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30.08.2010
 

Verdacht im Handball

Staatsanwalt ermittelt gegen Dopingkontrolleure

Dopingproben: Wurden Kontrollbesuche geschwänzt?Zur Großansicht
Getty Images

Dopingproben: Wurden Kontrollbesuche geschwänzt?

Der Verdacht des Betrugs bei Dopingproben zieht Kreise: Die Staatsanwaltschaft hat Ermittlungen gegen zwei Mitarbeiter einer Mannheimer Firma aufgenommen. Sie sollen Kontrollen unterlassen, die Proben stattdessen in Heimarbeit erstellt und dann eingeschickt haben.

Hamburg - Wegen Urkundenfälschung und Betrugs bei Dopingproben ermittelt die Staatsanwaltschaft gegen zwei Mitarbeiter der Mannheimer Firma Serco. Sie sollen bei zwei Handball-Spielen beauftragte und abgerechnete Proben mit eigenem Urin gefüllt und abgegeben haben, sagte der Mannheimer Oberstaatsanwalt Jochen Seiler am Montag und bestätigte Berichte der ARD und des WDR. Dafür hätten die beiden Verdächtigen über die Firma jeweils 434 Euro abgerechnet. "Die Firma Serco und der Deutsche Handballbund haben am 27. Januar Strafanzeige gestellt", sagte Seiler. Die Firma war zunächst nicht für eine Stellungnahme zu erreichen.

Die beiden Mitarbeiter, ein 32-jähriger Mann und eine 34-jährige Frau, sollten im Auftrag des Deutschen Handballbundes (DHB) bei zwei Spielen Doping-Proben nehmen, sagte Seiler. Es geht um eine Begegnung in der 2. Bundesliga Süd am 12. Dezember 2009 zwischen TuS Metzingen und der HSG Bad Wildungen sowie um ein Frauen-Pokalspiel des FSV Mainz gegen DJK/MJC Trier am 9. Januar 2010. "Der Vorwurf lautet, dass die beiden nie zu den Spielen gefahren sind, und die Proben niemals abgenommen haben", sagte Seiler.

Auf der heimischen Toilette abgefüllt?

Stattdessen soll die Kontrolleurin selbst die Proben abgefüllt und an das Kölner Institut für Biochemie geschickt haben. Insgesamt acht Proben (vier pro Spiel) wurden vermutlich auf der heimischen Toilette gefüllt und anschließend als angebliche Doping-Proben deklariert. "DNA-Proben ergaben, dass ein und dieselbe Person die Proben abgegeben hat", sagte Seiler. Zudem hätten die Spielerinnen bestätigt, das niemand zur Kontrolle dagewesen sei. Die Frau soll außerdem die Unterschriften der Spielerinnen gefälscht haben.

Beide Verdächtigen haben sich bislang nicht zu den Vorwürfen geäußert. Noch stehe eine DNA-Probe der Frau aus, die in den nächsten Wochen zu erwarten sei, sagte Seiler. "Hier geht es um reinen Betrug, mit Doping hat das aber nichts zu tun", fügte er hinzu.

Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) hat nach Bekanntwerden des Falls ein besseres Qualitätsmanagement im Kontrollsystem gefordert. "Wir haben es hier im klassischen Sinne mit Betrug zu tun, der strafrechtlich verfolgt werden muss. Darüber hinaus muss künftig verstärkt eine Qualitätskontrolle der Firmen stattfinden, die hier im Einsatz sind", sagte DOSB-Generaldirektor Michael Vesper. Er geht davon aus, dass der Vorfall und notwendige Konsequenzen auf der nächsten Kuratoriumssitzung der Nationalen Anti Doping Agentur zur Sprache kommen werden.

Handballbund will Geld von Serco

Der Handballbund fordert von Serco 6000 Euro Regress. Das sagte der DHB-Vizepräsident und Antidopingbeauftragte Heinz Winden am Montag. Demnach will der Verband die ihm in dieser Höhe entstandenen Kosten für Reisen, Honorare, Proben und DNA-Analysen zurück.

Unmittelbar nach Bekanntwerden des Vorfalls hatte der DHB am 29. Januar 2010 die zuständigen Gremien des Welthandball-Verbandes IHF, des europäischen Verbandes EHF, die Welt-Anti-Doping-Agentur Wada und die nationale Behörde Nada schriftlich über den Sachverhalt informiert. Zuvor war der DHB selbst aktiv geworden, nachdem das Dopingkontrolllabor Köln ihn über die auffälligen Proben in Kenntnis gesetzt hatte. Erst auf die Recherchen des DHB hin und entsprechendem Druck auf die Firma waren die betroffenen Mitarbeiter geständig gewesen.

