Hamburg - Frankreichs neuer Sprintstar Christoph Lemaitre ist Europameister über 100 Meter. Der 20-Jährige siegte bei den kontinentalen Titelkämpfen in Barcelona in 10,11 Sekunden und verwies den Briten Mark Lewis-Francis (10,18) und seinen Landsmann Martial Mbandjock (10,18) auf die Plätze zwei und drei. Dabei hatte der siegreiche Lemaitre, der erste französische 100-Meter-Europameister seit 48 Jahren, die langsamste Reaktionszeit aller acht Athleten am Start.
Eine heftige Enttäuschung musste hingegen Dwain Chambers aus Großbritannien hinnehmen. Der Hallen-Vizeweltmeister und Favorit auf den Sieg kam noch hinter Titelverteidiger Francis Obikwelu (Portugal) ins Ziel und wurde nur Fünfter. Beide hatten am Ende die gleiche Zeit wie Bronzemedaillengewinner Mbandjock und Silbermedaillengewinner Lewis-Francis zu Buche stehen; das Foto-Finish sprach jedoch für den Franzosen als Drittplatzierten und den Briten als Zweiten.
"Das war ein super Rennen. Es ist nicht so gelaufen, wie ich für mich gehofft hatte. Das nehme ich mit einem Lächeln hin", sagte Chambers und gab sich als fairer Verlierer. "Ich wollte schon die Goldmedaille, aber Christophe war stark und hat sie verdient." Die deutschen Sprinter Tobias Unger, Alexander Kosenkow und Christian Blum waren bereits im Halbfinale klar gescheiert.
Diskuswerferin Müller zehn Meter hinter ihrer Bestweite
Ähnlich enttäuschend verliefen die anderen Entscheidungen am Abend des zweiten Wettkampftages für die deutschen Athleten. Nachdem am Vortag bereits die hoch gehandelten Kugelstoßerinnen leer ausgegangen waren, gab es auch am Mittwoch kein Edelmetall für das Team des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV). Diskuswerferin Nadine Müller war zwar als Mit-Favoritin ins Finale gestartet, musste sich am Ende aber mit Rang acht zufrieden geben.
"So hatte ich mir das nicht vorgestellt. Wenn du Linkswerfer bist und der Wind von rechts kommt, ist das einfach ein bisschen blöd", sagte die WM-Sechste, zeigte sich aber auch selbstkritisch: "Es haben heute auch die Beine nicht mit dem Oberkörper zusammengespielt." Deutlichere Worte fand hingegen DLV-Präsident Clemens Prokop: "Eine Medaille von Nadine Müller war eingeplant. Wir hatten gehofft, heute mit dem Medaillen-Holen zu beginnen. Das ist eine Enttäuschung."
Müller erreichte im Finale zu keiner Zeit ihre Form, mit der sie sich mit 67,78 Metern auf Weltranglistenplatz eins geworfen hatte. Letztlich blieb sie mit 57,78 Metern zehn Meter hinter ihrer Bestweite wurde sogar nur zweitbeste Deutsche hinter der Siebtplatzierten Sabine Rumpf (58,89 Meter). Es siegte die Kroatin Sandra Perkovic mit 64,67 Metern im letzten Versuch vor der Rumänin Nicoleta Grasu (63,48) und der Polin Joanna Wisniewska (62,37).
DLV mit Medaillenchancen im Speerwurf und Stabhochsprung der Frauen
Wenige Stunden vor Müller hatte schon Melanie Seeger als Vierte im 20-Kilometer-Gehen Bronze verpasst. Den Fehlstart des DLV konnte am Ende auch Sabrina Mockenhaupt nicht verhindern, die im Finale über 10.000 Meter in 32:06,02 Minuten auf dem sechsten Platz landete. Gold holte die gebürtige Äthiopierin Elvan Abeylegesse für die Türkei (31:10,23) vor der Russin Inga Abitova (31:22,83) und Jessica Augusto aus Portugal (31:25,77).
Weitere Entscheidungen des Tages ohne deutsche Finalbeteiligung: Im Weitsprung triumphierte die Lettin Ineta Radevica überraschend mit Landesrekord von 6,92 Metern vor der Portugiesin Naide Gomes (6,92) und Olga Kucherenko aus Russland (6,84). Das Hammerwerfen der Männer entschied der Slowake Libor Charfreitag mit 80,02 Metern für sich und verwies Nicola Vizzoni aus Italien (79,12) und den Ungarn Krisztian Pars (79,06) auf die Plätze.
Nun hoffen die deutschen Athleten auf Tag Nummer drei in Barcelona, um endlich die erste Medaille zu holen. Gute Chancen hat dann die Speerwurf-Olympiadritte Christina Obergföll. Ebenfalls in den Finals ihrer jeweiligen Disziplinen am Freitag stehen Hammerwerferin Betty Heidler und das Stabhochsprung-Trio Carolin Hingst, Silke Spiegelburg und Lisa Ryzih. Über 1500 Meter kam Carsten Schlangen in 3:41,65 Minuten als Halbfinal-Dritter in den Endlauf am Freitag.
ham/sid/dpa
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