24 Stunden von Le Mans Wie Fernando Alonso der Sieg ermöglicht werden soll

Teamorder und Regeländerungen: Die Veranstalter des legendären 24-Stunden-Rennens von Le Mans machen alles, um Fernando Alonso zum Sieger zu krönen. Doch das birgt Gefahren.

Fernando Alonso im Toyota
AFP

Fernando Alonso im Toyota

Von Karin Sturm


Die 24 Stunden von Le Mans - das ist neben den Indy 500 und dem Großen Preis von Monaco einer der ganz großen Klassiker im Motorsport. Und damit ein Teil des "Triples", das Fernando Alonso im Laufe seiner Karriere noch schaffen will. In Monaco hat er bereits gewonnen. Den Angriff auf den Indy-Sieg, 2017 noch gescheitert, könnte er nächstes Jahr wiederholen.

Die Gerüchte, dass sein jetziger Formel-1-Arbeitgeber McLaren in Zukunft in die Indycar-Serie einsteigen möchte, verdichten sich. Auch Alonso könnte sich angesichts mangelnder Fortschritte des Teams dorthin verabschieden. An diesem Wochenende soll für ihn aber erst einmal der Sieg in Le Mans auf der Liste abgehakt werden.

Worauf sich der Spanier bei seinem Vorhaben verlassen kann: Sowohl Alonsos Team Toyota, als auch die Organisatoren des Rennens in Le Mans (WEC) haben schon im Vorfeld viel getan, um ihm diesen Sieg zu ermöglichen. Alles ist darauf ausgerichtet, den zweimaligen Formel-1-Weltmeister am Ende ganz oben auf dem Podium stehen zu haben. Die entsprechenden PR-Effekte kämen Toyota und der gesamten Langstrecken-WM ganz recht. Seit dem Ausstieg der Werksteams von Audi und Porsche befindet sich die Rennserie in der Krise.

"Wir dürfen nicht so schnell fahren, wie wir eigentlich könnten"

Bereits Anfang Mai beim Saisonauftakt in Spa wurde alles dafür getan, dass Alonso als Sieger des Langstrecken-Rennens hervorging: Erst wurde der zweite, schnellere Toyota im Qualifying wegen eines vermeintlichen Formfehlers disqualifiziert. Im Rennen holte er die verlorene Runde jedoch auf und "drohte" am Ende doch noch zu gewinnen. Bei Toyota wurde kurzfristig eine Teamorder einberufen - und Alonso durfte jubeln.

Und die Organisatoren tun noch mehr, damit am Wochenende nichts schiefgeht: Zuletzt wurde bekannt gegeben, dass die Benzindurchflussmenge deutlich reduziert wird - ein großer Nachteil für viele Teams. "Wir dürfen nicht so schnell fahren, wie wir eigentlich könnten - dann bekommen wir eine Strafe", sagt Neel Jani. Der Schweizer wurde einst mit Porsche selbst Langstrecken-Weltmeister und Sieger in Le Mans.

Fernando Alonso
AFP

Fernando Alonso

Jani sitzt zusammen mit dem Deutschen André Lotterer, ebenfalls Ex-Porsche- und Audi-Werksfahrer, und dem Ex-Formel-1-Piloten Bruno Senna im privaten LMP1 von Rebellion. Das Team gilt unter allen Privatiers als das professionellste und aussichtsreichste. "Gegen Toyota haben wir keine Chance, wenn die keine Probleme bekommen. Wir können uns nur auf uns selbst konzentrieren und abwarten, was passiert", sagt Jani.

"Das kann gefährlich werden"

Nach Meinung des Schweizers wurden bei der ganzen Reglement-Anpassung von Anfang an gravierende Fehler gemacht. "Man hätte die Hybrid-Autos von Toyota massiver einbremsen müssen und nicht versuchen sollen, die Privaten in so hohe Geschwindigkeitsbereiche zu bringen", sagt Jani und warnt: "Das kann gefährlich werden, die Autos sind dafür nicht wirklich gemacht, die Ressourcen bei den Teams nicht vorhanden."

Tatsächlich gab es in Spa in der Hochgeschwindigkeitspassage von Eau Rouge zwei dramatische Unfälle privater LMP1-Boliden. Im Qualifying brach sich Pietro Fittipaldi, ein Enkel des zweimaligen Formel-1-Weltmeisters Emerson Fittipaldi, beide Beine. Beim Rennen kam der Russe Matewos Issaakjan bei einem spektakulären Überschlag rückwärts nur mit viel Glück unverletzt davon.

