Von Benjamin Schulz
Wer beim Fernsehen Flüche mit einem "Piep" überdeckt, hat bei Rex Ryan, Cheftrainer der New York Jets, gut zu tun. "Wir sagen den anderen Teams: Wir wissen, dass wir besser sind als ihr, wir scheißen [piep] drauf, ob ihr es wisst oder nicht, uns ist scheißegal [piep], ob ihr gegen uns am Limit spielt, wir werden gegen euch am Limit spielen und euch in den Arsch treten [piep]."
Diese noch höfliche Übersetzung eines Ausschnitts aus Ryans erster Ansprache an sein Team im Trainingslager zeigt, dass er sein Ziel - die Meisterschaft - offensiv kommuniziert und den Status des Titelfavoriten kultiviert. "Im vergangenen Jahr waren wir ein Geheimtipp - scheiß drauf [piep]! Der beste Platz ist ganz oben, wo die Erwartungen hoch sind."
Wenige Teams können sich Selbstvertrauen bis an die Grenze zur Arroganz eher leisten als die Jets. In der vergangenen Saison kamen sie bis ins Halbfinale - mit Rookie Mark Sanchez als Quarterback. Nun haben sie für die am Donnerstag beginnende neue Spielzeit mit Defensive End Jason Taylor, Runningback LaDainian Tomlinson und Wide Receiver Santonio Holmes Stars eingekauft. Zudem hat Cornerback Darelle Revis, einer der besten Verteidiger der Liga, einen neuen Vertrag unterschrieben und ist damit zum Saisonstart dabei. Revis hatte das gesamte Trainingslager boykottiert, weil er einen neuen Vertrag wollte.
New England setzt auf Brady und Vollmer
Aber die Jets sind nicht die alleinigen Favoriten in der American Football Conference (AFC). In ihrer Division, der AFC East, spielt mit den New England Patriots ein Team, das ein Playoff-Kandidat ist, solange Quarterback Tom Brady und seine Wide Reveicer Wes Welker und Randy Moss fit sind.
Bei Brady gilt wie bei jedem anderen Quarterback: Er ist nur so gut wie die Offensive Line. Und deshalb wird New Englands Schicksal auch davon abhängen, wie gut Offensive Tackle Sebastian Vollmer Brady beschützt. Der gebürtige Deutsche stand in der vergangenen Saison bei acht Partien in der Startformation und spielte insgesamt in 14 Spielen.
Seit Jahren an der Ligaspitze sind die Indianapolis Colts. Im vergangenen Jahr schlugen sie die Jets im Halbfinale. Dass Indianapolis deutlich schlechter wird, ist nicht zu erwarten. Solange Peyton Manning, wertvollster Spieler der vergangenen beiden Spielzeiten, gesund ist, können die Colts mit jedem Gegner mithalten. Der Quarterback hat ein derart gutes Spielverständnis, dass er fast wie ein Trainer wirkt, der mitspielt.
Roethlisbergers Suspendierung schwächt Rekordmeister Pittsburgh
Gute Chancen auf die AFC-Krone werden auch den Baltimore Ravens eingeräumt. Das Team aus der North Division stellt seit Jahren mit Spielern wie Linebacker Ray Lewis, Defensive Tackle Haloti Ngata oder dem zum Saisonstart verletzten Safety Ed Reed eine der besten Defensiven der Liga. In diesem Jahr scheint der Angriff ähnlich gut zu sein. Quarterback Joe Flacco hat in den neu verpflichteten T.J Housmandazeh, Anquan Boldin und dem mit einem gebrochenen Fuß zum Saisonstart verletzten Donte Stallworth sowie Derrick Mason vier überdurchschnittliche Wide Receiver und in Ray Rice einen der besten Runningbacks hinter sich.
Normalerweise wäre auch Rekordmeister Pittsburgh Steelers ein Playoff-Kandidat. Doch in dieser Saison werden sie zunächst ohne ihren Star-Quarterback Ben Roethlisberger auskommen müssen. Er wurde beschuldigt, im März in einer Bar in Georgia eine Studentin vergewaltigt zu haben. Offiziell erhob die Staatsanwaltschaft keine Anklage, aber NFL-Boss Roger Goodell suspendierte Roethlisberger wegen Verletzung des NFL-Verhaltenskodexes für vier Spiele. Roethlisbergers Vertreter Byron Leftwich verletzte sich, Dennis Dixon überzeugte in Testspielen nicht.
