3×3-Basketball Mit herzlichem Dunk

Krachende Dunks, fette Beats, tief sitzende Hosen: Mit der professionellen Variante des Street-Basketball wird eine Subkultur olympisch. NBA-Star Dennis Schröder soll den Sport bekannter machen.

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Von Philipp Awounou


Jonathan Mello blickt zu seinem Mitspieler, alle erwarten einen Pass. Doch während die Blicke vieler Zuschauer - und auch die seines Gegenspielers - nach links wandern, dreht sich Mello in die andere Richtung und hält den Ball immer noch in den Händen. Eine Finte. Die entstandene Lücke nutzt der Brasilianer von Team "São Paulo", um ungehindert zum Korb zu ziehen, kraftvoll hochzusteigen und den Basketball durch die Reuse zu stopfen. So heftig, dass das Spiel unterbrochen werden muss - weil das Netz gerissen ist.

"In Brasilien haben wir festere Netze", scherzt Mello nach der Szene, die sich beim "3x3 Challenger"-Turnier in Berlin abgespielt hat. Insgesamt 16 Teams aus elf Nationen waren am Wochenende auf Einladung des Deutschen Basketball Bundes (DBB) in die Hauptstadt gekommen, um sich in einer aufstrebenden Basketballvariante zu messen, die ab 2020 olympisch sein wird: dem Drei-gegen-drei, genannt "3x3".

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3×3-Basketball: Von der Straße in die Mall

Worin der Hauptunterschied zum klassischen Basketball besteht, verrät schon der Name selbst: Pro Team stehen nicht fünf, sondern drei Akteure auf dem Feld. Zudem wird 3x3 lediglich auf einen Korb gespielt. Ein Angriff muss dabei innerhalb von zwölf Sekunden abgeschlossen werden. Die Spiellänge beträgt grundsätzlich zehn Minuten, allerdings endet eine Partie vorzeitig, sobald ein Team 21 Punkte erzielt hat. Auch wenn die Grundidee - einen Basketball in einem Korb unterzubringen - und die taktische Basis somit dem Fünf-gegen-fünf gleichen, verleiht das 3x3-Regelwerk dem Spiel eine gänzlich andere Charakteristik.

"Im 3x3 musst du konstant ans Limit gehen"

"3x3 ist deutlich schneller und dynamischer als Fünf gegen fünf", sagt Dia Soliman, einer der erfolgreichsten 3x3-Spieler Deutschlands vom Deutschen Meister "Der Stamm". "Im Fünf-gegen-fünf hast du 24 Sekunden Zeit für einen Angriff, selbst in der Verteidigung kannst du auf der ballfernen Seite einen Gang zurückschalten. Im 3x3 wäre das tödlich, da musst du konstant ans Limit gehen." Während der Challenger-Veranstaltung in Berlin kann Soliman seine Grenzen nicht austesten, eine Verletzung hindert ihn an der Teilnahme.

Stattdessen verfolgt der 38-Jährige das Geschehen vom Court-Rand aus und sieht viele hart umkämpfte Duelle inklusive griechisch-römisch anmutender Rangeleien. "Im 3x3 geht es viel, viel körperbetonter zu als im Fünf-gegen-fünf. Die Referees lassen deutlich mehr durchgehen", sagt Soliman. "Der Sport kommt eben von der Straße, da herrscht eine ganz andere Gangart."

In der Tat liegen die Ursprünge des 3x3-Formats im Streetball, einer in US-Großstädten entstandenen Basketballvariante, die weit mehr ist als nur eine straßentaugliche Alternative zum Fünf-gegen-fünf: Eng verwoben mit dem Musikgenre Hip-Hop und dem dafür charakteristischen Kleidungsstil gilt Streetball auch als kulturelle Einflussgröße, als Ausdruck eines bestimmten Lifestyles. An der Entscheidung des Internationalen Olympischen Komitees (IOC), 3x3 bis mindestens 2028 ins Programm der Sommerspiele aufzunehmen, dürfte der populäre Ursprung der Disziplin gewichtigen Anteil gehabt haben.

