Hamburg/Olympia - Der DOSB hat sich eindeutig gegen einen Boykott der Sommerspiele in Peking ausgesprochen. Das erklärten DOSB-Präsident Thomas Bach und Generaldirektor Michael Vesper am Ostermontag in einer Pressemitteilung.
"Der DOSB wird deshalb nach Abwägung aller Argumente und in Wahrnehmung seiner Verantwortung gegenüber den Athleten eine Mannschaft zu den Olympischen Spielen 2008 entsenden", heißt es in der Mitteilung, in der auch de Gastgeber der Spiele kritisiert wird: "Dem DOSB ist bewusst, dass die Menschenrechtssituation in China trotz feststellbarer Verbesserungen in den letzten Jahren nach wie vor nicht zufriedenstellend ist."
Darüber stehe man, so der DOSB, im ständigen Dialog mit Menschenrechtsorganisationen und dem chinesischen Sport. Zudem bekannte sich der DOSB noch einmal zum Prinzip des "mündigen Athleten" - was bedeutet, dass es jedem Mitglied der Olympiamannschaft im Rahmen der Regeln der Olympischen Charta möglich sein, seine Meinung vor, während und nach den Olympischen Spielen frei zu äußern.
Demonstranten stören Entzündung des Olympischen Feuers
Protest gab es am Montag während der feierliche Entfachung des Olympischen Feuers. Zwei Pro-Tibet-Aktivisten stürmten mit Schreien und schwarzen Fahnen in das Stadion des griechischen Olympia, als der Präsident des chinesischen Organisationskomitees, Liu Qi, eine Rede hielt - kurz vor der Entzündung der Fackel. Polizisten setzten die Männer fest und brachten sie vom Ort des Geschehens weg, wie das Fernsehen zeigte. Die Zeremonie fand in der antiken Sportstätte auf der Halbinsel Peloponnes statt. Die Flamme wurde trotz zum Teil bewölkten Himmels mit einem Hohlspiegel und mit Hilfe der Sonnenstrahlen entzündet. Die griechische Schauspielerin Maria Nafpliotou in der Rolle der "Obersten Priesterin" richtete einen Aufruf an den antiken Gott der Sonne Apollon. Anschließend übergab sie das Feuer an den ersten Fackelträger, den griechischen Silber-Olympiasieger 2004 im Teakwondo, Alexandros Nikolaidis. Gleichzeitig wurde eine Friedenstaube befreit.
"Wir schicken heute die Nachricht des Olympischen Waffenstillstandes", sagte der Präsident des Internationalen Olympischen Komitees (IOC), Jacques Rogge. "Die Olympischen Spiele müssen in einer friedlichen Umgebung stattfinden." Der Sprecher der Organisation Studenten für ein freies Tibet, Tenzin Dorjee, rief das IOC dazu auf, Tibet von der Liste der Regionen zu streichen, durch die die Fackel getragen werden soll. "Die chinesische Regierung hat Blut an ihren Händen", sagte er mit Blick auf die jüngsten Unruhen in Tibet.
Von Griechenland aus wird das Olympische Feuer um die halbe Welt bis nach Peking getragen, wo am 8. August die Olympischen Sommerspiele feierlich eröffnet werden sollen. Der Fackelzug soll bis auf den Gipfel des Mount Everest führen. Dies bedeutet, dass auch tibetisches Territorium durchlaufen wird, was zahlreiche Proteste ausgelöst hat. China hat am Wochenende noch einmal bekräftigt, den Staffellauf wie geplant durchführen zu wollen.
Unterdessen wurde bekannt, dass eine thailändische Fackelläuferin das Feuer nicht tragen will. Die Umweltschützerin hat ihre Teilnahme abgesagt. Damit will Narisa Chakrabongse, die Vorsitzende von Thailands "Grüner Welt Stiftung", gegen Chinas gewaltsames Vorgehen gegen Aufständische in der autonomen Region Tibet demonstrieren.
Die blutig niedergeschlagenen Proteste in Tibet begannen am 10. März. Nach Angaben der tibetischen Exil-Regierung kamen dabei bislang schon rund 100 Menschen ums Leben. China spricht von 19 Toten und beschuldigt den Dalai Lama, Drahtzieher der Aufstände zu sein.
"Ich will eine starke Botschaft an China senden und zeigen, dass die Welt die Vorfälle in Tibet nicht akzeptiert. Das Land sollte dringend seine Tibet-Politik überdenken", hieß es in einem Statement, das am Osterwochenende veröffentlicht worden war. Chakrabongse sollte eine von 80 Fackelläuferinnen sein, wenn das Feuer am 18. April durch Bangkok getragen wird.
Bereits am Montag trugen drei deutsche Sportler die Flamme jeweils 200 Meter weit. Hockey-Olympiasiegerin Nadine Ernsting-Krienke, der Wolfsburger Fußball-Trainer Felix Magath und der frühere Formel-1-Pilot Hans-Joachim Stuck hielten die Fackel auf ihrem Weg durch Griechenland in den Händen.
Das Feuer wird am 30. März an die Olympia-Organisatoren übergeben und kommt am 31. März in Peking an, ehe es zu seiner "Reise der Harmonie" über alle Kontinente und durch alle chinesischen Provinzen, inklusive der autonomen Region Tibet startet.
Gleichzeitig wird bekannt, dass ein chinesisches Gericht einen Bürgerrechtler zu fünf Jahren Gefängnis verurteilt hat, weil er sich in einem offenen Brief für die Verwirklichung von Menschenrechten eingesetzt hat. Das teilte ein Gerichtssprecher in der Stadt Jiamusi in der nordöstlichen Provinz Heilongjiang mit. Yang Chunlin sei der Untergrabung der Staatsmacht beschuldigt worden. Mit diesem Vorwurf gehen die chinesischen Behörden regelmäßig gegen Dissidenten vor.
Yang hatte mehr als 10.000 Unterschriften für einen offenen Brief mit dem Titel gesammelt: "Wir wollen Menschenrechte, nicht die Olympischen Spiele." Er wurde im vergangenen Juli festgenommen. Gerichtssprecher Nie Lei sagte, Yang könne Berufung gegen das Urteil einlegen.
all/jdl/dpa/AP/Reuters/sid
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