"Wir haben daraufhin die Zusammenarbeit mit der Firma Serco gekündigt und unser Kontrollsystem geändert. Wir setzen jetzt auf namentlich bekannte externe Kontrolleure, die auch in anderen Sportarten aktiv sind und sich bewährt haben. Jeder neue Kontrolleur wird von fachlich geschulten DHB-Mitarbeitern mindestens einmal direkt kontrolliert und bei der Arbeit beobachtet", erklärte Winden.

Alle Kontrollen sollen von zwei Kontrolleuren durchgeführt werden, auch wegen des großen bürokratischen Aufwandes, bemerkte der DHB-Rechtsexperte. Zudem wurde bei der Nada angeregt, Kontrolleure zu akkreditieren und alle zwei Jahre neu zu zertifizieren. "Das ist aber leider nicht auf fruchtbaren Boden gefallen", sagte Winden.

aha/dpa

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insgesamt 5 Beiträge zum Forum...
Die neuesten Beiträge:
30.08.2010 von Robert Rostock: Entspricht aber den Regeln!

Meines Wissens sind aber die gültigen Regeln der NADA/WADA so. Wenn eine Probe manipuliert ist, dann kann das nur der Sportler selber gemacht haben, darum ist diese manipulierte Probe wie eine positive Probe zu behandeln (bzw. [...] mehr...

30.08.2010 von n.holgerson: ...

Falls dies ironisch gemeint ist, finde ich es nicht sehr gelungen. Weil selbst ein Kleinkind erkennt, wie falsch diese Argumentation an Sich ist. mehr...

30.08.2010 von Robert Rostock: Doping-Skandal ?! Dopingjäger-Skandal !!

Den Beitrag habe ich auch gesehen, und mich auch genau über diesen Punkt geärgert. Wie übrigens auch in meiner Tageszeitung, die von einem "Dopingskandal im Handball" schrieb. Dabei ist dieser Skandal genau das [...] mehr...

30.08.2010 von martin_68: Beitrag dazu im ARD-Moma

dazu gab es heute morgen einen Betrag vom "Retter des sauberen Sports", dem ARD-Dopingexperten Hajo Seppelt! Unterlegt war der Beitrag mit einer "Weltuntergangs-Sound-Athmo". Darüber hinaus wurde dann irgendwie [...] mehr...

30.08.2010 von Robert Rostock: Ungeheurer Skandal!!!

Ein ungeheurer Skandal!! Alle Spieler der beteiligten Klubs müssen sofort für mindestens 2 Jahre gesperrt werden! Schließlich sind die Dopingproben ja nachgewiesenermaßen manipuliert, und manipulierte Dopingproben sind positive [...] mehr...

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Dopingsubstanzen und ihre Wirkung

Epo/HGH

Die Ausdauerleistungsfähigkeit ist wesentlich vom Sauerstoffaufnahmevermögen abhängig. Erythropoetin (Epo), ein Peptidhormon, stimuliert die Produktion roter Blutkörperchen. Die erhöhte Anzahl im Organismus zirkulierender Erythrozyten führt zu einer Verbesserung der Sauerstoffaufnahmekapazität des Blutes und hat damit eine Steigerung der Ausdauerleistungsfähigkeit zur Folge.

Das Internationale Olympische Komitee (IOC) verbietet seit mehr als zwölf Jahren den Gebrauch von Epo. Seit 1983 ist es möglich, Epo synthetisch herzustellen. Entwickelt wurde es für Patienten mit schweren Nierenleiden, bei denen Blutarmut auftritt. Epo gehört zur Gruppe der Peptidhormone. Ebenso wie das Wachstumshormon HGH, das zur Behandlung von Kleinwüchsigkeit eingesetzt wird. Das Wachstumshormon HGH lässt nicht nur die Muskeln, sondern auch die Knochen wachsen, mit langen Gliedmaßen, einem verformten Kopf und Riesenhänden als Folge. Zudem verändert sich die Struktur der Organe. Auch bei den Peptid-Hormonen gibt es immer neue Varianten, die mit heutigen Dopingtests nicht erkannt werden. (mit dpa)

Anabolika

Stimulanzien

Narkotika


Kampf gegen Doping

Welt-Anti-Doping-Agentur (Wada)

Am 10. November 1999 wurde auf Initiative des Internationalen Olympischen Komitees (IOK) die unabhängige Welt-Anti-Doping-Agentur (Wada) in Lausanne gegründet. Zusammen mit den nationalen NOKs und staatlichen Organisationen will die Wada die internationale Dopingbekämpfung fördern und einheitliche Standards für Kontrollen in allen Ländern schaffen. Das Anti-Doping-Programm der Wada wurde im März 2003 von allen Delegierten der internationalen Sportverbände, der Regierungen und dem IOK auf der Welt-Anti-Doping-Konferenz in Kopenhagen angenommen. Der Welt-Anti-Doping-Codex löste im darauffolgenden Jahr den Anti-Doping-Code der Olympischen Bewegung ab und gilt seit den Spielen in Athen 2004 auch für die Olympischen Spiele.

Welt-Anti-Doping-Programm

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