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10.09.2010
 

Achilles' Ferse

Der Alptraum jedes Anfängers

Gedränge am Berliner Hauptbahnhof: "Da hinten ist ein Park"Zur Großansicht
dpa

Gedränge am Berliner Hauptbahnhof: "Da hinten ist ein Park"

Der erste Versuch war ein Fiasko, Achilles-Leserin Chrissie musste das Training am Berg abbrechen. Doch so leicht gibt sie nicht auf. Der zweite Lauf beginnt klasse, dann gibt es ein großes Problem: Menschenmassen auf dem Bahnhofsvorplatz.

Gut, heute ist es also soweit - ich fange an zu laufen. Nachdem ich im Netz diverse Ratgeber durchstöbert habe, entscheide ich mich für die drei-Minuten-zu-zwei-Minuten-Variante für Einsteiger (im Wechsel drei Minuten laufen und zwei Minuten gehen). Das heißt laut Plan: acht mal drei Minuten schwitzen für den Anfang. Klingt machbar.

Kurz vor 7 Uhr schlüpfe ich in die Klamotten. Ohrstöpsel eingesteckt und los geht's. Das erste Intervall geht locker vom Fuß. "Ganz nett", denke ich während der anschließenden Ruhephase. Es knackt im Player - Signal zum Weitermachen. Doch plötzlich ist irgendetwas anders. Es geht gar nicht mehr so leicht wie gerade eben noch. Akute Schnappatmung setzt ein und die Oberschenkel melden sich.

Tapfer die Zähne zusammenbeißen und weiter. Nur noch 30 Sekunden bis zur Erlösung. Ich schaue mich kurz um, ehe mir mein fataler Fehler bewusst wird: Es geht Bergauf! Was habe ich mir dabei nur gedacht? Hechelnd sinniere ich über den Verlauf des Geländes: Hätte mir doch klar sein müssen, dass es mit der Zeit steiler wird, wenn man auf einen Park zuläuft, in dem sich ein Berg befindet.

Der MP3-Player reißt mich aus der Grübelei. Die Musik dudelt hämisch vor sich hin. Der schmale und definitiv recht steile Weg zum Park baut sich wie eine riesige Wand vor mir auf und kommt immer näher. Verzweifelt weiche ich dem unüberwindbaren Hindernis mit einer entschlossenen Linksdrehung aus. Es geht weiter die Straße entlang, mit mäßigem Anstieg. Viel besser so. Ich muss husten und der Schweiß sammelt sich an sehr unangenehmen Stellen.

Wie ein Fisch auf dem Trockenen hechele ich im Gehtempo vor mich hin. Durch die spontane Kehre befinde ich mich bereits auf dem Rückweg. Die zwei Minuten Gehpause sind schon längst vorbei, doch meine Beine ignorieren die Musik aus dem Player. Nur nicht nachdenken. Einfach weitergehen. Das Gewissen beginnt den Kampf gegen die Schnappatmung und die willenlosen Beine: "Komm schon, lauf wenigstens noch ein Mal. Das wäre zumindest die Hälfte des Pensums."

Widerwillig setze ich mich wieder in Laufbewegung. Die Ecke zu meiner Straße rückt in Sichtweite. An der Haustür ist das drei Minuten lange Lied noch nicht zu Ende. Dafür bin ich: total am Ende. Das nächste Mal brauche ich eine andere Strecke! Irgendwas muss ja Schuld sein! Heute war es die Strecke, ganz eindeutig. Nach dem Duschen ein kurzer Blick ins Internet. Das waren circa zwei Kilometer und ich war nach 20 Minuten zurück. Hm, naja. Aber ich war Laufen!

Neuer Tag, neues Glück, neue Strecke. Heute laufe ich einmal in die andere Richtung. Der erste Teil der Route ist angenehm. Doch dann der Alptraum des Anfänger-Läufers: Menschen, viele Menschen. Um zum Park-ähnlichen Teil der Strecke zu kommen muss ich nämlich quer über den Bahnhofsvorplatz. Obwohl meine Dudelmaschine noch nicht das Signal zum Laufen gegeben hat, "sprinte" ich los.

Trotz meines "rasanten Tempos" nehme ich die irritierten Blicke der gestrandeten Reisenden wahr. Am liebsten würde ich ihnen zurufen: "Da hinten ist ein Park, da will ich hin und dies hier ist der einzige Weg, sorry". Doch meine Atemluft reicht kaum aus, um das Tempo zu halten ohne zu ersticken.

Plötzlich sehe ich Sternchen. Oh je, kaum losgelaufen und schon macht der Kreislauf schlapp, denke ich. Doch nein, das war es nicht. Es war ein Blitz. Ein begeisterter (oder wohl eher irritierter/überraschter/verwunderter) Tourist hat gnadenlos mit der Knipse zugeschlagen. Ach was soll's, denke ich, dann bin ich jetzt eben die erste skurrile Berlin-Erinnerung im Fotoalbum dieses Herrn.

Für irgendetwas muss Sport ja gut sein.

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