Michael Jordan wird 50: Königliche Luft-Hoheit

Von Marcel Friederich, Houston

In den Neunzigern regierte er die Basketballwelt, wurde sechsmal NBA-Champion und der beste Spieler der Geschichte. Heute feiert Michael Jordan seinen 50. Geburtstag. Weggefährten erinnern sich an einen Mann, der für den Erfolg auch mal Flaschen warf - oder Steaks servierte.

Jordan wird 50: Zeitreise mit "His Airness" Fotos
Getty Images

"Michael Jordan ist der beste Basketballer aller Zeiten. Ich würde sogar sagen, er war der beste und einflussreichste Sportler, den es jemals gegeben hat. Noch vor Muhammad Ali."

Diese Eloge auf Jordan stammt von einem, der das selbst schon über sich gehört hat: Earvin "Magic" Johnson. Der einstige Spielmacher der Los Angeles Lakers, mit Larry Bird dominierender Basketballer der achtziger Jahre, gilt als Ikone des Sports - und sieht doch den Jubilar weit über sich thronen. Vielleicht liegt es aber auch einfach an diesem Tag, an dem eigentlich alle ehemaligen Basketball-Superstars ehrfürchtig über Jordan zu reden scheinen. Und nicht nur die.

"Als kleines Kind saß ich vor dem Fernseher und habe Michael spielen sehen. Sein unglaubliches Können hat mich angespornt, es auch in die NBA zu schaffen", sagt LeBron James von den Miami Heat SPIEGEL ONLINE. "Ich glaube, dass Michael die komplette heutige NBA-Generation inspiriert hat."

Obwohl Jordan seit zehn Jahren nicht mehr auf dem Parkett steht, ist er das alles bestimmende Thema beim All-Star-Wochenende der NBA in Houston. "Seine Konstanz, seine Leidenschaft, sein unbändiger Wille - all das hat Michael zum besten Basketballer aller Zeiten gemacht. Er ist einzigartig", sagt Kobe Bryant von den Los Angeles Lakers.

Im Training oftmals ungenießbar

Jordan war sechsmal Meister, zweimal Olympiasieger, fünfmal wertvollster Spieler und zehnmal bester Punktesammler in der NBA. Kein anderer Basketballer kann eine solche Erfolgsbilanz vorweisen. Wichtiger als seine Titel und Auszeichnungen war jedoch der Einfluss, den die legendäre Nummer 23 ausübte. "Dank Michael ist Basketball zu einer globalen Angelegenheit geworden", sagt Magic Johnson. "Michael ist es zu verdanken, dass die NBA auf der ganzen Welt geliebt wird."

Allerdings sind die Erinnerungen an das Geburtstagskind bei manchen Wegfährten zwiegespalten. Durch seinen unbändigen Siegeswillen galt Jordan oftmals auch als ungenießbar. "Michael hat viele Dinge zu mir gesagt, die mir ganz und gar nicht gefallen haben", sagt Horace Grant, Teamkollege bei den Chicago Bulls. "Wenn du es ihm erlaubst, dich zu schikanieren, treibt er es auf die Spitze. Er triezt dich bis zum Mond und zurück."

Auch Jordans Edelhelfer Scottie Pippen erinnert sich: "Es war keine Seltenheit, dass Michael im Training Tische umschmiss, Wasserflaschen durch die Halle warf und wütend in die Umkleidekabine stürmte", berichtet Pippen. "Michael sagte Dinge wie: 'Wenn ihr nicht spielen könnt, bleibt in der Kabine oder setzt euch auf die Bank'. Dann verließ er selbst das Training. Solche Aktionen waren an der Tagesordnung."

Den Gegner mit Hilfe von Steaks bezwungen

Michael Jordan ist auch als cleverer Geschäftsmann bekannt. Gemeinsam mit dem Sportartikelhersteller Nike entwickelte er die Marke "Air Jordan". Auch heute wird mit dem Verkauf von Jordans Schuhen rund eine Milliarde Dollar pro Jahr umgesetzt. Ebenso war Jordan als Mitproduzent des Kinofilms "Space Jam" aktiv. An der Seite von Bugs Bunny spielte er sich darin selbst. In Deutschland sahen zwei Millionen Zuschauer den Film im Kino.

Darüber hinaus besitzt Jordan ein eigenes Steakhaus in Chicago. "Kurz nach der Eröffnung lud er die gesamte Mannschaft der Phoenix Suns dorthin ein. Michael tischte Steaks ohne Ende auf", erinnert sich Magic Johnson. Am Folgetag trafen Phoenix und Chicago auf dem Spielfeld aufeinander. "Die Suns konnten sich kaum mehr bewegen, weil sie am Abend vorher so viel gegessen hatten. Michael und Co. fegten sie vom Parkett." Weitere Jordan-Steakhäuser gibt es in New York und Connecticut.

Kommt Jordan aufs Feld zurück?

Keine gute Figur macht Jordan hingegen als NBA-Offizieller. Ende Februar 2010 kaufte er die Charlotte Bobcats, die seitdem das schlechteste Team der NBA geworden sind. Die verheerende Bilanz der Vorsaison: 66 Spiele, 59 Niederlagen. "Ein guter Spieler ist eben nicht gleich ein guter Manager", sagt Magic Johnson. "Was die Spielerauswahl betrifft, muss er noch dazu lernen."

Für einen, der immer alles und jeden kontrollieren wollte, ist die Lösung in diesem Fall eigentlich nur eine: Es selbst zu richten. "Vor ein paar Tagen haben Michael und ich Eins-gegen-eins gespielt", sagt die 19-jährige Bobcats-Hoffnung Michael Kidd-Gilchrist. "Er hat mich besiegt. Ich hatte keine Chance." Auch Antawn Jamison von den Los Angeles Lakers glaubt: "Wenn er LeBron James oder Kobe Bryant an seiner Seite hätte, könnte Michael noch zehn oder elf Punkte pro Spiel liefern."

So klingt es fast nach einer Drohung, dass Jordan angekündigt hat, auf sein Idealgewicht zurückkommen zu wollen. Ein Comeback mit 50 Jahren? Eigentlich ausgeschlossen in der besten Liga der Welt. Doch wenn es einem zuzutrauen wäre, dann ihm.

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Basketball-Glossar
REUTERS
Zu einem Basketballteam gehören fünf Akteure. Auf der Eins spielt der Point Guard (Aufbau). Die Zwei hat der Shooting Guard inne, dessen vornehmliche Aufgabe es ist, Punkte zu erzielen. Die Drei ist der Small Forward, eine wendige Flügelkraft mit einem guten Wurf. Spieler, die auf der Zwei oder Drei eingesetzt werden können, heißen "Swingmen". Die Vier ist der Power Forward, ein kräftiger Spieler, der durch seine Größe auch für Rebounds prädestiniert ist. Auf der Fünf spielt der Center, der zumeist in Korbnähe agiert. Die Positionen Eins und Zwei bilden den Backcourt, Drei bis Fünf sind der Frontcourt.