk-Memme, ob linksdrehender Veganer oder Kellenmeister an der Gulasch-Kanone.

Zehn Regeln für Läufer

  • Verbrauche durch körperliche Aktivität mehr Kalorien, als du zu dir nimmst. 20 Minuten Trab durch den Stadtpark werden sich auf der Waage kaum niederschlagen - ein achtgängiges Belohnungsmenü hinterher allerdings schon.
  • Kombiniere bewusstes Essen, Sport und viel Geduld. Wer dreimal pro Woche etwa eine Stunde läuft und seine Energieaufnahme konstant hält, verliert rund 200 Gramm wöchentlich - immerhin zehn Kilo im Jahr.
  • Drei Nächte die Woche um neun ins Bett gehen. Wer schläft, der frisst nicht. Dafür wird er einsam.
  • Es gibt keine verbotenen Nahrungsmittel, aber übergroße Portionen.
  • Akzeptiere die bittere Wahrheit: Hüftgold geht nie am Stück, sondern so wie es gekommen ist - Gramm für Gramm. Bei zehn Minuten gemächlichen Dauerlaufs verbrennt ein 60-Kilogramm-Läufer 81 Kalorien, sein 100-Kilogramm-Kollege 136 Kalorien. Um eine Tafel Nuss-Schokolade abzutrainieren, muss man also eine Stunde wetzen, für eine Bockwurst gut die Hälfte, für eine Salami-Pizza 90 Minuten.
  • Wer die Menge der aufgenommenen Kalorien kleinrechnet, die Summe der verbrauchten Energie aber schönfärbt, wird enttäuscht. Würde Schleichen mit Stöcken, Snackbeuteln und Trinkfässern schlank machen, hätten Walker ein Problem weniger.
  • Nahrungsergänzungsmittel wie Magnesium, Eisen oder Zink sind nicht erforderlich, werden aber dennoch von fast allen eingeworfen. Gut so: Alles was brodelt, sprudelt oder britzelt, trägt zu gefühlter Leistungsverbesserung bei.
  • Wenn nichts mehr hilft, dann den alten Trick auf der Waage anwenden: Ziehe den Bauch ein, halte die Luft an und denke an einen Kolibri. Und schaue anschließend in den Backofen, wie weit der käsetriefende Auflauf gediehen ist.
  • Es ist nicht peinlich, bei der Ausgabe der Finisher-Shirts ein "XL" zu verlangen. Die Dinger sind wirklich enger geworden in den vergangenen Jahren.
  • Der Hunger ist wie eine Ehefrau: immer da, wenn man ihn - beziehungsweise sie - am wenigsten braucht. Das Läuferleben ist leichter, wenn du lernst, mit beiden auskömmlich zu leben.

Wie aber macht man den Hunger zu seinem Freund? Tapfer meditiere ich abends vor einem Glas Wurstwasser. Ich kann den Käseklotz durch die Kühlschranktür riechen. Aber ich bin tapfer. Und warte ein Viertelstündchen, bis ich mich auf den Edamer stürze. Vielleicht greife ich diesmal aber auch zur Möhre.

Vor jedem einzelnen Bissen steht der Läufer wieder vor der Entscheidung: Twiggy oder Vielfraß? Wasser oder Wodka? Endloses Zaubern am Herd oder ratzfatz den Plastikfraß in die Mikrowelle? Klare Sache: Puls- und Eieruhr sind keine Gegensätze, sondern zwei Seiten ein- und desselben Läuferlebens.

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Buchtipp

Achim Achilles:
Der Lauf-Gourmet.
Schlanker, schneller, satter.

Heyne Verlag; Mai 2010; 192 Seiten; 7,95 Euro;
ISBN 978-3-453-60156-7

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Südwest Verlag; Oktober 2009; gebunden; 304 Seiten; 19,95 Euro.

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Seit einigen Jahren schreibt er seine Kolumnen, jetzt geht Kultläufer Achim Achilles online - mit seiner Web-Seite www.Achim-Achilles.de. Das Portal bietet den Millionen Läufern hierzulande Infos, Tipps und Spaß - für Einsteiger wie Laufprofis. Die lebendige Läufer-Community tauscht letzte Weisheiten aus, ein halbes Dutzend Experten berät kostenlos. Immer nach dem Motto des Bestseller-Autors Achilles: "Laufen, leiden, lachen, leben".

Freundschaft mit Achim

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