18. Tour-Etappe: Doppelsieg der Schleck-Brüder, Contador bricht ein

Triumph von Andy Schleck: Der Luxemburger gewann bei der Tour de France die Alpen-Etappe auf den Galibier vor seinem Bruder Fränk. Thomas Voeckler konnte das Gelbe Trikot knapp verteidigen. Kaum noch Chancen auf den Gesamtsieg hat Titelverteidiger Alberto Contador.

18. Etappe: Andy Schlecks Triumphfahrt Fotos
Getty Images

Hamburg - Andy Schleck hat die Königsetappe der 98. Tour de France gewonnen. Der Luxemburger triumphierte auf dem 18. Teilstück nach einer erfolgreichen Flucht bei der Bergankunft am legendären Col du Galibier in 6:07:57 Stunden. Schleck (Leopard Trek) sicherte sich den Erfolg am höchstgelegenen Etappenziel der Tour-Geschichte auf 2645 Metern Höhe vor seinem fünf Jahre älteren Bruder Fränk (+2:07 Minuten). Dritter nach 200,5 Kilometern wurde der Australier Cadel Evans (+2:15).

Das Gelbe Trikot des Gesamtführenden verpasste Andy Schleck nur knapp. Unmittelbar hinter seinem Bruder kam der Franzose Thomas Voeckler (+2:21) ins Ziel und verteidigte damit Platz eins im Klassement, hat aber nur noch 15 Sekunden Vorsprung auf Andy Schleck. Dritter ist Fränk Schleck (+1:08), Vierter Evans (+1:12). Titelverteidiger Alberto Contador konnte weder das Tempo von Ausreißer Andy Schleck noch das der Verfolgergruppe mitgehen, brach auf dem Weg zum Galibier ein und kam 3:50 Minuten nach Andy Schleck ins Ziel. Der Spanier ist mit 4:44 Minuten Rückstand nur noch Siebter und hat wohl kaum noch Chancen auf den Gesamtsieg.

Ganz anders hingegen Andy Schleck, der dank seiner taktischen Meisterleistung einen großen Schritt in Richtung seines ersten Gesamtsieges gemacht hat. "Es war der schönste und größte Erfolg, den ich holen konnte", sagte er nach seinem dritten Etappensieg bei der Tour. "Ein Traum ist wahrgeworden. Natürlich bin ich jetzt bereit, das Gelbe Trikot zu übernehmen und es auch zu gewinnen", so der 26-Jährige. "Alles lief perfekt", ergänzte sein Bruder Fränk.

Schon am Col d'Izoard zogen Schlecks Teamkollegen das Tempo früh an, auch Jens Voigt war daran wieder maßgeblich beteiligt. 60,4 Kilometer vor dem Ziel stürmte Andy dann der Konkurrenz davon und startete seinen beeindruckenden Angriff. Contador schickte daraufhin seinen Helfer Daniel Navarro an den Kopf der Favoritengruppe, doch der Abstand wuchs stetig an.

Andy Schleck während der Etappe virtuell Gesamtführender

Über zwei Minuten hatte Schleck bereits am Gipfel des Izoards auf die Konkurrenz herausgefahren. Vor dem Beginn der letzten von drei Steigungen der höchsten Kategorie betrug der Abstand des Luxemburgers mehr als drei Minuten und Schleck hatte virtuell das Gelbe Trikot übernommen. Am Ende reichte es aber nicht ganz für die Gesamtführung.

Die letzte Bergetappe der Tour ist am Freitag (14.25 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) mit 109,5 Kilometern zwar die mit Abstand kürzeste, dennoch hat sie es in sich. Erneut geht es auf den Galibier. Danach folgt rund 14 Kilometer vor dem Ziel der Schlussanstieg nach Alpe d'Huez. Der Galibier wird anlässlich seiner Erstbezwingung vor 100 Jahren zwei Mal bei der Tour 2011 überquert.

