34. America's Cup: Wie ein rechter Haken
Die Entscheidung ist vertagt: Dank eines klassischen Manövers hat das US-Team beim America's Cup den nächsten Sieg eingefahren und den vorzeitigen Triumph von Neuseeland verhindert. Die Favoriten sind aber beim kommenden Rennen im Vorteil.
Es scheint, als wolle dieser 34. America's Cup einfach kein Ende nehmen. Larry Ellisons bereits abgeschriebenes Oracle Team hat sich mit seinem insgesamt vierten Sieg in San Francisco wieder im Wettkampf zurück gemeldet.
Die Neuseeländer müssen sich also weiter gedulden. Ein Viertel der Gesamtbevölkerung sitzt jeden Morgen vor den Fernsehern, Schule und Arbeit lassen viele ausfallen. "Die Straßen sind zur Übertragungszeit während der morgendlichen Rush Hour wie leergefegt", sagt TVNZ-Kommentator Peter Lester. Das gibt es nicht einmal bei Rugby Spielen der "All Blacks".
Sieben Matchbälle bleiben den Neuseeländern noch. Die Hoffnungen der Fans ruhen auf Skipper Dean Barker. Der 40-Jährige ist ein Volksheld, doch jetzt muss er den Sieg endlich perfekt machen. Wer sonst könnte diesem Druck standhalten?
Dieses zwölfte Rennen lief nicht so, wie es sollte. Die Neuseeländer mussten bei der Starteröffnung von der rechten Seite kommen, und das erwies sich im Verlauf dieser America's-Cup-Rennsererie als immer größerer Nachteil. Aber Oracle war spät dran beim Eintauchen in die Startbox. Sollte Gegner James Spithill wie schon beim abgebrochenen Start des Vortages wieder seinen Vorteil verschenken?
Spithill kam nur knapp an den Bugspitzen vorbei und die Neuseeländer wählten eine bisher noch nicht gesehene Eröffnungsvariante. Sie pushten nicht von hinten, sondern übernahmen eine Minute vor dem Start die Führung.
Drei Bootslängen Vorsprung
Aber das Risiko war zu groß. Barker geriet zu nah an die Startlinie. Spithill legte sich den Gegner zurecht, stürzte von der Luvposition 35 Knoten schnell auf die Neuseeländer herunter. Einmal parierten diese den Angriff, aber dann saß ihnen Oracle im Nacken.
Gegen den zweiten Vorstoß waren sie hilflos. Spithill umkurvte das Heck der Neuseeländer, setzt den sogenannten "Hook" an, ein klassisches Match Race Manöver. Der wirkte wie ein rechter Haken. Die Neuseeländer mussten ausweichen, wendeten sogar und die Amerikaner gewannen den Start mit mehr als drei Bootslängen Vorsprung.
Bei den ersten Rennen dieser America's Cup Serie musste man sich keine Sorgen um die Neuseeländer machen. Ihr Katamaran war besonders auf dem Kreuzkurs schneller und sie konnten den Gegner auch nach verlorenem Start überholen.
Aber das funktionierte am Donnerstag nicht mehr. Die Design-Abteilung der Amerikaner hat ohne Zweifel das Boot verbessert. Sie zeigten besonders auf dem Kurs gegen den Wind eine bisher nicht für möglich gehaltene Geschwindigkeit von über 30 Knoten. Dabei hoben sie auch am Wind das Schiff auf die Unterwasser-Tragflächen.
Der neu gefundene Speed allein täuscht allerdings. Zwar lag die Durchschnittsgeschwindigkeit des America's Cup Verteidigers im zwölften Rennen auf dem Amwind-Kurs fast 1,5 Knoten über dem Speed der Neuseeländer, aber die segelten dafür gut 500 Meter weniger. Das heißt, sie steuerten einen direkteren Kurs zum Ziel. Langsamer zwar - aber mit einem kleineren Winkel zum Wind.
Dadurch hatten die Neuseeländer auf dem Kreuzkurs durchaus ihre starken Momente. Zweimal verringerten sie den Rückstand auf unter 50 Meter und tauchten plötzlich gefährlich nahe neben Oracle auf. Aber der entscheidende Überholvorgang glückte nicht. Zu geschickt spielte Taktiker Ben Ainslie mit der Strömung und den Winddrehern.
Die Amerikaner verkürzten so ihren Rückstand auf 2:8 Punkte. Die 13. Regatta musste dann wegen zu starker Winde abgesagt und auf Freitag verschoben werden. Nun bleiben den Neuseeländern immer noch sieben Matchbälle. Und im 13. Rennen darf Neuseeland wieder von der starken linken Seite in die Startbox eintauchen.
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