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30.07.2010
 

Doping-Ermittler Novitzky

Der Mann, der den Mythos Armstrong zerstören will

Von Peter Ahrens

Lance Armstrong: Königsetappe vor Gericht
Fotos
Corbis

Lance Armstrong steht vor dem ganz tiefen Fall: Bei den Befragungen der Grand Jury trifft der Ex-Champion auf einen knallharten Rivalen. Doping-Ermittler Jeff Novitzky hat schon andere prominente US-Stars erledigt. Sollte ihm das auch dieses Mal gelingen, droht dem Radsportler sogar Gefängnis.

Für Lance Armstrong besteht das Leben aus Gegnern. Der italienische Radsport-Arzt Michele Ferrari, in der Szene auch bekannt unter dem wenig schmeichelhaften Spitznamen "Dottore Epo", hat mal über den siebenfachen Tour-de-France-Sieger den Satz gesagt: "Er möchte die ganze Welt vertilgen."

Armstrong war stets dann am besten, wenn er sich in ein Duell verbeißen konnte.

Von daher müsste der US-Amerikaner ab diesem Freitag wieder zur Höchstform auflaufen. Wenn in Los Angeles die Grand Jury ihre Arbeit aufnimmt, um die Doping- und Betrugsvorwürfe gegen Armstrong und sein Umfeld zu klären, hat der ehemalige Champion einen echten Rivalen, an dem er sich abarbeiten kann: Chefermittler Jeff Novitzky.

Novitzky hat Sprinterin Marion Jones überführt, er hat die Baseball-Legende Barry Bonds als Doping-Betrüger entlarvt, jetzt hat er sich Armstrong vorgeknöpft. Seit er im Fall von Marion Jones nach Spritzen in Mülleimern suchen ließ und fündig wurde, hat er in den USA den Spitznamen "Dirt Novitzky". Ein ebenbürtiger Gegner.

Ermittlungen laufen wegen Betrugs

Gegen Armstrong und seinen langjährigen sportlichen Leiter Johan Bruyneel kann nicht wegen Dopings ermittelt werden - Doping ist kein Straftatbestand in den USA. Deshalb haben Novitzky und seine Leute zu einem Trick gegriffen. Die Ermittlungen laufen jetzt unter dem Label Betrug und missbräuchliche Verwendung von Steuergeld. Da Armstrongs früheres Team US Postal staatliche Gelder kassiert hat - das Team wurde von der staatlichen Post unterstützt - überprüft Novitzky, ob dieses Geld für die Finanzierung von Doping verwendet wurde. Wenn er zudem nachweisen kann, dass Armstrong damals Anteile an US Postal besaß, er also quasi Mitbesitzer des Teams war, würde es eng für den Ex-Champion.

Die Grand Jury wird zu diesem Zweck zahlreiche Zeugen hören. Erst danach wird allerdings entschieden, ob es tatsächlich zu einer offiziellen Anklage gegen Armstrong kommen wird. Der Sportler bestreitet bisher vehement alle Vorwürfe.

Novitzky hat die Operation Armstrong so gut vorbereitet wie der Radstar in guten Zeiten seine Tourstarts. Er hat sich Verbündete gesucht, wie den früheren Toursieger Greg LeMond, der Armstrong seit vielen Jahren in inniger persönlicher Feindschaft verbunden ist. Aus LeMonds Sicht ist Armstrong so etwas wie ein Mafia-Pate des Radsports. Einer, der, so behauptete der dreifache Tour-Champion erst vor kurzem in einem Interview mit der "Süddeutschen Zeitung", selbst den Weltverband UCI über Jahre unter Druck gesetzt und mit Geldspenden gefügig gemacht habe. "Armstrong und seine Leute waren meiner Meinung nach das Schlimmste, was dem Radsport passiert ist", sagt LeMond. Während der Tour de France in diesem Jahr ließ er kaum einen Tag verstreichen, um nicht gegen Armstrong nachzulegen. Am Freitag wird er vor der Grand Jury aussagen.

Gewichtiger dürften für die Ermittlungen allerdings die Kronzeugen sein, die Novitzky besorgt hat. Floyd Landis, Tyler Hamilton, Frank Andreu - allesamt ehemalige Teamgefährten Armstrongs, die als Dopingsünder aufgeflogen sind. Landis, der 2006 die Tour erst gewann, um danach als Betrüger erwischt zu werden, hat lange Zeit bestritten, gedopt zu haben - mit der legendären Begründung, sein erhöhter Testosteronwert ging darauf zurück, dass er zuvor Whisky getrunken habe. Nachdem ihm aber niemand mehr seine Version abgenommen hatte, hat Landis mittlerweile eine 180-Grad-Drehung vollzogen und ist bei seinen Dopingbeichten kaum noch zu stoppen. Er hat Armstrong schwer belastet.