ham/sid/dpa

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insgesamt 57 Beiträge
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1.
kjartan75 21.07.2011
Und tschüss, Contador. Wäre schon froh, wenn der es nicht schafft. Dürfte morgen interessant werden, ob A. Schleck morgen nicht büßen muss für die anstrengende Etappe, wenn er 60 km nicht im Favoritenfeld, sondern hauptsächlich allein unterwegs war. Wenn Voeckler morgen noch durchhält und mit den üblichen Favoriten mithalten kann (was ich nicht wirklich glauben kann, nach dem zu urteilen, wie er am Galibier ankam), dann sind seine Chancen nicht schlecht. Ich tippe weiterhin auf Evans.
2. Was macht Contador eigentlich noch bei dieser Tour
Roßtäuscher 21.07.2011
Zitat von sysopTriumph von Andy Schleck: Der Luxemburger gewann bei der Tour de France die Alpen-Etappe hinauf auf den berüchtigten Berg Galibier vor seinem Bruder Fränk. Thomas Voeckler konnte das Gelbe Trikot knapp verteidigen. Kaum noch Chancen auf den Gesamtsieg hat Titelverteidiger Alberto Contador. http://www.spiegel.de/sport/sonst/0,1518,775815,00.html
Ich dachte der ist wegen Doping gesperrt!!! Die Tour wird immer verworrener, kaum zu glauben. Dort kann man spritzen wie ein Vergifteter - Lance Armstrong lässt grüßen.
3. Showdown
fiutare 21.07.2011
Oh toll, der zweite Kommentar geht schon wieder um Doping. Meine Güte, dann kuckt doch endlich weg und geilt euch nicht immer wieder daran auf. Ist ja nicht zum Aushalten - und alles andere als originell. Zum heutigen Tag: Unglaubliche Dramatik, unglaubliche Atmosphäre. Fast eine halbe Million Menschen auf dem Galibier. Volksfest und Begeisterung pur. Nachdem mich Voeckler wegen seiner passiven Haltung fast schon enttäuscht hat, hat er am Schluss alles gegeben und ist im Ziel schier zusammengebrochen. Gelbes Trikot um ein paar Sekunden gerettet. Respekt an Evans, der hat das ermöglicht. Ist den ganzen Galibier praktisch alleine gefahren! Ciao Contador, ciao Sanchez. Meine Favoriten heissen Evans, Andy und Frank Schleck (in dieser Reihenfolge). Voeckler wird es wahrscheinlich nicht auf's Treppchen schaffen. Morgen ist Showdown. Wer das übersteht, darf sich beim Zeitfahren noch verausgaben.
4. bitte sachlich
Medien-Kritiker, 21.07.2011
Zitat von RoßtäuscherIch dachte der ist wegen Doping gesperrt!!! Die Tour wird immer verworrener, kaum zu glauben. Dort kann man spritzen wie ein Vergifteter - Lance Armstrong lässt grüßen.
Geht`s ein bisschen weniger populisitsch? Die Dosis Clenbuterol, die bei Contador nachgewiesen wurde ist die niedrigste, die jemals gemessen wurde.Was man ihm vorwirft ist übrigens nicht, dass er mittels Clenbuterol seine Leistung steigern wollte, sondern man vermutet, dass Contador mit einem mit Clenbuterol verunreinigten Plastikbeutel Eigenblutdoping betrieben haben könnte.Die Beweislage ist jedenfalls sehr dünn.Anders als z.B. bei dem Tischtennisspieler Ovtcharov, den fünf positiv getesten mexikanischen Fußballern und den fünf Nordkoranerinnen.Deren Dosis war weitaus höher als bei Contador.Aber denen passiert gar nicht.Wo wird jetzt wohl härter gegen Doping vorgegangen...
5. Schleckürraschung
tomkey 21.07.2011
Na das war ja mal eine Attacke die man nicht so schnell vergißt! Doppelsieg der Schlecks .. Ich habe ehrlich gesagt nie damit gerechnet! Dass die 2 nochmal so zuschlagen. Alles hatte mit AC gerechnet, ich auch. Evans hatte ich vor der Etappe heute Abend noch in Gelb gesehen, dass es Voeckler noch ist ... Respekt vor den gezeigten Leistungen. Ein Prognose wage ich jetzt nur noch mit Gelb. Vieles spricht für Evans, wenig für AC. Die Schlecks müßten nochmals sowas erreichen wie heute. Evans wird sich aber gegen großen Zeitverlust wehren wegen des Zeitfahrens, wo er ganz gut ist. Für Voeckler ist das Podium möglich, Alp d'Huez muss er aber nochmal alles geben. Prognosen sind echt schwierig, was aber auch für Spannung sorgt. Tolle Tour!
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Eddy Merckx Belgien 5 1969-1974
Jacques Anquetil Frankreich 5 1957-1964
Greg LeMond USA 3 1986-1990
Louison Bobet Frankreich 3 1953-1955
Philippe Thys Belgien 3 1913-1920
*alle Titel wegen Dopings aberkannt