Der Hydrophile
Schon von Weitem zu hören am gluckernden Bauch. Hat von seiner Partnerin eingeimpft bekommen, dass Wassermangel schlimmer sei als Atemnot. Leert am Start noch tapfer eine Eineinhalb-Liter-Flasche. Ruiniert jede Bestzeit-Chance, weil er alle Viertelstunde austreten muss, was besonders in Häuserschluchten zu kreativem Versteckspiel führt. Autofahrer aufgemerkt: Nicht jede Urinspur am Hinterreifen stammt von einem Hund.
Der Hydrophobiker
Fürchtet nichts mehr als Gewichtszunahme. Hat ausgerechnet, dass selbst der kleinste Schluck etwa 20 Gramm Ballast bedeutet und mithin 0,02 Prozent Tempoeinbuße. Die Lippen von Hydrophobikern krümeln vor sich hin; ihr Atem riecht nach Kanalisation. Pinkelt lieber Blut als auch nur einen Tropfen zu sich zu nehmen. Nichttrinken gilt als Nachweis von Askese. Bestzeiten möglich, da der Hydrophobiker weder an Verpflegungsstellen noch hinter Bäumen stoppt.
Der Hightech-Trinker
Ist täglich eine Stunde damit beschäftigt, sich sein Spezialgetränk millilitergenau anzumischen. Weil er den Fertigpulvern nicht traut, mixt der Hightech-Trinker ausschließlich selbst: Drei Löffelchen Eiweiß, ein halber Beutel Backpulver, ein Schuss Carnitin, zwei Messerspitzen Kochsalz, alles mit einer Extradosis B12 abbinden und gefühlvoll im Shaker sämig schütteln. Geheimrezept natürlich. Deswegen Vorsicht, Sportsfreunde: Beim Training niemals einen Schluck aus einer fremden Pulle probieren. Der Besitzer könnte ausrasten. Bestzeiten schafft er trotzdem nicht: Wer den ganzen Tag Sportgetränke mixt, kommt ja kaum noch zum Trainieren.
Der Timing-Trinker
Hat mal eine Studie gelesen, dass der Zeitpunkt der Flüssigkeitsaufnahme das entscheidende Kriterium für Leistungssteigerung ist. Deswegen muss die Gattin beim Marathon exakt bei den Kilometern 11,7, 23,2 und 34,6 mit der Kühltasche warten. Aber wehe, die gute Frau verwechselt die Buddeln. Der Ärger darüber, dass die Gattin wieder falsch gestanden hat und die viel zu warme Flasche ungeschickt anreichte, nimmt den nötigen Punch auf den letzten Kilometern. Ehekrise statt Bestzeit.
Der Biertrinker
Der Neandertaler unter den Läufern. Verschreckt seine Laufkameraden, indem er am Abend vor dem Marathon vier Hefeweizen stürzt und am nächsten Morgen glasigen Auges und aus einer Zigarrenrauchwolke heraus behauptet, er habe vor dem Einschlafen zwei weitere Humpen geleert, weil kein Doornkaat als Einschlafhilfe zu finden war. Schwankt auf den ersten zehn Kilometern wie ein Seebär, riecht wie Rudi Assauer, kommt aber mit zunehmender Strecke und nachlassendem Kopfschmerz immer besser in Tritt. Verlangt an der letzten Verpflegungsstelle bei Kilometer 38 nach einem Bier. Eilfertige Helfer holen ein Sixpack von der Tanke. Zieleinlauf mit Fahne. Aufsteigender Brechreiz bei den Helfern, die die Medaillen umhängen. Pöbeleien am Erdinger-Stand, weil nur Alkoholfreies ausgeschenkt wird. Läuft schon lange keine Bestzeiten mehr; dafür werden die Erzählungen von früheren Heldentaten mit jedem Bier phantastischer.
Der Glykämiker
Glaubt an die Wunderwirkung schneller Kohlenhydrate. Kreist bei seinen Trainingsläufen stets konzentrisch um Tankstellen, Kioske oder Ausflugslokale, um ständigen Nachschub mit Eis, Schokoriegeln und Brause zu gewährleisten. Frühstückt vor dem Marathon in Spezi aufgelöste Gummibärchen, bettelt an den Verpflegungsstellen um Cola, gibt sich zur Not aber auch mit stark gesüßtem Tee zufrieden, mit dem er das klebrige Maltodextrin-Gel von der Mundschleimhaut zu spülen versucht, von denen er noch zwei Dutzend in einem Känguru-Beutel trägt. Zwei Kilometer ohne Zuckernachschub machen ihn psychisch fertig. Bestzeit? Nur wenn die ganze Strecke lang Red Bull ausgeschenkt wird.
Fragen, Fakten, Tipps und Mythen über optimales Trinken lesen Läufer ab sofort im neuen "Lauf-Gourmet" von Achim Achilles . In dem Buch finden sich außerdem viele Rezepte zum Ausprobieren, sowohl für Festes wie für Flüssiges.
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