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02.08.2010
 

EM-Bilanz von Barcelona

Leichtathleten lieben den Löw-Effekt

Von Peter Ahrens

Leichtathletik-EM: Medaillenregen für deutsche Athleten
Fotos
REUTERS

Junge Athleten drängen nach vorn, die Medaillenausbeute ist so gut wie lange nicht mehr: Die deutsche Leichtathletik hat bei der EM in Barcelona viel für ihr Image getan. Wie im Fußball hat die Republik plötzlich neue Stars - ein Vorgeschmack auf die Olympischen Spiele 2012?

Dieser Sport-Sommer bringt viele neue Gesichter hervor. In Südafrika waren es Joachim Löws Jungspunde Thomas Müller und Mesut Özil, die sich ihren Platz im kollektiven deutschen Fußballgedächtnis erspielt haben. Eine Art Löw-Effekt - und die Fortsetzung schreiben nun einige Leichtathleten.

Vor der EM in Barcelona waren Matthias de Zordo, Linda Stahl oder Christian Reif den Branchenkennern ein Begriff - jetzt kennen Millionen sie. Die deutsche Leichtathletik darf man wieder lieb haben.

16 Medaillen bei einer Europameisterschaft, das gab es zuletzt vor eigenem Publikum in München 2002. Und der Erfolg von Barcelona ist im Vergleich dazu deutlich höher einzuschätzen. In München zählten noch Ingo Schultz, Dieter Baumann, Sabine Braun und Grit Breuer zu den Medaillengewinnern - verdiente Athleten auf den Zielgeraden ihrer Karrieren. Jetzt dagegen hat der Deutsche Leichtathletikverband Siegertypen, die erst am Beginn ihrer Laufbahn stehen oder in den besten Jahren sind.

Für Speerwerfer de Zordo war es der erste große internationale Wettkampf, den er dann gleich mit persönlicher Bestleistung und einer Silbermedaille beendete. Weitspringer Christian Reif, der mit seinem 8,47-Meter-Sprung vom Sonntag die einzige Männer-Goldmedaille für den DLV holte, war zwar 2007 schon einmal Deutscher Meister, ist aber in diesem Jahr aus dem Leistungsloch herausgesprungen wie Kai aus der Kiste.

DDR-Erbe Doping war diesmal kein Thema

100-Meter-Siegerin Verena Sailer, Hammerwurf-Gewinnerin Betty Heidler, Hürdensprinterin Carolin Nytra, die trotz Bronze nicht ganz zufrieden war - allesamt Athletinnen, die ihren Leistungshöhepunkt möglicherweise noch vor sich haben. Bei den Welttitelkämpfen im südkoreanischen Daegu 2011 und den Olympischen Spielen 2012 in London wollen sie noch einmal zulegen.

Das ist drin. Das Durchschnittsalter der deutschen Mannschaft in Barcelona betrug 25,9 Jahre.

"Ich glaube an diese Mannschaft, sie hat eine tolle Perspektive für die Olympischen Spiele", sagt auch DLV-Präsident Clemens Prokop. Er hat es geschafft, Ruhe in einen traditionell störungsanfälligen Verband zu bringen. Einen Verband, der nach der Wende von den Erfolgen und der Methodik des DDR-Sports zu profitieren schien, aber die damit geerbten Probleme über Jahre ungelöst herumschleppte. Die Frage, wie es die übernommenen DDR-Trainer mit dem Dopingthema halten, ist immer noch nicht zur Gänze beantwortet.

Prokop hat mit geschickter Moderation dazu beigetragen, dass dieses Reizthema in Barcelona zumindest keine Rolle spielte. Wobei sportliche Erfolge auch ihren Teil dazu tun, kritische Nachfragen in den Hintergrund zu drängen.

Europa ist in der Leichtathletik nicht das Maß aller Dinge - das darf bei allem Jubel nicht vergessen werden. Wenn es bei Olympia und WM darum geht, sich mit den USA, den Afrikanern, den schnellen Leuten aus Jamaika zu messen, dann relativiert sich manche Leistung, die in Europa noch fürs Siegerpodest reicht. Da wird das Erreichen eines Halbfinales plötzlich wieder zum persönlichen Erfolg.

