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02.09.2010
 

Kampf gegen Betrug im Sport

Forscher entwickeln ersten Gendoping-Test

DNA-Sequenz: Auf der Suche nach Informationen, die fehlenZur Großansicht
Corbis

DNA-Sequenz: Auf der Suche nach Informationen, die fehlen

Durchbruch im Kampf gegen Doping: Deutsche Wissenschaftler haben das weltweit erste Nachweisverfahren für Gendoping entwickelt. Doch die Methode wirft Fragen auf: Wie lange ist der Betrug nachweisbar, und ab wann kann der Test angewandt werden?

Hamburg - Deutsche Wissenschaftler haben nach eigenen Angaben das weltweit erste Nachweisverfahren für Gendoping entwickelt. "Damit lässt sich Doping durch Gentransfer relativ kostengünstig nachweisen, auch lange nach dem eigentlichen Dopingvorgang", sagte Perikles Simon, Abteilungsleiter Sportmedizin an der Universität Mainz, bei der Vorstellung des Verfahrens am Donnerstag in Tübingen. Die Welt-Anti-Doping-Agentur Wada definiert Gendoping als "den nicht-therapeutischen Gebrauch von Zellen oder Genen mit der Möglichkeit, die Leistungsfähigkeit zu steigern".

"Für die Sportler wird es jetzt echt eng", so Simon. Sein Forscherkollege Michael Bitzer von der Universitätsklinik Tübingen sprach von einer wertvollen "Abschreckung". Nach Erkenntnissen der beiden Wissenschaftler kann die Analyse einer einfachen Blutprobe ausreichen, um festzustellen, ob ein Sportler sein Erbgut modifiziert hat oder nicht. Das hielten Fachleute lange Zeit für unmöglich.

Die Forscher aus Mainz und Tübingen stellten jetzt jedoch fest, dass die natürlichen Erbinformationen eines Menschen von Einschüben unterbrochen sind, wie bei Perlen, die auf einer Schnur lose nebeneinanderhängen. Manipulierte Stränge, sogenannte transgene DNA-Sequenzen, weisen dagegen keine Lücken auf. Statt nach Spuren zu fahnden, die der Körper produziert, suchen die Wissenschaftler nach Informationen, die fehlen. Der Test sei "zweifelsfrei", versicherte Simon. Und er wurde mit insgesamt 980.000 US-Dollar von der Wada gefördert.

Einsatz bei den Olympischen Spielen 2012 "der Wunschtraum"

Das einzige Problem ist nur: Bis die Labors der Wada den Test zugelassen, Personal geschult haben und Gerichte dem Verfahren ebenfalls trauen, könnten Jahre vergehen. Ein Einsatz bei den Olympischen Spielen 2012 in London sei "der Wunschtraum", sagte Simon der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung". Realistisch ist der Termin aber wohl nicht.

Denn das Verfahren wirft mehrere Fragen auf:

  • Wie lange lässt sich das Gendoping im Körper eines Sportlers nachweisen? Lange genug, um auch jahrelang eingefrorene Proben nachträglich zu untersuchen? "Das wissen wir noch nicht", räumte Simon ein. Sein Kollege Bitzer glaubt, dass ihre Methode Gendoping aufspüre, "so lange der Sportler davon einen Effekt hat".
  • Klappt die Finanzierung? "Es ist die Frage, ob die Verbände sich das leisten möchten", sagte Simon. "Aber ich weiß auch nicht, auf was für ein Signal die noch warten." Er wisse nur, dass die Anti-Doping-Forschung den Betrügern hinterherhechele und er nicht noch mehr Boden verlieren wolle. Simon beklagte eine "Unverhältnismäßigkeit der Mittel". 130 Milliarden Dollar würden jährlich in den globalen Spitzensport gepumpt, schätzt er. Das Budget der Wada liege dagegen nur bei rund sechs Millionen.
  • Das Hauptproblem aber ist laut Bitzer: Man könne noch nicht einmal sicher sein, dass Gendoping im Spitzensport wirklich durchgeführt werde. Es sei zu aufwendig und zu unsicher. "Die Sportler kommen ja auch mit herkömmlichen Mitteln bisher bestens durchs Jahr", sagte Simon.

ham/dpa

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insgesamt 4 Beiträge zum Forum...
Die neuesten Beiträge:
03.09.2010 von Robert Rostock: Toll!

