Vorneweg möchte ich eines klarstellen: Auch wenn die folgenden Zeilen in Teilen politisch unkorrekt sind und als chauvinistisch ausgelegt werden können, sind sie bestimmt nicht frauenfeindlich gemeint. Okay? Gut, dann los:
Neulich ergab sich die sehr seltene, interplanetare Konstellation, dass nicht ich, sondern meine Frau einen Laufwettbewerb hatte. Nach langer verletzungsbedingter Abstinenz hieß es für sie: Schuhe einpacken und ab nach Köln zum "Women's Run". Ich fuhr natürlich mit, ich wollte mir die sportliche Wiedergeburt meiner Holden ja nicht entgehen lassen.
Schon in der Unterführung des Deutzer Bahnhofs wurde mir klar, was auf mich zukommen würde. Das Geschnatter der vor uns gehenden Teilnehmerinnen schwoll im Tunnel zu einem beängstigenden Stakkato an, so dass ich meinen MP3-Player schmerzlich vermisste. Nicht zum letzten Mal, wie sich später herausstellte.
Und was mir dann im Startbereich am Tanzbrunnen auf die Netzhaut prasselte, stellt jedes Techno-Trance-Video in den Schatten: Pink, die Welt war schlagartig Pink! Von den 5000 Teilnehmerinnen trugen 4990 das ausgegebene pinkfarbene T-Shirt mit der Aufschrift "Favoritin". Ich kam mir vor wie auf dem jährlichen Treffen der Duracell-Hasen. Fehlten nur noch die Trommel und der Püschel.
Fieberglas-Prügelstäbe sind die neuen "Cellulite-Killer"
Zahlreiche Sponsoren hatten ihre Verkaufsstände aufgebaut und ich wollte einkaufen, während meine Holde die Kilometer abhechelt. Aber auf männliche Kundschaft waren die Händler wohl nicht eingestellt: Es gab ausschließlich Frauensachen. Ein Stand pries einen Fieberglas-Prügelstab als "Cellulite-Killer" an, wobei eine von mir sofort durchgeführte repräsentative Umfrage unter den Teilnehmerinnen ergab, dass so was wie Cellulite hier gar nicht existierte. Außerdem: Sportschuhe für Frauen, Sportunterwäsche für Frauen, Sportsocken, klar, in Pink und nur für Frauen. Sogar am Bierwagen nix für Männer, kein Pils - nur Kölsch.
Die ganze Veranstaltung hätte locker wegen der Nichteinhaltung des allgemeinen Gleichbehandlungsgesetzes stillgelegt werden können. Sogar die Herrentoilette wurde mit großer Selbstverständlichkeit von Frauen benutzt. Und ein Schutzraum für Männer war auch nicht vorhanden.
Karnevalslieder und volle Windeln drücken aufs Gemüt
Der Starttermin rückte näher und die letzten Damen holten sich ihre Startunterlagen. Der Sprecher rief zur Aufstellung in den Startbereich und alle Teilnehmerinnen folgten ihm brav. Augenscheinlich genossen die Frauen dann das übliche Arme-hoch-Spiel und die La Ola und als der Einheizer dann auch noch Kölsche Karnevalslieder (wo war mein MP3-Player?!) auflegte, kochte der Kessel.
Dann durften die Starterinnen auf Kommando ihre Luftballons steigen lassen und ein Geschlechtsgenosse konstatierte: "Nun ist die Luft schon vor dem Start raus." Die Stimmung in der Fankurve war gut. Die Partner der Läuferinnen verschanzten sich hinter ihren Kameras und fotografierten das Sportereignis der Gattin. Die Anfeuerungsrufe schossen gelegentlich über das Ziel hinaus: "Schatz, schon müde? Nicht mehr weit, nur noch 4990 Meter", rief einer. Die Blicke, die er erntete, brachten auch die umstehenden Zuschauer zum Schweigen.
Bei einigen Fans offenbarte sich zudem Hilflosigkeit: Ein stolzer Vater hielt sein Kind auf dem Arm, war aber völlig überfordert, als ein beißender Geruch seinem Sprössling zugeordnet wurde und die Umstehenden ihn zum Wechseln der Windeln aufforderten.
Doch bei aller Kritik: Der Lauf war gut organisiert und der Veranstalter ging in bewundernswerter Weise auf die individuellen Bedürfnisse der Starterinnen ein. So hatte er nach 2,5 Kilometern einen Beauty-Stopp eingerichtet, an dem der Lidstrich nachgezogen, die Frisur korrigiert und der Durst mit linksdrehendem Mineralwasser gestillt werden konnte.
Überraschend war am Ende die Geschwindigkeit der Damen: Nach grob 18 Minuten war bereits die erste Läuferin auf der Zielgeraden zu sehen. Auch meine Frau erschien alsbald fliegenden Fußes in Zielnähe und beendete zufrieden ihren Lauf.
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