Medaillenspiegel sagt wenig aus

Aber Sportler wie Diskuswerfer Robert Harting - er ist bei all seiner Erfahrung und seinen Erfolgen erst 25 - Hochspringerin Ariane Friedrich, de Zordo oder Heidler gehören mit ihren Vorstellungen von Barcelona mittlerweile anerkannt zur Weltspitze.

Im Medaillenspiegel ist das deutsche Team im Vergleich zur Europameisterschaft vor vier Jahren in Göteborg skurrilerweise um zwei Plätze von Rang zwei auf vier abgerutscht. Was allerdings mehr über die Sinnhaftigkeit von Medaillenspiegeln aussagt als über das Leistungsvermögen der Mannschaft. Und darüber, dass zwei frühere Leichtathletiknationen so etwas wie eine Wiedergeburt gefeiert haben. Hinter den Russen, die ohnehin bei so gut wie jeder EM auf Platz eins der Endabrechnung stehen, haben sich Frankreich und Großbritannien zurückgemeldet.

Die Franzosen freuen sich nach dem WM-Desaster der Fußballer darüber, dass sie mit Sprint-Star Christoph Lemaitre wieder über einen Sportler verfügen, den man uneingeschränkt herzeigen kann. Und die Briten starten ihre Operation 2012: Bei den Spielen im eigenen Land wollen sie eine Mannschaft präsentieren, die an die Zeiten der Leichtathletiklegenden Sebastian Coe, Steve Cram und Daley Thompson anknüpft. So weit ist man zwar noch nicht, aber mit 19 EM-Medaillen, der überragenden Siebenkämpferin Jessica Ennis und dem Langstrecken-Doppeleuropameister Mo Farah hat Großbritannien gute Aussichten.

Prokop sagt: "Wir sind zwei Jahre vor London schon weiter, als wir 2008 im Olympiajahr von Peking waren." Das sollte der DLV aber auch sein. Die Erfolgsbilanz der Olympischen Spiele von 2008 für den Verband lautete: eine Bronzemedaille.

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insgesamt 9 Beiträge zum Forum...
Die neuesten Beiträge:
03.08.2010 von kagemusha: "Wie im Fußball hat die Republik plötzlich neue Stars"

Schön wär's, aber verglichen mit den verhätschelten Millionenkickern bleiben sie doch einem breiten Publikum weitgehend unbekannt. Das liegt auch an der sehr unadäquaten Medienpräsenz, die ausführlichen Übertragungen von WMs [...] mehr...

02.08.2010 von wolfman11: Schon klar

Na, das ist mir auch klar. Und wenn man dann bei einem Wettbewerb die Erwartungen nicht erfüllt, wird man sofort niedergemacht. Aber das muß mir ja nicht gefallen. mehr...

02.08.2010 von proudwings: Tendenziell

Ist mir auch aufgefallen. Bei Dwayne Chambers meinte man im ZDF, wenn jemand seine Strafe abgesessen hat, habe er gebüßt und solle ohne Pfiffe und Vorurteile wieder in die LA-Gemeinschaft aufgenommen werden. Bei der [...] mehr...

02.08.2010 von CashFlöhchen: bitte auf dem Boden bleiben !

Zwischen der Begeisterung für den Fussball und der für die Leichathletik liegen ja wohl Lichtjahre. Das beweisen die TV-Quoten und der Besucher-"Andrang" im Stadion. Nur zum Wochenende war eine kleine Steigerung [...] mehr...

02.08.2010 von iosono3: @wolfman11

entschuldigen sie bitte,aber wenn man heute einen kinderwettbewerb gewinnt (ähnlich mini-playbackshow oder so...) dann ist man in deutschland automatisch ein superstar. (deutschland sucht bald wieder welche obwohl wir schon so [...] mehr...

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