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27.01.2012
 

Melbourne-Finalist Djokovic

"Eines der besten Spiele meines Lebens"

Halbfinale der Australian Open: Nervenschlacht in Melbourne
Fotos
AFP

Das Halbfinal-Duell bei den Australian Open zwischen Novak Djokovic und Andy Murray bot fast fünf Stunden Spitzentennis. Beide Spieler hatten nicht nur mit ihrem Gegenüber, sondern auch mit den eigenen Nerven zu kämpfen. Der siegreiche Serbe sprach später von einem der besten Matches seines Lebens.

Hamburg - 4:50 Stunden rannte, schlug und hechtete Novak Djokovic im Halbfinale der Australian Open, was das Zeug hielt. Als er eines der härtesten Spiele seiner Karriere doch noch gewonnen hatte, ließ sich der Serbe völlig ausgepumpt auf den Boden der Rod Laver Arena fallen.

Mit seinem befreundeten Kollegen Andy Murray hatte er sich eine der wohl packendsten Partien der Turniergeschichte geliefert. Seinen ersten Matchball verwandelte Djokovic zum 6:3, 3:6, 6:7 (4:7), 6:1, 7:5 und machte das Traum-Endspiel gegen den Weltranglisten-Zweiten Rafael Nadal am Sonntag perfekt. Der Spanier hatte sich am Donnerstag in einem ebenfalls hochklassigen Tennis-Match gegen Roger Federerin vier Sätzen durchgesetzt.

"Keine Ahnung, was ich sagen soll. Das Ergebnis erzählt alles", sagte Djokovic nach dem verwandelten Matchball. Nach seinem Erfolg in der Neuauflage des Finales aus dem Vorjahr kann er nun seinen dritten Titel nach 2008 und 2011 gewinnen. Für den Weltranglisten-Ersten wäre es nach den Triumphen in Wimbledon und New York der dritte Grand-Slam-Titel in Folge. Das schafften vor ihm lediglich Pete Sampras, Federer, Nadal - und der legendäre Rod Laver, der am Freitag in dem nach ihm benannten Stadion mitfieberte.

"Das war definitiv eines der besten Spiele in meinem Leben"

"Danke, dass Sie so lange ausgeharrt haben", sagte Djokovic in Richtung des australischen Tennis-Helden: "Man trainiert so hart, weil man weiß, irgendwann bekommt man die Chance, in so einem Match mitwirken zu können. Das war definitiv eines der besten Spiele in meinem Leben."

Mit Blick auf das Duell gegen Nadal, den er in den vergangenen sechs Vergleichen besiegen konnte, sagte der 24-Jährige: "Ich befürchte, das wird wieder ein verdammt physisches Spiel. Jetzt geht es darum, sich zu erholen. Wenn mir das gelingt, glaube ich daran, dass ich gewinnen kann."

Murray halfen auch alle Tipps seines neuen Coaches Ivan Lendl nicht, der acht Grand-Slam-Turniere in seiner Karriere gewonnen und in Melbourne zweimal triumphiert hatte. Lendl verfolgte das Match seines Schützlings mit der von ihm schon zu aktiven Zeiten gewohnten stoischen Ruhe auf der Tribüne.

"Ich bin natürlich sehr enttäuscht", sagte Murray. "Aber ich bin verdammt stolz, wie ich gekämpft habe. Im vergangenen Jahr habe ich Melbourne mit einem weitaus schlechteren Gefühl verlassen", so der Brite, der weiter auf seinen ersten großen Titel warten muss. 2011 hatte er gegen Djokovic im Endspiel glatt in drei Sätzen verloren und war danach heftig kritisiert worden.

Selbst Ivan Lendl musste lachen

Dieses Mal war alles anders. Nach schleppendem Beginn übertraf das Duell sogar noch den Klassiker Nadal gegen Federer am Tag zuvor. Djokovic und Murray lieferten sich einen Schlagabtausch, der mehr Irrungen und Wendungen kannte, als alle bisherigen Begegnungen des Turniers zusammen.

Erst schien Djokovic auf einen einfachen Sieg zuzusteuern, dann hatte Murray nach dem Gewinn der Sätze zwei und drei plötzlich die deutlich besseren Karten. Doch innerhalb weniger Minuten schenkte er den vierten Durchgang ab, das Momentum lag nun wieder aufseiten des favorisierten Serben. Als dieser beim Stand von 5:3 im fünften Satz zum Match aufschlug, versagten jedoch auch ihm die Nerven. Selbst Lendl musste lachen, als sein Schützling Djokovic auf einmal das Service zu Null abnahm.

Allein der dritte Satz dauerte 88 Minuten. Doch danach ging es erst richtig los. Djokovic, der zwischenzeitlich am Ende seiner Kräfte zu sein schien und nach Luft schnappte, und Murray lieferten sich noch zwei weitere Durchgänge, von denen besonders der letzte alles an Spannung, Dramatik und Emotionen bot. Nachdem Murray einen 2:5-Rückstand wettgemacht hatte, kam er bei Aufschlag Djokovic zu drei Breakbällen. Der Schotte konnte seine Chancen aber nicht nutzen und musste sich wenig später geschlagen geben.

luk/dpa

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Die Sieger der Australian Open seit 2000
Jahr Männer Frauen
2012 Novak Djokovic Wiktoria Asarenka
2011 Novak Djokovic Kim Clijsters
2010 Roger Federer Serena Williams
2009 Rafael Nadal Serena Williams
2008 Novak Djokovic Marija Scharapowa
2007 Roger Federer Serena Williams
2006 Roger Federer Amélie Mauresmo
2005 Marat Safin Serena Williams
2004 Roger Federer Justine Henin
2003 Andre Agassi Serena Williams
2002 Thomas Johannson Jennifer Capriati
2001 Andre Agassi Jennifer Capriati
2000 Andre Agassi Lindsey Davenport

Tennis: Die Spielstile

Grundlinienspiel: Der Spieler verzichtet auf das Aufrücken ans Netz und schlägt, in der Regel mit Topspin, von der Grundlinie. Durch präzise und harte Schläge auf die vom Gegner entfernte Seite oder gegen die Laufrichtung des Konkurrenten soll ein Vorteil erzielt werden. Diese Ausdauer erfordernde Art wird vor allem von Spielern wie Rafael Nadal beherrscht und ist auf Sandplätzen am effektivsten.

Inside-Out-Spiel: Der Spieler vermeidet dabei, ebenfalls beim Spiel von der Grundlinie, entweder seine Vor- oder Rückhand und spielt nur mit einer Schlagseite. Beispielsweise wird dabei der Ball auf der Rückhandseite "umlaufen" und dann mit der Vorhand cross über den Platz gespielt. Dadurch bewegt sich der Spieler oft weit nach außen und ist anschließend anfällig für einen Schlag auf die andere Seite.

Serve-and-Volley: Der Spieler rückt nach seinem Aufschlag (Serve) direkt ans Netz vor und versucht den Ballwechsel mit einem Volleyschlag abzuschließen. Grundlage für diese Variante ist ein harter oder sehr präziser Aufschlag, damit der Gegner nur schlecht returnieren kann. Spieler wie Boris Becker, Stefan Edberg und Goran Ivanisevic agierten so vor allem auf schnellen Rasenplätzen.

Chip-and-Charge: Der Returnspieler spielt direkt einen Angriffsball und rückt ans Netz vor, wo er den Ballwechsel mit einem Volley beenden will. Auch diese Variante wird vorwiegend auf den schnellen Belägen eingesetzt und meist gegen den zweiten Aufschlag des Gegners verwendet.






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