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28.08.2010
 

Handballprofi Bielecki

Halbe Sehkraft, voller Einsatz

Von Rafael Buschmann

Handball-Profi Bielecki: Neuanfang mit Brille
Fotos
DPA

Karol Bielecki ist auf einem Auge blind und spielt trotzdem professionell Handball bei den Rhein-Neckar-Löwen. Nach einer schweren Verletzung musste der Pole alles neu lernen: Fangen, Werfen, die Orientierung auf dem Feld - aber Aufgeben war für ihn nie eine Option.

Karol Bielecki nimmt seine Brille ab. Er ist der einzige auf dem Spielfeld, der eine trägt. Er fährt sich ganz vorsichtig mit dem linken Handrücken über die linke Augenbraue, berührt das knapp darunter liegende Auge nicht. Das Auge ist gerötet und halb verschlossen. Bielecki ist blind. Als diese Diagnose gestellt wurde, setzten zahlreiche Handball-Kenner das mit dem Karriere-Ende des Polen gleich. Bielecki nicht. Sechs Wochen lang quälte er sich durch zwei Operationen mit anschließender mühsamer Reha. "Ich musste fast alles neu lernen", sagt der Nationalspieler.

Und dauernd Fragen beantworten. "Immer wieder die gleiche", erinnert sich Bielecki: "Schaffen Sie es, Ihre alte Form zurückzuerlangen?" Er wolle sogar noch besser werden als zuvor, antwortete er. Doch die Fragen hörten nicht auf. Deshalb beschloss er, erst mal nicht mehr zu reden und die Sprache vergangener, gesunder Tage zu benutzen: Die Sprache seiner wuchtigen Tore.

Denn Bielecki merkte in den zurückliegenden Wochen eines: Nicht sein linkes Auge ist verantwortlich für die extrem harten Würfe, sondern sein gesamter Körper. "Die Präzision und Kraft seiner Würfe hat kein bisschen nachgelassen. Im Gegenteil: Ich habe das Gefühl, dass er noch genauer wirft, weil er sich noch mehr konzentriert", sagt Henning Fritz, ehemaliger Nationaltorwart und Mitspieler Bieleckis bei den Rhein-Neckar-Löwen. Es ist das Wort, das Bielecki in den Wochen nach dem Unfall durchweg begleitete: Konzentration. "Wenn sich das Sehfeld verkleinert, ist es notwendig, noch stärker zu fokussieren, gedanklich mögliche Abläufe schon vor deren Eintreten zu durchlaufen", sagt Bieleckis Heidelberger Augenarzt Thomas Katlun.

Fangen, Passen, Werfen - alles wirkte unrhythmisch

Bei Bieleckis ersten Spielversuchen, sechs Wochen nach seiner Verletzung in einer folgenschweren Partie, zeigte der Rückraumlinke, wie sehr ihm die alten Automatismen fehlen. Fangen, Passen, Werfen - alles wirkte unrhythmisch. Im Spiel gegen einen Regionalligisten musste er bei jedem Pass seines Linksaußen seinen gesamten Oberkörper nach links drehen. Üblicherweise nehmen Rückraumspieler solche Pässe aus dem Augenwinkel wahr, inspizieren mit dem restlichen Sichtfeld die Abwehrspieler, suchen nach einer Lücke in der gegnerischen Deckung. "Am Anfang habe ich mit einfachen Dingen viel Zeit verloren", sagt Bielecki. Zeit, die es in einer solch dynamischen Sportart wie Handball nicht gibt.

Bielecki versucht diesem Problem beizukommen. Er arbeitet gemeinsam mit Mannschaftsarzt Andreas Klonz an seiner Wahrnehmungsfähigkeit. Mit Tennis- und Softbällen wird das Fangen geübt, mit dem Abzählen von Schritten die Distanz, die der Rückraumspieler in der Abwehr zurücklegen muss. Denn nicht nur im Angriff werden die Qualitäten des 2,02 Meter großen Polen geschätzt, er ist in der Deckung ebenfalls einer von zwei zentralen Mittelblockern. "Wir passen unser Spiel den Gegebenheiten an. In der Abwehr muss der Mann neben Bielecki noch mehr Kommandos geben und im Angriff bringen wir Karol bei, einen anderen Anlaufwinkel zum Tor zu entwickeln", sagt Löwen-Trainer Ola Lindgren.

