
Daniel Elsner: "Ich war platt"
Stuttgart - Daniel Elsner ist nach seinem Höhenflug beim ATP-Turnier in Stuttgart wieder auf dem roten Sand gelandet. Der 21-Jährige unterlag im Halbfinale am Samstag dem an Nummer fünf gesetzten Argentinier Franco Squillari nach hartem Kampf und 2:01 Stunden mit 6:7 (6:8), 6:7 (5:7) und verpasste damit seine erste Endspielteilnahme überhaupt auf der Tour. "Wenn es so knapp ist, ärgert man sich schon ein bisschen. Ich habe alles versucht, aber mehr ging nicht, weil ich platt war", meinte Elsner, konnte aber schnell wieder lachen.
French Open-Halbfinalist Squillari hofft nun auf den dritten Turniersieg seiner Karriere nach München 1999 und 2000. Der Linkshänder aus Buenos Aires trifft im Endspiel (13 Uhr) auf seinen Landsmann Gaston Gaudio trifft, ist am Weissenhof der einzig noch im Feld verbliebene gesetzte Spieler. Gaudio setzte sich im zweiten Halbfinale gegen den Australier Andrew Ilie mit 6:2, 6:4 durch. Während Elsner als Halbfinalist sein bisher verdientes Preisgeld (67.000 Dollar) um satte 46.300 Dollar aufstockte, geht es im Finale um 167.000 Dollar und einen 150.000 Mark teuren Mercedes SL.
Für Elsner war es trotz der knappen Niederlage ein traumhaftes Turnier, in dem er im Achtelfinale mit Magnus Norman (Schweden) sogar die Nummer eins des Champions Race aus dem Rennen geworfen hatte. Zum ersten Mal in seiner Karriere wird der Bundesliga-Spieler von Grün-Weiß Mannheim nächste Woche in den Top 100 stehen. Ausgerechnet bei seinem ersten ATP-Turnier in diesem Jahr trumpfte der Wildcard-Inhaber auf und erinnerte nachhaltig daran, dass er einst als das größte Talent im deutschen Tennis galt. "Es war eine tolle Erfahrung. Ich habe gesehen, dass ich oben mitspielen kann und gemerkt, dass die anderen auch nur mit Wasser kochen."
Nun winkt Elser, der 1996 bei den US Open und 1997 bei den Australian und French Open Juniorensieger war, der Sprung ins Daviscup-Team. "Er geht ein unglaubliches Tempo mit", staunte Daviscup-Kapitän Carl-Uwe Steeb am Samstag über den Jungprofi. Der ehemalige Weltranglistenerste und Wimbledon-Sieger Stefan Edberg aus Schweden meinte: "Bei den wichtigen Punkten muss er noch ein bisschen intelligenter spielen. Er hatte jedenfalls eine Superwoche."
Die Zeit der Challenger-Turniere und auch der Verletzungen und Disziplinlosigkeiten soll bei Elsner nun vorbei sein. «Er macht keinen Blödsinn mehr», sagte Martin Ruthner, der ihn zusammen mit Boris Beckers ehemaligem Coach Günther Bresnik in Wien trainiert. "Er hat sich als Persönlichkeit weiterentwickelt und ist jetzt sehr selbstständig."
Mit Büchern über mentales Training hat sich "Else", wie er in der Szene genannt wird, zusätzlich fitgemacht. "Ich habe gelernt, das alles viel leichter geht, wenn man sich auf dem Platz keinen Stress macht." Im Halbfinale war jedoch von seiner Unbekümmertheit zunächst wenig zu spüren. Gleich sein erstes Aufschlagsspiel gab der Publikumsliebling ab. Mit einem Break zum 5:5 gestaltete er das Match wieder offen, vergab jedoch im Tie-Break einen Satzball und unterlag 6:8. Auch im zweiten Durchgang lag Elsner mit 0:2 zurück. Dann aber gewann er drei Spiele in Folge. Beim Stande von 4:5 konnte er noch zwei Matchbälle von Squillari abwehren, im Tie-Break hatte er erneut das Nachsehen. Trotzdem zeigte Elsner, dass er ein technisches Potenzial hat wie kaum ein zweiter deutscher Spieler seit Boris Becker und Michael Stich.
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