Von Andreas Busche
Japaner sind ein extrem leidensfähiges Volk. Von den Zeiten der Shogunate bis in die Arbeitswelt des modernen Japans ist die Lebensweise von der traditionellen Unterordnung des eigenen Körpers unter eine höhere Ordnung bestimmt. Das Leben im Land der aufgehenden Sonne erscheint von einem westlichen Blickwinkel aus betrachtet nur schwer nachvollziehbar - bis in die Freizeitgestaltung hinein.

Das Gefolge
Zwar hat das DSF mit nicht weniger ungewöhnlichen Sendereihen wie "Monster Trucks", "Außer Kontrolle" und "Blade Warriors" schon mehr oder weniger behutsame Vorarbeit geleistet, der plötzliche Erfolg von "Takeshi’s Castle" aber traf die Ismaninger dann doch überraschend. Durchschnittlich 340.000 Zuschauer sehen die einzelnen Folgen, was einem Marktanteil von 2,9 Prozent entspricht. In der von Wild anvisierten Zielgruppe der 14- bis 29-Jährigen liegt er mit bis zu 23,1 Prozent in der Spitze wesentlich höher.

Ein Kandidat
Im "Schloss Takeshis" regiert der blanke Irrsinn. In der Tradition japanischer Unterhaltungs-Fernsehformate, nach der alles möglichst noch alberner, absurder und blöder aussehen muss, zwängte sich der damals als Komödiant bekannte Takeshi über fünf Jahre hinweg in grellbunte Fürstengewänder, um als übermächtiger Regent mit Sicherheitschef und Berater Saburo Ishikura den Sturm des abtrünnigen Generals Hayati Tani und dessen Gefolge auf seine Burg zu beobachten und in der Manier der Muppets-Opas Waldorf und Statler zu kommentieren.

Ein Verteidiger
Über 100 solcher Prüfungen haben sich die Macher ausgedacht. Die vier bis zehn Kandidaten, die nach den neun Etappen übrig geblieben sind, werden zum Showdown in Pappmachee-Mobile gesetzt und müssen im Zuge einer chaotischen Verfolgungsjagd mit Wasserpistolen den Panzer des Fürsten Takeshi und seiner Leibgarde abschießen.

Einer der Verteidgier von Takeshis Castle
Hier zu Lande ist "Takeshi’s Castle" auf Grund der relativ späten Entdeckung inzwischen allerdings auch aus einem ganz anderen Grund interessant. Denn Spielleiter "Beat" Takeshi Kitano ist spätestens seit dem Gewinn des "Goldenen Löwen" bei den Filmfestspielen von Venedig 1997 ein Begriff: Seit "Hana-Bi" gilt Kitano als der zeitgenössische japanische Autorenfilmer schlechthin. Seine sehr eigenwilligen Dramen, meist im unmittelbaren Umfeld der japanischen Mafia Yakuza angesiedelt, zeichnen sich durch eine geradezu meditative Ruhe aus, die den Zuschauer mitunter etwas isoliert außen vor lässt. Eine Empfindung, die den Zuschauern von "Takeshi’s Castle" völlig fremd sein dürfte.
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