Hamburg - Der eine ist ein indischer Hindu, der andere ein pakistanischer Muslim - dennoch bilden die beiden Tennisprofis aus den rivalisierten Atommächten ein erfolgreiches Doppel bei den US Open. Mit dem Achtelfinalsieg gegen das an Nummer zwei gesetzte Doppel David Nestor/Nenad Zimonjic zeigten Rohan Bopanna und Aisam Qureshi, dass sie zur Weltspitze gehören. Die beiden Tennisspieler sind aber nicht nur für den sportlichen Erfolg auf den Plätzen dieser Welt unterwegs, ihre politische Aussage ist ihnen mindestens genauso wichtig: "Stop War, Start Tennis" - der Slogan prangte in Wimbledon sogar auf den Trainingsjacken des indisch-pakistanischen Duos.
"Wir sind ein Beispiel dafür, wie man friedlich zusammenleben kann. Unsere Partnerschaft überwindet die Grenzen und Gräben", sagt Bopanna und glaubt an die Vorbildfunktion der Allianz: "Wenn Aisam und ich uns gut verstehen, können das unsere Landsleute auch. Wir möchten auch anderen die Kraft geben, Mauern im Kopf einzureißen." Auch sportlich überzeugen die beiden Tennisspieler: In Wimbledon 2010 erreichten sie das Viertelfinale, jüngst konnten sie sogar das beste Doppel der Welt, Bob und Mike Bryan, schlagen. Die US-Amerikaner haben großen Respekt vor dem nur auf den ersten Blick so ungleichen Paar. "Sie sind gut für unseren Sport", sagte Bob Bryan.
Die Völkerverständigung der besonderen Art ist auch während der US Open wieder ein Thema. Selbst ein Taxifahrer kannte die Geschichte vom "Indo-Pakistan-Express" und überraschte damit Qureshi. "Das hat mich schon überwältigt. Jemand in Amerika weiß genau Bescheid, was wir machen und macht uns deutlich, dass wir auf dem richtigen Weg sind", sagte der 30-Jährige.
Ausschluss aus dem Davis-Cup-Team
Qureshi verfolgte schon vor acht Jahren eine ähnliche Mission. Der Pakistaner ging trotz Widerständen von gläubigen Fundamentalisten bei einigen Turnieren mit dem Juden Amir Hadad an den Start. Der pakistanische Verband reagierte mit der Verbannung Qureshis aus dem Davis-Cup-Team.
Doch das hat ihn nur bestärkt. "Sport ist frei von Konflikten. Wenn es etwas gibt, das Völker verbinden kann", sagt Qureshi, "dann ist es der Sport." Den Beweis dafür bekam das in der Weltrangliste auf Platz 15 stehende Doppel vor drei Jahren vor Augen geführt. Als Bopanna und Qureshi beim Turnier im indischen Bombay das Endspiel erreichten, passierte etwas Außergewöhnliches. "Ich schaute ins Publikum und sah Hunderte, die auf einer Wange Indiens Flagge und auf der anderen die pakistanische aufgemalt hatten", sagte Qureshi mit leuchtenden Augen. Da habe er endgültig realisiert, "dass wir viel bewegen können".
Neue Idee von Bopanna und Qureshi
Das nächste Projekt ist bereits in Planung - zumindest in den Köpfen von Bopanna und Qureshi, die sich schon seit 14 Jahren kennen. Am einzigen Straßen-Grenzübergang zwischen Indien und Pakistan in Wagah soll ein Netz gespannt werden. Der Pakistaner Qureshi soll beim Bälleschlagen auf der indischen Seite stehen, der Inder Bopanna auf der pakistanischen. "Wenn nur fünf Prozent der Leute in Pakistan und Indien ihre Ansichten ändern, haben wir schon etwas bewegt", sagt Qureshi.
ckl/sid
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