Hamburg - Betty Heidler hat am vierten Tag der Leichtathletik-EM in Barcelona mit 76,38 Metern den Hammerwurf gewonnen. Für den Deutschen Leichtathletik-Verband war es die dritte Goldmedaille nach dem Doppelsieg durch Verena Sailer (100 Meter) und Linda Stahl (Speerwurf) am Donnerstag. Für Heidler war es das zweite Gold bei einem großen Wettkampf nach dem WM-Sieg 2007 in Osaka.
"Auf diesen Sieg hatte ich spekuliert", sagte die 25-Jährige. Selbstsicher hatte sie schon zuvor verkündet: "Mein Ziel ist mindestens Silber." Das gewann Russlands ehemalige Weltrekordlerin Tatjana Lysenko mit 75,65 Metern, Bronze ging an Polens Weltmeisterin und Weltrekordlerin Anita Wlodarczyk mit 73,56 Metern.
Auch die deutschen Stabhochspringerinnen überzeugten: Silke Spiegelburg gewann mit übersprungenen 4,65 Metern Silber, Lisa Ryzih sicherte sich mit der gleichen Höhe Bronze. Der Sieg ging an die Favoritin Swetlana Feofanowa, die 4,75 Meter übersprang. Für die 30-jährige Russin ist es nach 2002 der zweite EM-Titel. Eine Enttäuschung erlebte dagegen Carolin Hingst: Mit 4,72 Meter als Europas Beste angereist, reichte es für die 29-Jährige nur zu Platz elf (4,35 Meter).
Carsten Schlangen gewann überraschend Silber über 1500 Meter. In 3:43,52 Minuten lief der deutsche Meister am Freitagabend auf Platz zwei hinter dem Spanier Arturo Casado. Der holte in 3:42,74 Minuten den ersten Titel für die Gastgeber. Bronze ging ebenfalls an Spanien: Manuel Olmedo landete in 3:43,54 Minuten auf Rang drei.
Im Weitsprung musste Christian Reif lange zittern, ehe er mit dem letzten Versuch doch noch das Finale erreichte: Mit einem Satz auf 8,27 Meter stellte er seine europäische Jahresbestmarke ein. Zuvor war er bei lediglich 7,79 Metern gelandet und stand vor dem Aus.
Packendes Finish von Shooting-Star Lemaitre
Bereits seine zweite Goldmedaille in Barcelona gewann Christophe Lemaitre: Der Franzose triumphierte in 20,37 Sekunden über 200 Meter. Nach seinem Erfolg über 100 Meter ist ihm damit als achtem Athleten der EM-Geschichte das Double über die beiden Sprint-Distanzen gelungen.
Seinen Triumph hatte der 20-Jährige einem starken Finish zu verdanken. Nach einer schwachen Leistung in der Kurve lag er auf der Zielgeraden noch lange zurück. Erst im letzten Moment zog Lemaitre am Briten Christian Malcom (20,38 Sekunden) vorbei. Bronze ging an den Franzosen Martial Mbandjock (20,42). Der Deutsche Sebastian Ernst war im Halbfinale ausgeschieden, sein Landsmann Daniel Schnelting bereits im Vorlauf. Lemaitre, der als Shooting-Star der Leichtathletik gilt, könnte am Sonntag mit Frankreichs 4x100-Meter-Staffel seine dritte Goldmedaille gewinnen.
Die Goldmedaille über 110 Meter Hürden sicherte sich der Brite Andy Turner in 13,28 Sekunden. Silber gewann der Franzose Garfield Darien (13,34) vor Daniel Kiss aus Ungarn (13,39). Alexander John kam in 13,71 Sekunden als Achter und Letzter ins Ziel. Der deutsche Meister Martin Bühler war als Siebter des zweiten Halbfinallaufs gescheitert. Über 400 Meter bejubelten Russlands Frauen einen Dreifachsieg: Tatjana Firowa gewann in 49,89 Sekunden vor Ksenija Ustalowa (49,92) und Antonia Kriwoschapka (50,10) die Goldmedaille.
Über 3000 Meter Hindernis triumphierte die Russin Julia Zarudnewa. In 9:17,57 Minuten gewann sie Gold vor der spanischen Favoritin Marta Dominguez (9:17,74) und der Russin Ljubow Charlamowa (9:29,82).
Der Belgier Kevin Borlee wurde Europameister über 400 Meter. In 45,08 Sekunden siegte er vor den beiden zeitgleichen Briten Michael Bingham und Martyn Rooney (jeweils 45,23 Sekunden). Ein deutscher Läufer war zu diesem Wettbewerb nicht angetreten.
Die Russin Natalja Antjuch gewann das Finale über 400 Meter Hürden. Sie setzte sich in europäischer Jahresbestzeit von 52,92 Sekunden durch. Auf Platz zwei lief die Bulgarin Vania Stambolova (53,82), Dritte wurde die Britin Perri Shakes-Drayton (54,18). Die deutsche Meisterin Fabienne Kohlmann war im Halbfinale ausgeschieden.
Über 800 Meter der Frauen triumphierte Marija Sawinowa aus Russland. Mit einer Zeit von 1:58,22 Minuten siegte sie vor der Niederländerin Yvonne Hak (1:58,85 Minuten) und Jennifer Meadows aus Großbritannien (1:59,39).
hut/sid/dpa
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