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28.07.2010
 

Achilles' Ferse

Hitzeschlacht am Schmierofenweg

Abkühlung mit der Wasserflasche: Sengende Hitze als Feind des LäufersZur Großansicht
dpa

Abkühlung mit der Wasserflasche: Sengende Hitze als Feind des Läufers

Auf seiner Trainingstrecke muss sich Achilles-Leser Mirco Meniscus gegen Hitzekollaps und Muttertiere an der Wasserstelle durchsetzen. Leser Matthias treibt das schlechte Gewissen zum Schwimmen. Doch der Weg ins Wasser wird zur Tortur.

Bei meiner letzten Einheit, dem 15-Kilometer-Waldlauf, habe ich wieder einmal etwas gelernt. Entgegen meiner sonst üblichen Gewohnheit startete ich erst am Sonntagnachmittag. Ich verpackte mich in die leichte Sommerbekleidung vom Discounter meines Vertrauens inklusive Brustgurt, Sonnenbrille und Musikanlage. Bei strahlendem Sonnenschein und mit äußerst geringen Erwartungen ging es los. Bergauf natürlich.

Schnell war der Schatten mein Freund. An der ersten schärferen Steigung unter sengender Sonne begann ich mich zu fragen, wie ich die Strecke wohl überstehen würde. Ich lag nach ungefähr fünf Kilometern eigentlich recht gut im Rennen, doch die Sonne verpasste mir immer mal wieder einen ordentlichen Wirkungstreffer. Eine letzte langezogene Steigung mußte noch genommen werden bevor es bergab und heimwärts gehen konnte: der Schmierofenweg. Nomen est Omen!

Die Sonneneinstrahlung machte den ganzen Spaß zu einem Backofen und abgeschmiert wäre ich beinahe auch noch. Warum? Ganz einfach, wegen Nichtbeachtung einfachster Läuferregeln für sommerliche Temperaturen! Siedend heiß fiel mir ein, was ich vergessen hatte. Und zwar den Hüftgürtel mitsamt "Anti-Dehydrations-Wasserflasche", kurz "ADWF"!

Im Beinahe-Delirium sprach mein Betriebsschamane "Mildes Lächeln" im Chor mit sämtlichen Trainingsratgebern zu mir: "Bei höheren Temperaturen musst du während des Laufens regelmäßig Flüssigkeit in kleinen Schlucken zu dir nehmen!" So ein blöder Anfängerfehler! Durchhalten musste ich aber trotzdem. Zwischen "Viel trinken!" und "alle 10-20 Minuten!" erreichte ich leicht angezählt den Scheitelpunkt der Strecke.

Blockade an der Wasserstelle

Bergab lief es dann zwar wieder etwas runder, doch an eine glorreiche Ankunft daheim war nicht mehr zu denken. Meine Gedanken kreisten nur noch um die einzige Trinkwasserstelle auf meinem Rückweg. "Nur noch wenige Kilometer, gleich habe ich es geschafft." Und endlich kam der heiß ersehnte Quell der Erlösung in Sichtweite! Ich war gerettet! Oder doch nicht? Ein fürsorgliches Muttertier tränkte ihre Nachwuchsherde! "Mami will auch nochmal was trinken!" flötete sie ihrer Herde zu und bequemte sich zur Wasserstelle.

Nach Luft und Fassung ringend kam ich zum Stehen. Meine Gesichtsfarbe muss wohl wegen der Anstrengungs- und Hitzeflecken an eine rasierte Kuh mit Sonnenbrand erinnert haben. Nach einer gefühlten Ewigkeit erbarmte sich ein anderes Muttertier und signalisierte der Blockierenden zum Ende zu kommen. Endlich, Wasser! Welch Wohltat!

Noch den letzten Kilometer, dann war es geschafft. Was für eine Hitzeschlacht! Der Blick auf die Uhr löste dennoch Erstaunen aus, denn trotz Leistungseinbruch war die Zeit für meine Verhältnisse in Ordnung. Aber so kaputt war ich schon lange nicht mehr. Geschlagene fünf Minuten benötigte ich für die letzten Treppenstufen zur heimischen Haustüre! Zufrieden und glücklich wurde ich mit einem "Mein Gott siehst du aber schrecklich aus!" willkommen geheißen.

Merke: Ab sofort ist die "ADWF" Pflicht!

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