Von Johannes Korge
Der Hochsommer quält jeden Basketball-Fan. Die NBA-Finals sind lange vorbei, auch die Draft kam und ging zügig. Wenn die Liga im August den Spielplan für die kommende Saison herausgibt, hat es der Anhänger nordamerikanischen Profibasketballs schwarz auf weiß: Bis zum Auftakt in die neue Spielzeit dauert es noch eine halbe Ewigkeit. Erst ab dem 26. Oktober rollt in diesem Jahr wieder der Ball in der NBA.
Bei so viel Wartezeit hilft nur eins: Nachhilfe in Basketball-Geschichte. Wer ist noch mal Elgin Baylor? Wer gewann den ersten Slam-Dunk-Contest? Gegen wen machte Michael Jordan die meisten Punkte? Die NBA feiert im kommenden Jahr ihren 65. Geburtstag, entsprechend voll sind die Archive. Ein Segen, dass die moderne Technik jede Hausaufgabe zum Vergnügen macht.
Mussten früher verschrammte VHS-Kassetten herhalten - für ein Vermögen aus den USA importiert oder mittels zweier Videorecorder mehr schlecht als recht kopiert - liefern die einschlägigen Online-Versandhändler die DVD-Sets heute bequem in den heimischen Briefkasten. Der Markt für Basketball-DVDs wächst, beinahe jedes Spiel lässt sich mittlerweile als Silberling bestellen.
Das Kronjuwel in dieser kaum noch überschaubaren Kollektion beschäftigt sich mit dem wohl besten Spieler der Neuzeit. Unbescheiden "Ultimate Jordan" betitelt, beleuchtet das Box-Set auf sechs DVDs das Wirken von Chicago-Bulls-Legende Michael Jordan auf und abseits des Platzes. Schon die Laufzeitangabe auf dem Cover verspricht ein wahres Epos. 960 Minuten Gesamtdauer setzen Durchhaltevermögen voraus.
Fünf Dokumentationen über "His Airness" haben die Macher zusammengetragen, alle aus den achtziger und neunziger Jahren. Entsprechend antiquiert wirken viele Grafiken, teils bedächtig die Schnitte, schon fast grotesk manche musikalische Untermalung. Doch was letztlich geboten wird, beeindruckt auch 26 Jahre nach Jordans Debüt im Bulls-Trikot.
Fünf legendäre Spiele in voller Länge
"Come Fly with Me" aus dem Jahr 1989 zeichnet Jordans Werdegang vom Highschool-Spieler zum NBA-Profi nach. Noch vor seinem ersten Titel mit den Bulls (1991) abgedreht, kommen Schulkameraden, Trainer und Familie zu Wort. Chronologisch dokumentieren "Michael Jordans Playground", "Air Time", "Above and Beyond" und schließlich "His Airness" den Weg des Superstars über sechs Meisterschaften, Karriereende und Comeback bis hin zum endgültigen Abschied von den Bulls 1998. Die Highlights sind so unterhaltsam wie kritikfrei aufbereitet, eine sechste DVD liefert reichlich Bonusmaterial, von den besten Werbeclips über die Slam-Dunk-Duelle mit Atlantas Dominique Wilkins bis zum Blick hinter die Kulissen der Dreharbeiten.
Ein letztes und wohl entscheidendes Kaufargument liefern jedoch fünf legendäre Partien, die als Meilensteine in Jordans Karriere gelten. In voller Länge lässt sich etwa das Spiel gegen Boston aus den Playoffs 1986 verfolgen. Der damals 23-Jährige hatte fast die komplette Saison mit gebrochenem Fuß verpasst, kurz nach seinem Comeback schenkte er den Celtics 63 Punkte ein. Auch Jordans letzte Partie im Bulls-Jersey gegen Utah fehlt nicht. MJ-Enthusiasten finden in diesem Box-Set ein ansprechend aufbereitetes Bündel bekannter Highlights, Nachwuchs-Fans erhalten die nötige(n) Nachhilfestunde(n).
Dunk-Contest-Sieg des 1,68-Meter-Mannes Spud Webb
"Nur" zwei Dokumentationen umfasst "Superslams in der NBA 1+2". Was der Titel verspricht, hält die DVD: Die hohe Kunst des Dunkings wird hier in allen Varianten gefeiert. Teil 1 liefert einen unterhaltsamen Überblick über die Entstehung der wohl spektakulärsten Aktion im Basketball. In den ersten Jahren der Profiliga noch als Angeberei verpönt, machten Julius Erving und die Showliga ABA den Dunk zum elementaren Teil ihres Repertoires. Dass "Dr. J" Erving den zweiten Teil gleich selbst moderiert, scheint da nur angemessen.
Einige Szenen überschneiden sich zwar mit dem ersten Teil, legendäre Auftritte wie der Sieg von 1,68-Meter-Mann Spud Webb beim Dunk-Contest 1986 verlieren aber auch in der Wiederholung kaum an Faszination. Auch dass Spieler wie Shawn Kemp oder Chris Webber, heute längst in Rente, als "Nachwuchsstars" gepriesen werden, trägt eher zum nostalgischen Charme bei, als dass es das Filmvergnügen trübt.
"NBA Bloopers Volume 1" schließlich widmet sich der leichten Seite des harten NBA-Alltags. US-Schauspieler Michael Rapaport moderiert die Clipsammlung bemerkenswert hölzern von seinem Hinterhof aus. Zu bewundern sind Missgeschicke der sonst so souveränen Basketball-Helden, Pässe zum Schiedsrichter und verunglückte Dunkings. Dazu blicken die Produzenten hinter die Kulissen des All-Star-Wochenendes, fangen die lockeren Sprüche in der Kabine ein und dokumentieren die Härten im Leben eines Liga-Neulings. An die Qualität der Jordan-Sammlung oder der Dunk-DVD reicht "Bloopers" nicht heran, als lockere Unterhaltung taugen die rund 90 Minuten Peinlichkeiten aber allemal.
Und falls nach so vielen Highlights noch immer jemand sehnsüchtig auf den Oktober wartet: Die Basketball-Weltmeisterschaft in der Türkei läuft vom 28. August bis zum 12. September.
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