Landis glaubt nicht mehr an den Weihnachtsmann

Landis hat gesagt: "Irgendwann ist es an der Zeit, den Kindern zu sagen, dass es den Weihnachtsmann nicht gibt." Armstrong sagt: "Landis ist jemand, der versucht, das Leben von anderen zu zerstören." Armstrongs renommierter Anwalt Bryan Daly dürfte vor allem die Taktik einschlagen, die persönliche Glaubwürdigkeit des Zeugen Landis zu erschüttern.

Für Armstrong steht vor Gericht viel auf dem Spiel. Seine Krebsstiftung Livestrong würde an Glaubwürdigkeit und Spendern massiv verlieren, wenn ihr Initiator als Dopingbetrüger dastünde. Seine politischen Ambitionen könnte er dann auch vergessen - es wird immer wieder spekuliert, Armstrong wolle Gouverneur von Texas werden.

Der Außerirdische, der Unersättliche, der Unbesiegbare - all das ist Armstrong in seinem langen Radsportleben genannt worden. Sportlich hat sich der 38-Jährige durch seine desaströse Tour de France in diesem Jahr selbst entzaubert. Jetzt droht ihm, dass Novitzky auch den Mythos Armstrong zerstört. Sieben Toursiege, die ganzen Erfolge, die einschüchternde Aura des US-Stars - alles nur auf Lug und Trug aufgebaut? Armstrong droht der ganz tiefe Fall.

Als der US-Amerikaner im Anschluss an die Tour de France seinen endgültigen Abschied vom größten Radrennen der Welt verkündete, teilte er seinen Fans via Twitter als Lebenshilfe noch mit: "Lebe stark und sorgenfrei." Zumindest letzteres dürfte ihm ab Freitag schwer fallen.

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Die neuesten Beiträge:
07.11.2010 von ollux: Vorfreude?

es ist,( mittlerweile einige Monate später)t so furchtbar still geworden.......... Sind etwa alle Schwätzer verstummt oder ist dies die Ruhe vor einem Prozess des Jahrhunderts? Das wird wohl nichts.......sagte der Staatsanwalt. mehr...

01.08.2010 von schensu: ?

Tut man doch in geneigten Kreisen. ;o) mehr...

01.08.2010 von schensu: .

Das ist nachweislich und grundsätzlich falsch. Sie hätten recht, wenn es um die Menge des Geldes, die Höhe der Beträge ginge. ---Zitat--- Jeder der etwas anderes behauptet, der will die Tatsachen nicht sehen. ---Zitatende--- [...] mehr...

01.08.2010 von xsreality: Farce

hmmm ... Tour de Farce? Warum sagt man eigentlich nicht auch Formel 1 de Farce? mehr...

01.08.2010 von Joachim Voß:

Dann sollten Sie grundsätzlich gegen Profisport sein. Denn da geht es schlicht und ergreifend nur um Geld und diese bekommt man nur für Unterhaltung. Jeder der etwas anderes behauptet, der will die Tatsachen nicht sehen. mehr...

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Epo und Epo-Doping

Erythropoetin (Epo)

Die Ausdauerleistungsfähigkeit ist wesentlich vom Sauerstoffaufnahmevermögen abhängig. Erythropoetin (Epo) ist ein Eiweißhormon, das die Produktion roter Blutkörperchen (Erythrozyten) im Körper stimuliert. Je mehr Erythrozyten im Blut, desto mehr Sauerstoff kann aufgenommen und zu den Körperzellen transportiert werden - die Leistungsfähigkeit steigt.

Struktur und Wirkung

Künstliches Epo

Nebenwirkungen

Epo-Mimetika

Epo-Doping und Nachweis


Dopingsubstanzen und ihre Wirkung

Epo/HGH

Die Ausdauerleistungsfähigkeit ist wesentlich vom Sauerstoffaufnahmevermögen abhängig. Erythropoetin (Epo), ein Peptidhormon, stimuliert die Produktion roter Blutkörperchen. Die erhöhte Anzahl im Organismus zirkulierender Erythrozyten führt zu einer Verbesserung der Sauerstoffaufnahmekapazität des Blutes und hat damit eine Steigerung der Ausdauerleistungsfähigkeit zur Folge.

Das Internationale Olympische Komitee (IOC) verbietet seit mehr als zwölf Jahren den Gebrauch von Epo. Seit 1983 ist es möglich, Epo synthetisch herzustellen. Entwickelt wurde es für Patienten mit schweren Nierenleiden, bei denen Blutarmut auftritt. Epo gehört zur Gruppe der Peptidhormone. Ebenso wie das Wachstumshormon HGH, das zur Behandlung von Kleinwüchsigkeit eingesetzt wird. Das Wachstumshormon HGH lässt nicht nur die Muskeln, sondern auch die Knochen wachsen, mit langen Gliedmaßen, einem verformten Kopf und Riesenhänden als Folge. Zudem verändert sich die Struktur der Organe. Auch bei den Peptid-Hormonen gibt es immer neue Varianten, die mit heutigen Dopingtests nicht erkannt werden. (mit dpa)

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