Von Peter Ahrens
Mettmann ist eine Kreisstadt ohne große Sehenswürdigkeiten, 39.000 Einwohner, der "Weltspiegel" ist eines der ältesten Kinos in Deutschland, nebenan liegt das Neandertal. Bisher war Schlagersängerin Kristina Bach die bekannteste Person aus Mettmann, aber diesen Rang ist sie spätestens seit dem Sonntag los geworden. Der neue Mettmann-Held ist 25 Jahre alt, heißt Martin Kaymer und hat es als erster Deutscher seit 17 Jahren geschafft, eines der vier wichtigen Major-Golf-Turniere zu gewinnen: die US-PGA-Championship in Kohler im US-Bundesstaat Wisconsin am Michigan-See. Mettmann hat einen Weltstar des Sports.
Ein Major-Turnier im Golf für sich zu entscheiden - das ist wie ein Grand-Slam-Sieg im Tennis. Bernhard Langer, immer noch das definitive Gesicht des deutschen Golfsports, ist das zweimal mit den US Masters gelungen, zuletzt 1993. Langer ist mit seinen 53 Jahren immer noch aktiv, er spielt in diesem Jahr sogar wieder auf relativ hohem Niveau, aber die Wachablösung im Golf hat längst stattgefunden. Kaymer hat zu Saisonbeginn im April in einem Interview mit der "Welt" gesagt: "Ich will in diesem Jahr ein Major-Turnier gewinnen" - und bisher ist alles eingetroffen, was sich der junge Mann in seiner Karriere vorgenommen hat.
Mit den 1,05 Millionen Euro Preisgeld, die er für den Sieg in Kohler einstreicht, hat der Deutsche nun fast die Zehn-Millionen-Euro-Grenze als Einspielergebnis in seiner Laufbahn erreicht. Kaymer gehört damit zu den Großverdienern im Sport, er hat ein schickes Eigenheim in Scottsdale in Arizona, er ist in eine Liga vorgestoßen, in der sonst nur Basketballer Dirk Nowitzki oder Rennfahrer Sebastian Vettel residieren - und trotzdem ist er in Deutschland noch ein mehr oder weniger Unbekannter. Wenn er in Düsseldorf oder München durch die Innenstadt schlendert, gibt es fast niemanden, der ihn erkennt. Das könnte sich ändern.
Leitfigur für 600.000 Golfer
In Deutschland spielen knapp 600.000 Menschen Golf, das ist längst kein Nischensport für die Reichen mehr, aber seit Langer hat ein Leitstern gefehlt, einer für die Öffentlichkeit. Kaymer galt spätestens seit 2006 zu den größten deutschen Hoffnungen im Sport. Damals spielte er auf dem Platz im bayerischen Habsberg eine 59er-Runde. Das kommt im Golf ungefähr so oft vor wie eine blaue Mauritius auf einem Briefumschlag. Danach ging es aufwärts, zwar Schritt für Schritt, aber jeder Schritt war riesig. Dass einer innerhalb von vier Jahren von der Regionalklasse bis in die Weltspitze ganz nach oben kommt, mittlerweile bis unter die Top Five der Weltrangliste, das hat es lange nicht gegeben.
Kaymer selbst sagte nach seinem Sieg in Kohler: "Es wird wohl eine Weile brauchen, bis ich begreife, was hier passiert ist." Der junge Mann hat alles dafür getan, er hat im Winter bei Minustemperaturen stundenlang auf dem Platz gestanden und Abschläge geübt, danach ging es noch für zwei Stunden in den Fitnessraum - Kaymer wusste zwar immer um sein Talent. Aber er wusste auch, dass er es nur mit dem entsprechenden Fleiß ganz weit bringen kann.
"Talent haben viele in Deutschland. Nur machen sie oftmals nichts daraus", hat der Golfprofi der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" einmal gesagt - genau das sollte ihm nie passieren. Es mag möglicherweise im deutschen Golf Spieler geben, die ähnlich begabt sind wie Kaymer. Aber keinen, der so akribisch an seinen Stärken feilt und an seinen Schwächen arbeitet. Kaymer hat sich seinen Erfolg auch und vor allem erschuftet.
Als Fußballtalent angefangen
Mit 25 Jahren schon fast auf dem Gipfel - wenn man bedenkt, dass ein Golfer auch mit 50 noch Top-Leistungen bringen kann, steht Kaymer eine märchenhaft lange und erfolgreiche Karriere bevor. Eine Karriere, die beinahe gar nicht beim Golf, sondern auf einem ganz anderen Grün gelandet wäre, beim Fußball.
Kaymer war mit zwölf Jahren ein vielversprechender Stürmer: In einer Saison hat er einmal 54 Tore in 20 Spielen gemacht, später stand er in der Niederrheinauswahl und spielte in der C-Jugend von Fortuna Düsseldorf. Aber irgendwann reichte es ihm, für den Erfolg immer auf andere angewiesen zu sein. "Im Golf muss ich nicht alles mit meinen Mitspielern und dem Trainer diskutieren, da redet mir keiner rein", hat er später gesagt.
Mit dem Sieg in Kohler hat Kaymer auch die Qualifikation für den Ryder Cup im Oktober sicher - der Höhepunkt der Saison, einer Saison, die ihm schon beste Platzierungen bei den British Open und den US Open eingebracht hatte. Wenn dann wieder die Weltbesten ihrer Zunft aus Europa und den USA gegeneinander antreten, ist Martin Kaymer, der Junge aus Mettmann, wie selbstverständlich mit dabei.
2008 in Dubai hat der Deutsche es noch als Ehre angesehen, dass der große Tiger Woods einmal 20 Minuten in der Players Lounge mit ihm geredet hatte. Woods war bei dem PGA-Turnier in Wisconsin auch am Start. Er landete auf Platz 28.
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Lokalpatriotismus hurra. Ich schätze, über 33% aller in Deutschland lebenden Personen wissen nicht, wo Mettmann liegt. mehr...
Ha, der Neandertaler hat doch die Fahne bedient, aber Spass beiseite. Was für ein geiles Turnier, was für ein toller Golfspieler. Unter dem Druck auf diesem Monster von Platz. Eine Coolness ohne gleichen...den Ball aus dem [...] mehr...
Ich fand das auch wahnsinnig spannend. Genauso gut wie die deutschen Spiele bei der Fußball WM. Es wäre wirklich toll, wenn der Ryder Cup unverschlüsselt im Deutschen Fernsehen gezeigt werden würde. Das kommt dann auch zu einer [...] mehr...
Sehr schön, dass Golf auch einen würdigen deutschen Vertreter in Martin Kaymer gefunden hat. mehr...
Ist ja ekelhaft, also wirklich ! Ich habe Sie ebenfalls nicht gesehen, und auch keinen Neanderthaler - was nun schließen wir DARAUS ? Sie haben mich eben einfach nicht erkannt, weil Sie mich nicht kennen - während ich [...] mehr...
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