3x3-Turnier in der "Mall of Berlin" in der Nähe des Potsdamer Platzes
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3x3-Turnier in der "Mall of Berlin" in der Nähe des Potsdamer Platzes

Wohl auch deshalb versucht der DBB in Berlin nicht sonderlich beiläufig, der Veranstaltung das urbane Streetball-Flair überzustülpen: Die Court-Anlage steht inmitten eines Einkaufscenters, aus den basslastigen Boxen dröhnen permanent Hip-Hop-Beats. Übertönt werden sie lediglich von einem Promoter, der das Spielgeschehen mit Sprüchen kommentiert, die man mit geschlossenen Augen auch für Zwischenrufe in einem Rapsong halten könnte. "Big time!" - "Come on, baby!" - "Get that caaash!"

Wer es einmal sieht, kommt wieder - hofft der DBB

Mit solchen Maßnahmen, so wirkt es, wollen die 3x3-Macher ihren Sport als coolen kleinen Bruder des herkömmlichen Basketballs vermarkten - doch gerade in Deutschland hält sich das Interesse noch in Grenzen. "Wir haben uns bei unseren Turnieren in Deutschland bewusst an zentralen Orten platziert, um Laufpublikum in Kontakt mit 3x3 zu bringen", sagt DBB-Jugendsekretär Uwe Albersmeyer, der im Verband für die Entwicklung der neuen Disziplin zuständig ist. "Unserer Erfahrung nach kommen viele Leute wieder, wenn sie erst einmal sehen, was das für eine spektakuläre Sportart ist."

Erfolge auf dem Court würden die Popularität noch einmal steigern, doch bisher hat es kein deutsches 3x3-Team in die Weltspitze geschafft. "Sportlich hinken wir den führenden Nationen noch weit hinterher, vor allem den Serben und Slowenen", sagt Soliman, dessen Team "Der Stamm" in Berlin im Viertelfinale scheiterte und damit noch das beste deutsche Ergebnis einfuhr. "Die 3x3-Kultur ist hier noch nicht so weit verbreitet wie in anderen Ländern. Aber sie wird größer", so der 38-Jährige.

NBA-Profi Dennis Schröder am 18. August in Hamburg
DPA

NBA-Profi Dennis Schröder am 18. August in Hamburg

Einer, der das Wachstum der Szene beschleunigen könnte, ist NBA-Profi Dennis Schröder, der einst selbst auf einem Braunschweiger Streetball-Court entdeckt wurde. Vor einer Woche nahm der 24-Jährige in Hamburg den Platz des damals schon verletzten Soliman ein - und wurde prompt Deutscher Meister. "Ich glaube, Dennis kann der Community einen Aufschwung geben. Sicher hat das Signalwirkung, wenn auf einmal ein NBA-Spieler kommt und mitzockt", so Soliman. Er könnte recht haben, zumal kein deutscher Basketballer den Streetball-Kult stärker verkörpert als Schröder mit seiner selbstbewusst-ehrgeizigen Art und dem Hang zur Extravaganz.

Allein auf der Strahlkraft Schröders, der in Berlin nicht zugegen war, sollten die Zukunftshoffnungen von 3x3-Deutschland jedoch nicht ruhen. Um in die Weltspitze vorzustoßen und realistische Chancen auf Olympiateilnahmen zu haben, muss das Drei-Gegen-drei vor allem finanziell lukrativer werden. Während es in Osteuropa Teams gibt, die mit 3x3 ihren Lebensunterhalt bestreiten, laufen in deutschen Mannschaften überwiegend Spieler auf, die hauptsächlich Fünf-gegen-fünf spielen - mindestens semiprofessionell. Solange es dabei bleibt, dürfte der deutsche Weg von der Straße auf den Olymp sehr schwierig werden.



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noalk 03.09.2018
1. Inflation
Warum nicht auch 1x1 und 2x2? Oder einfach nur einen Einzelwettbewerb "Weitwurf auf den Korb" vom Mittelkreis aus? Wie wär's in der Leichtathletik mit einem Dreikampf - getreu dem Motto "schneller höher weiter" z.B. mit 400m-Lauf, Stabhoch und Diskus. Oder Rückwärtsschwimmen ... mir fiel da noch vieles Andere ein ... natürlich dann auch alles olümpisch ... Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt.
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