Zitat aus dem SPON-Artikel: (http://www.spiegel.de/sport/sonst/0,1518,715378,00.html) "Das Hauptproblem aber ist laut Bitzer: Man könne noch nicht einmal sicher sein, dass Gendoping im Spitzensport wirklich durchgeführt [...] mehr...

02.09.2010 von drsven: Leistungssport führt sich selbst ad adsurdum

Ich finde es recht seltsam, speziell bei den Hochleistungssportarten, bei denen eine physikalisch messbare Größe über Sieg oder Niederlage entscheidet (z.B. Laufen, Schwimmen, Radfahren, Hochspringen, etc..), wie immer wieder [...] mehr...

02.09.2010 von fishroro: Sportler = Dopingsünder?

"'Für die Sportler wird es jetzt echt eng', so Simon." Warum wird es für den Sportler eng? Seltsame Drohung von Hernn Simon in Richtung Sportler. Wo er doch eigentlich gerne Dopingsünder ertappen möchte. mehr...

02.09.2010 von Flans: titellos

Nachweis hin oder her: Folgt man einer der Thesen des aktuell meistdiskutierten Buchbestsellers, bestünde im Gendoping doch eine Chance, Deutschland noch zu retten! ;-) mehr...

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Dopingsubstanzen und ihre Wirkung

Epo/HGH

Die Ausdauerleistungsfähigkeit ist wesentlich vom Sauerstoffaufnahmevermögen abhängig. Erythropoetin (Epo), ein Peptidhormon, stimuliert die Produktion roter Blutkörperchen. Die erhöhte Anzahl im Organismus zirkulierender Erythrozyten führt zu einer Verbesserung der Sauerstoffaufnahmekapazität des Blutes und hat damit eine Steigerung der Ausdauerleistungsfähigkeit zur Folge.

Das Internationale Olympische Komitee (IOC) verbietet seit mehr als zwölf Jahren den Gebrauch von Epo. Seit 1983 ist es möglich, Epo synthetisch herzustellen. Entwickelt wurde es für Patienten mit schweren Nierenleiden, bei denen Blutarmut auftritt. Epo gehört zur Gruppe der Peptidhormone. Ebenso wie das Wachstumshormon HGH, das zur Behandlung von Kleinwüchsigkeit eingesetzt wird. Das Wachstumshormon HGH lässt nicht nur die Muskeln, sondern auch die Knochen wachsen, mit langen Gliedmaßen, einem verformten Kopf und Riesenhänden als Folge. Zudem verändert sich die Struktur der Organe. Auch bei den Peptid-Hormonen gibt es immer neue Varianten, die mit heutigen Dopingtests nicht erkannt werden. (mit dpa)

Anabolika

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Kampf gegen Doping

Welt-Anti-Doping-Agentur (Wada)

Am 10. November 1999 wurde auf Initiative des Internationalen Olympischen Komitees (IOK) die unabhängige Welt-Anti-Doping-Agentur (Wada) in Lausanne gegründet. Zusammen mit den nationalen NOKs und staatlichen Organisationen will die Wada die internationale Dopingbekämpfung fördern und einheitliche Standards für Kontrollen in allen Ländern schaffen. Das Anti-Doping-Programm der Wada wurde im März 2003 von allen Delegierten der internationalen Sportverbände, der Regierungen und dem IOK auf der Welt-Anti-Doping-Konferenz in Kopenhagen angenommen. Der Welt-Anti-Doping-Codex löste im darauffolgenden Jahr den Anti-Doping-Code der Olympischen Bewegung ab und gilt seit den Spielen in Athen 2004 auch für die Olympischen Spiele.

Welt-Anti-Doping-Programm

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