Jani und seine erfahrenen Teamkollegen Lotterer und Senna sind sich der Gefahren bewusst, die auf Le Mans langen Geraden bei über 300 Stundenkilometer entstehen können. "Die Gesundheit geht vor. Außerdem wissen wir ja, dass wir nach vorne eh nichts ausrichten können gegen Alonso und Co. Und gegen die anderen Privaten sollte es auch so reichen", sagt Jani - und stellt eine Frage, die die Organisatoren in eine unangenehme Situation bringt: "Aber was machen die, wenn sie untereinander kämpfen - gerade, wenn das junge Fahrer sind?"

Alonso kann das alles egal sein. Er wird - wenn sein Auto hält - wohl in Le Mans gewinnen. Wahrscheinlich vor seinen zwei Teamkollegen Sébastien Buémi und Kazuki Nakajima. Auch wenn Alonso nicht unbedingt der schnellste der Toyota-Piloten sein wird. Seine Teamkollegen haben in den Autos ein paar Jahre mehr Erfahrung als der 36 Jahre alte Spanier.

Alonso würde sich über den Sieg wohl noch mehr freuen als über den in Spa. Dort hätte er ja schon "am liebsten auf dem Podium übernachtet, weil das Gefühl da oben so schön war." Dass er seine Leistung bringt, ist unbestritten. Dass man ihm den Weg zum Triumph möglichst zu ebnen versucht - aus kommerziellen Gründen, aber auch.



insgesamt 14 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
mhuz 16.06.2018
1.
Schon einmal mußte ein Team Kollege in die Wand fahren, damit Alonso gewinnt. Ob es immer an dem Wagen liegt, dass Alonso mit den jetzigen Formel 1 Autos nicht mehr gewinnt ? Wenn er nicht manipulieren kann, gewinnt er auch nicht. Das ist das Problem, bei den Autorennen, du weißt nie, was liegt am Fahrer, was geschieht hinter den Kulissen - man sieht auch ein sogenannter Weltmeister ist nur so gut wie sein Auto.
mzwk 16.06.2018
2.
Es ist schon ein klitzekleiner Unterschied ob Sie Nachts alleine auf der Bahn das in ewigen zehn Minuten schaffen, oder im Rennbetrieb bei 30 Sekunden auf engstem Raum mit Zentimeterabstaenden zwischen den Fahrzeugen und der staendigen Gefahr von schnelleren ueberrundet zu werden, und dabei keine 10 Meter breite Strasse unter den Raedern zu haben. On Topic: Dadurch dass Toyota "alleine" in der LMP1 faehrt ist der ganze Reiz weg. Ich hab mir die letzten fuenf Jahre alle 24h Rennen angesehen, und denke dass LeMans ab jetzt tot ist, zumindest die LMP1.
MyQ 16.06.2018
3. Kritik an Toyota unsinnig...
Wenn, muss hier die WEC kritisiert werden. Sie hat durch ihre Klientelpolitik für die großen Rennstelle die Rennserie in den letzten Jahren herabgewirtschaftet. Zunächst durch große Budgetvorteile bzw. Fehlendes financial fairplay (Audi, Porsche), dann durch Übervorteilung des Diesels (insbesondere Audi, später Peugeot) und nun halt Toyota, die schon seit Jahren mit ihren Hybriden ganz vorne dabei sind. Irgendwann kommen die ersten E-Autos mit Wechselakkus...und die WEC verpennt es wieder.
marthaimschnee 16.06.2018
4. was will Neel Jani eigentlich?
Es stört ihn, daß die Autos zu schnell werden (was sie seit 60 Jahren permanent werden, weswegen gerade in Le Mans immer wieder die Schikanen verändert wurden, um sie einzubremsen) und nun, wo man sie technisch langsamer macht (was man auch seit 20 Jahren über den Spritverbrauch, Ladedruckbegrenzung bis hin zu den heutigen BOP-Regeln, die zumindest in den GT-Klassen wunderbar funktionieren, tut), isses auch wieder nicht richtig. Na wie denn nun?
sale2 16.06.2018
5.
So kritische Kommentare gab es bei den früheren Seriensiegen von Audi nicht.Aber das waren ja auch die mit dem Superdiesel. Hätte es zu der Zeit nicht Regelanpassungen zu Gunsten der Diesel gegeben, hätten die Toyota wohl schon viel öfter gewonnen. Konkurrenzfähig waren sie schon immer. mfg
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.