Hamburg - Beim erneuten EM-Triumph von Norwegens Speerwurf-König Andreas Thorkildsen hat der Deutsche Matthias de Zordo überraschend die Silbermedaille gewonnen. Während Olympiasieger und Weltmeister Thorkildsen mit 88,37 Metern in Barcelona seinen dritten großen Titel in Folge feierte, holte der deutsche Meister mit persönlicher Bestleistung von 87,81 Metern sein erstes Edelmetall bei einem internationalen Großereignis. Bronze ging an den Finnen Tero Pitkämäki (86,67).
"Ich brauch' noch ein paar Tage, um das zu fassen. Ich weiß gar nicht, was ich sagen soll", sagte de Zordo. "Ich bin heute Morgen aufgestanden, die Beine waren schwer und ich dachte: es geht gar nichts. Aber es war super zu werfen." Fassungslos war auch Bundestrainer Boris Henry: "Einen EM-Wettkampf auf so hohem Niveau habe ich noch nie erlebt."
Bronze im Kugelstoßen gab es für Ralf Bartels - und zwar auf den letzten Drücker. Vor seinem abschließenden Versuch lag der 32-Jährige noch auf Platz vier. Doch dann stieß er die Kugel auf 20,93 Meter und katapultierte sich noch auf den dritten Rang. Am Ende musste er nur Andrei Miknewitsch aus Weißrussland (21,01) und Olympiasieger Tomasz Majewski aus Polen (21,00) den Vortritt lassen. David Storl erreichte mit 20,57 Metern den fünften Rang.
"Ich kann mich im entscheidenden Augenblick gut pushen. Mein Ziel war eine Medaille und es hat wieder geklappt. Und ich habe es wieder mit dem letzten Versucht geschafft", sagte Titelverteidiger Bartels.
Bronze auch für Nytra und Oeser
Ebenfalls Bronze gewann Carolin Nytra über 100 Meter Hürden - dabei war sie als Goldhoffnung gestartet. Doch trotz der 12,68 Sekunden, der zweitbesten Zeit ihrer Karriere, blieb der 25-Jährigen nur Platz drei. Gold ging überraschend an die Türkin Nevin Yanit (12,63), Silber gewann die frühere Hallen-Weltmeisterin Derval O'Rourke aus Irland (12,65). Nadine Hildebrand belegte mit 13,08 Sekunden den letzten Platz.
"Wenn man als Europas Jahresbeste hierher kommt und beim Aufwärmen super Starts macht wie lange nicht mehr, durfte man mehr erwarten. Aber das Ziel war eine Medaille, daher bin ich mit Bronze zufrieden", sagte Nytra.
Im Siebenkampf hat Jennifer Oeser ein Jahr nach ihrem Silber-Coup bei der WM in Berlin nun EM-Bronze gewonnen. Mit 6683 Punkten stellte die 26-Jährige eine persönliche Bestleistung auf. Gold ging wie erwartet an Weltmeisterin Jessica Ennis aus Großbritannien (6823), Silber holte sich Olympiasiegerin Natalja Dobrynska aus der Ukraine (6778).
"Das ist Wahnsinn, auch die Punktzahl. Für mich es eine Genugtuung, mein WM-Silber bestätigt zu haben. Nun bin ich motiviert für die nächsten Jahre", sagte Oeser. Als weitere Deutsche kamen Maren Schwerdtner mit 6167 Punkten auf den neunten und Claudia Rath mit 6107 Zählern auf den elften Rang.
Deutsche Stabhochspringer erstmals seit 16 Jahren ohne Medaille
Im Gegensatz zu Bartels, Nytra und Oeser haben die deutschen Stabhochspringer die ersehnte Medaille verpasst. Fabian Schulze überquerte lediglich 5,70 Meter und landete auf dem sechsten Platz. Raphael Holzdeppe kam nicht über 5,60 Meter hinaus und wurde Neunter. Damit fliegen die deutschen Stabhochspringer erstmals seit 16 Jahren ohne eine EM-Medaille nach Hause. Es siegte der Franzose Renaud Lavillenie mit 5,85 Metern vor Maxym Masuryk aus der Ukraine (5,80) und dem Polen Przemyslaw Czerwinski (5,75). Hallen-Vizeweltmeister Malte Mohr war am Donnerstag bereits in der Qualifikation gescheitert.
Medaillenchancen haben die Akteure des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV) auch am Sonntag, dem Abschlusstag der EM. Diskuswerfer Robert Harting gehört ebenso zu den Favoriten wie Hochspringerin Ariane Friedrich. Auch beide deutschen 4x400-Meter-Staffeln und die 4x100-Meter-Staffel der Männer stehen in ihren jeweiligen Finalläufen. Dagegen schied die 4x100-Meter-Staffel der Frauen nach einem bösen Missgeschick aus: Beim letzten Wechsel von Anne Möllinger auf Europameisterin Verena Sailer verloren die beiden den Staffelstab.
Fünf Entscheidungen ohne deutsche Medaille
Der in Somalia geborene Brite Mohammed Farah hat nach den 10.000 Metern auch den Wettbewerb über die 5000 Meter gewonnen. Farah verwies in 13:31,18 Minuten den spanischen Titelverteidiger Jesus Espana (13:33,12) und Hayle Ibrahimow aus Aserbaidschan (13:34,15) auf die nächsten Plätze. Der deutsche Meister Arne Gabius wurde in 13:59,11 Minuten Zwölfter.
Über 800 Meter der Männer sicherte sich Marcin Lewandowski aus Polen den EM-Titel. Er gewann in 1:47,07 Sekunden vor Michael Rimmer aus Großbritannien (1:47,17). Auch die Bronzemedaille ging nach Polen: Adam Kszczot lief in 1:47,22 Minuten über die Ziellinie.
Im Finale über 200 Meter der Frauen setzte sich die Französin Myriam Soumare durch. Die 23-Jährige gewann in 22,32 Sekunden vor Jelisaweta Bryschina aus der Ukraine (22,44). Zu Bronze sprintete die mit Bryschina zeitgleiche Russin Alexandra Fedoriwa.
Bei der Männern setzte sich Favorit David Greene über 400 Meter Hürden durch. Der Brite gewann in 48,12 Sekunden vor seinem Landsmann Rhys Williams (48,96). Die Bronzemedaille ging an Stanislaw Melnykow aus der Ukraine (49,09).
Im Dreisprung der Frauen gewann Olha Saladuha aus der Ukraine mit 14,81 Metern die Goldmedaille. Silber ging an die Italienerin Simona La Mantia (14,56), Bronze sicherte sich Svetlana Bolshakova aus Belgien (14,55).
ham/sid/dpa
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Das könnte man noch weitertreiben, denn welchen Sinn macht die allseits gehypte "Länderwertung" bei solchen Wettkämpfen, wenn beispielsweise irgendwelche Beute-Afrikaner für Spanien starten und ihre Beziehung zum Land [...] mehr...
insgesamt ist der auftritt der deutschen leichtathleten sehr erfreulich; natürlich gab es auch enttäuschungen (100m Staffel Frauen) aber ...shit happens... mir fällt es jedoch immer schwer, da von einer [...] mehr...
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