Hamburg - Die Zeit der geplatzten deutschen Titelträume bei der Leichtathletik-EM in Barcelona ist vorbei: Mit zwei Sensationssiegen und drei Medaillen binnen fünf Minuten haben Deutschlands Leichtathleten ihre Pleitenserie am dritten EM-Tag gestoppt. Erst gewann Verena Sailer Gold über 100 Meter, dann siegte Linda Stahl im Speerwurf. Den Triumph in dieser Disziplin komplettierte Christina Obergföll durch Silber.
"Das ist unglaublich. Es ist wahnsinnig. Ich kann es nicht glauben", stammelte Sailer kurz nach ihrem Triumph über die 100 Meter. "Ich wollte einfach nur gewinnen, ich sagte mir, du machst es einfach." 20 Jahre nach Katrin Krabbe stellt Deutschland damit erstmals wieder die europäische Sprint-Königin. Die 24 Jahre alte Sailer stürmte in 11,10 Sekunden zum Titel, Silber ging an Veronique Mang aus Frankreich (11,11), Bronze sicherte sich Mangs Landsfrau Myriam Soumare (11,18). Dabei hatte Mang den besseren Start, doch in der zweiten Hälfte des Rennens sprintete Sailer nach vorn.
"Eine Medaille im Sprint ist etwas ganz Besonderes. Das ist historisch", sagte DLV-Präsident Clemens Prokop erfreut, der gleich zwei Goldmedaillen bejubeln konnte. Ähnlich überraschend wie Sailer setzte sich Stahl im Speerwerfen durch. Sie gewann mit einer Weite von 66,81 Metern und übertraf damit die lange Zeit führende Weltrekordlerin Barbora Spotakova aus Tschechien (65,36), die sich aufgrund einer Verletzung am Wurfarm mit der Bronzemedaille zufrieden geben musste. Den ersten deutschen Doppelsieg bei einer Leichtathletik-EM seit 36 Jahren sicherte Christina Obergföll (65,58).
"Das ist ein unglaubliches Gefühl. Ich bin so glücklich, mit Christina auf dem Podium zu stehen", kommentierte Stahl ihren Sieg. "Ich wusste nach dem Einwerfen, wenn ich bei der Sache bin, kann ich einen raushauen. Und das ist mir gelungen." Der zweimaligen Vize-Weltmeisterin Obergföll blieb dagegen erneut der erste große Titel versagt. "Klar freue ich mich über meine erste EM-Medaille. Aber Gold war zum Greifen nah, und ich hatte einfach Probleme mit meinem Rhythmus beim Anlauf. Die Beine liefen nicht so richtig", sagte sie.
Baumann-Schützling erreicht 5000-Meter-Finale
Weniger erfreulich aus deutscher Sicht am dritten Tag verliefen die Vorkämpfe im Stabhochsprung der Männer und im Dreisprung der Frauen: Sowohl Malte Mohr als auch Katja Demut mussten sich vorzeitig verabschieden. Auch Daniel Schnelting und Sebastian Ernst konnten sich über die 200 Meter nicht für die jeweiligen Finals qualifizieren.
Seinen Endlauf erreicht hat hingegen Arne Gabius über 5000 Meter. Der Schützling von Dieter Baumann, der vor 18 Jahren an gleicher Stelle olympisches Gold über diese Distanz geholt hatte, qualifizierte sich in 13:39,78 Minuten als Vorlaufsiebter für das Finale am Samstag.
Auf dem Weg zum großen Star dieser EM ist indes Christophe Lemaitre. Einen Tag nach seinem Sieg über 100 Meter erreichte der Franzose auch das Finale über die doppelte Distanz am Freitag. Seinen Vorlauf über 200 Meter gewann er in 20,64 Sekunden, das Halbfinale in 20,39. Der 20-Jährige steigerte sich trotz zunehmender Hitze und Müdigkeit. "Ich habe nur wenig geschlafen. Ich hatte auch ein wenig Angst. Aber es ging", sagte Lemaitre.
Weitere Entscheidungen des Tages ohne deutsche Beteiligung: Im Hochsprung gewann der Russe Alexander Schustow mit 2,33 Metern vor seinem Landsmann Ivan Uchow (2,31) und dem Briten Martyn Bernard (2,29). Bei den Dreispringern siegte Weltmeister Phillips Idowu aus Großbritannien mit 17,81 Metern. Silber holte der Rumäne Marian Oprea (17,51), Bronze ging an Teddy Tamgho aus Frankreich (17,45). Im Zehnkampf triumphierte der Franzose Romain Barras (8453 Punkte) vor Eelco Sintnicolaas aus den Niederlanden (8436) und dem Weißrussen Andrei Krauchanka (8370).
ham/sid/dpa
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Hübsch lustig. Bei der EM fand man bislang nirgendwo einen Medaillenspiegel. Erst jetzt, nachdem sich Schland mit vier Goldenen auf Platz vier hochgerobbt hat, hatte man die Traute zur Veröffentlichung. Und Deutschland stellt [...] mehr...
Bewegung ist unmodern geworden, obwohl man zugeben muß, daß auf dem Land bis heute sehr viel mehr Bewegungsmöglichkeiten vorhanden sind und auch Sportstätten als in Städten. Fakt ist, daß man in Wald und Heide und auf [...] mehr...
Na und? Was kommt noch nach? Deutschland stellt mit seinen 80 Mio Einwohnern ca. 1/6 der europäischen Bevölkerung. Es ist aber kaum zu erwarten, daß am Schluß jede sechste Medaille in Deutschalnd landet. mehr...
Beim Rennen über die 100m hat man schon vor dem Start gespürt: Verena Sailer will unbedingt gewinnen. Das strahlte sie aus und man konnte es sogar am Bildschirm spüren. Wie sie dann über die Distanz kämpfte und gewann war [...] mehr...
Gratulation an die Frauen! Woran mag es nur liegen, dass die deutschen Männer seit Jahren nur noch selten auf den Siegertreppchen zu finden sind??? mehr...
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