Das erblindete Auge muss möglicherweise entfernt werden

Die Umstellungen scheinen zu fruchten. Bielecki zeigte in der Vorbereitung, dass er gegen internationale Top-Teams mithalten kann. Beim Testspiel gegen den rumänischen Meister HCM Constanta erzielte er vier Tore, bei der Finalniederlage eines Sponsorenturniers gegen den HSV Hamburg traf er sogar sechsmal. Dazwischen gab es allerdings auch schwächere Spiele.

"Karol hat auch früher mal schwankende Leistungen gezeigt, das bewerten wir nicht über. Er ist auf dem richtigen Weg", sagt Löwen-Manager Thorsten Storm. Dieser stattete Bielecki zehn Tage vor dessen schwerer Verletzung mit einem hochdotierten Vertrag bis zum Jahr 2015 aus. "Ich habe nie darüber nachgedacht, dass die Vertragsverlängerung ein Fehler gewesen sein könnte", sagt Storm. Stattdessen versucht er seinem Angestellten noch intensiver zu unterstützen. Angesichts der Fortschritte verzichten die Löwen auf eine Verpflichtung eines weiteren Rückraumwerfers. Somit ist der Pole im Kader der Mannheimer weiterhin der einzige gelernte Spieler auf der halblinken Rückraumposition.

Nicht unproblematisch, denn bei Bielecki gibt es noch immer die Gefahr einer Immunreaktion. In diesem Fall würde sich die Entzündung des blinden Auges auf das gesunde übertragen. Der 28-Jährige versucht dem vorzubeugen, stellte seine Ernährung größtenteils um - womöglich muss das erblindete Auge trotzdem vollständig entfernt werden. "Wir hoffen natürlich, dass wir dies bis zum Saisonende hinauszögern können", sagt Storm. Bislang gibt es keine Anzeichen für eine Ausbreitung der Entzündung.

Beim Saisonauftakt gegen HBW Balingen-Weilstetten hingegen wird Bielecki andere Probleme haben. Der Druck auf ihn wird riesig sein, die Zuschauer werden jede seiner Bewegungen besonders sorgfältig beobachten. Er wird beweisen müssen, dass er trotz dieser Verletzung auf Weltniveau mithalten kann. Dass er kein Mitleid braucht. Dabei wird er sicherlich auch die Geschichte seines neuen Mitspielers Ivan Cupic im Kopf haben. Der Kroate blieb vor den Olympischen Spielen 2008 mit dem Ringfinger seiner linken Wurfhand in einem Drahtzaun hängen und verlor zwei Drittel des Fingers. Viele Insider prognostizierten das Karriere-Ende.

Cupic wurde 2009 ins All-Star-Team der Weltmeisterschaft gewählt und zählt aktuell zu den besten Rechtsaußen der Welt.

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28.08.2010 von Hennes: Wilfried Hannes

Wilfried Hannes war Fußballprofi und Nationalspieler. Er hatte ein Glasauge. Im Interview mit den "11 Freunden" sagte er zu seinem Handicap: "... *Wegen eines Tumors wurde Ihnen schon in früher Kindheit ein Auge [...] mehr...

28.08.2010 von titeroy: Halbe Sehkraft?????

Rafael Buschmann hat keine Ahnung, wenn er so eine Ueberschrift schreibt. Mit nur einem Auge fehlt eben nicht nur die Haelfte, sondern das gesamte raeumliche Sehen. subjektiv duerften es vielleicht noch 25% sein. mehr...

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Der Pole Karol Bielecki, 28 Jahre alt, begann seine Handball-Karriere 1999 beim KS Vive Kielce. Mit dem Club wurde er 2003 polnischer Meister und Pokalsieger. 2004 wechselte er zum SC Magdeburg in die Bundesliga, 2007 ging er zu den Rhein-Neckar Löwen. Für die polnische Nationalmannschaft absolvierte er bislang 147 Partien. 2007 wurde er mit dem Team Vizeweltmeister, 2009 gewann er WM-Bronze. Im Juni 2010 verletzte sich Bielecki bei einem Test-Länderspiel gegen Kroatien schwer, verlor das linke Augenlicht.






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