Da hilft es Pittsburgh auch nicht, dass es einen der besten Abwehrspieler der Liga wieder zur Verfügung hat. Safety Troy Polamalu verpasste in der vergangenen Saison elf Spiele. Auch Defensive End Aaron Smith spielte nur fünfmal. Er ist ebenfalls wieder gesund und sollte die Steelers-Abwehr mit Polamalu wieder zu einer der besten der Liga machen.
Für die San Diego Chargers könnte diese Saison die letzte Chance sein, mit einer Gruppe talentierter Spieler nach dem Titel zu greifen. Rookie-Runningback Ryan Matthews soll den zu den Jets abgewanderten Tomlinson ersetzen, und Philip Rivers ist einer der besten Quarterbacks der Liga. Allein, Talent reicht nicht. Und die Chargers sind als Meister der Vorrunde bekannt. Seit 2006 waren sie immer in den Playoffs vertreten, doch das Finale haben sie seitdem nie erreicht, im Halbfinale standen sie nur einmal.
Möglicher Lockout
Für welches Team auch immer Fans jubeln: Sie sollten die Saison genießen. 2008 entschieden die Teambesitzer, den Tarifvertrag mit der Spielergewerkschaft nicht zu verlängern. Er läuft nach der anstehenden Saison aus. Bisher haben die Verhandlungen kaum Fortschritte gebracht. Streitpunkt ist die Verteilung der Einnahmen. Bisher bekommen die Spieler rund 60 Prozent. Das ist den Besitzern zu viel. Sie zeigen sich ebenso wenig kompromissbereit wie die Spieler. Falls sich beide Seiten nicht einigen, wird es zum "Lockout" kommen - die Besitzer werden ihre Spieler ausschließen.
Beide Seiten sollten gewarnt sein: Football ist derzeit in den USA die beliebteste Sportart - doch das muss nicht so bleiben. Als sich Spieler und Clubs der Eishockey-Liga National Hockey League (NHL) 2004 nicht über Gehaltsstrukturen und die Verteilung von Einnahmen einigen konnten, fiel die gesamte Saison 2004/2005 aus - mit teilweise verheerenden finanziellen und sportlichen Folgen für Teams und einzelne Spieler.
Lesen Sie im zweiten Teil der NFL-Vorschau: Warum Altstar Brett Favre sich wie eine Diva verhält und wie ein Videospiel Titelverteidiger New Orleans Saints die Saison vermiesen könnte.
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Dieser 'Geheimtipp' ist ungefähr so geheim wie der Tipp, dass Bayern Deutscher Fußball-Meister wird. Sämtlichen großen Medien in den USA (NFL.com, USAToday, ESPN, Sports Illustrated) sind in ihren Saison-Vorhersagen einig: [...] mehr...
Notwendige Korrektur: Ben Roethlisberger wurde in Georgia von einer Steudentin wegen sexueller Belästigung angezeigt, nicht wegen Vergewaltigung. Ist doch ein kleiner, aber entscheidender Unterschied, nicht? mehr...
Beides falsch... Erstens: keine gute Zusammenfassung. Tomlinson ist ein alter Mann und man war froh ihn von der Gehaltsliste los zu sein. Der ist sicher keine Verstärkung mehr, für wen auch immer. Auch in der letzten Saison [...] mehr...
Bin auch mal gespannt, was diese Saison bringen wird. Sicherlich ist Peyton mit seinen Colts wieder vorne dabei, aber mein Geheimtipp sind dieses Jahr die Packers mit Aaron Rodgers. Persönlich bin ich mal gespannt, wie meine [...] mehr...
Alles Super,schöne Zusammenfassung der letzten Wochen in der NFL, nur liebes SPONchen könntet ihr vielleicht auch mal über American Football in Deutschland berichten? mehr...
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