Abrahams Comeback-Sieg: Von König Arthur zu Prinz Demut

Von , Offenburg

Abheben verboten: Arthur Abraham muss nach dem K.o.-Sieg gegen den Argentinier Pablo Farias weiter an vielem arbeiten: an seiner Technik, an Beinarbeit, Deckung und Genauigkeit. Die größte Aufgabe für seinen Trainer ist es aber, Abraham auch im Kopf topfit zu bekommen.

Abraham-Sieg: Ein erster Schritt Fotos
dapd

Man gönnt es ihm. Aus tausenden Kehlen hallt sein Name. Die bitteren Niederlagen zuletzt haben ihm die Beliebtheit nicht nehmen können. Die 4000 Zuschauer in der ausverkauften Offenburger Baden-Arena feiern ihren Arthur Abraham.

Es ist die Hoffnung, die sie antreibt, die Sehnsucht nach einem neuen deutschen Box-Helden. Abraham, 31, hat gelernt und weiß, bei wem er sich zu bedanken hat. "Ich habe eine harte Zeit hinter mir und wollte meine Fans nicht enttäuschen, dieser Sieg war auch für sie", sagt er nach seinem ungefährdeten K.o.-Erfolg gegen den harmlosen Argentinier Pablo Farias.

Es waren exakt zwei Minuten in der fünften Runde geboxt, als Abraham den Südamerikaner endgültig zu Boden schickte. Abraham hat seine allerletzte Chance genutzt, die schwer ins Wanken geratene Karriere noch zu retten. Fragen bleiben offen. Rojas war kein Maßstab, das wusste auch Abraham. "Ich muss mich in den kommenden Monaten steigern, um wieder auf Weltklasse-Niveau zu kommen", bekannte der ehemalige Weltmeister.

Boxerische Mängel, noch immer

Selbst gegen Aufbaugegner Farias war deutlich zu merken, welche Defizite der einstige König Arthur nach acht Monaten Ringpause und nach drei schweren Niederlagen noch hat. Bei den seltenen Attacken seines Gegners versteckte er sich schüchtern hinter der längst veralteten Doppeldeckung. Abrahams immer noch gewaltigen Schläge landeten viel zu oft im Nirwana, er vergeudete jede Menge Kraft für sinnlose Attacken.

Ein, zwei weitere Kämpfe fürs angeknackste Selbstvertrauen will sich Abraham in den kommenden Monaten noch gönnen, dann soll es bereits, am liebsten in seiner Heimat Berlin, um die WM-Krone gehen. Dann allerdings wird Abraham ein deutlich stärkeren Gegner bekommen, dann wird er zeigen müssen, dass er nicht der labile und verwöhnte Boxer ist, zu dem ihn sogar sein eigener Trainer Ulli Wegner zuletzt abgestempelt hatte.

Der Trainer ist nicht ganz zufrieden

Auch in Offenburg wirkte Wegner mit der Leistung nicht so recht zufrieden. "Mach die Augen zu und hau den Aufwärtshaken", schrie er einige Male in den Ring und wirkte auch zu später Stunde noch zerknirscht. Nur gut, dass die Country-Rocker von "The BossHoss", sie hatten die Einlaufmusik gespielt, in diesem Moment die Presserunde enterten und Abraham ein Loblied auf deren Stimmungsmache vor dem Fight anstimmte. Sonst wäre Wegner sicher gut in Fahrt gekommen.

Wo liegen nun Abrahams Perspektiven? Dass der gebürtige Armenier seinen Weg im Supermittelgewicht weiter gehen wird, ist klare Ansage Wegners. "Feige" wäre eine Rückkehr ins Mittelgewicht, sagte Wegner vor dem Fight in Offenburg. Eine Charakterbeschreibung, die für einen Boxer das Schlimmste ist.

Es ist diese Mixtur aus vermeintlicher psychischer Schwäche und einer ordentlichen Portion Größenwahn, die Wegner zuletzt bei seinem Schützling nervte. Insgeheim wünscht sich der 69-Jährigeseinen bodenständigen "Schlumpf-Boxer" von früher zurück. Deswegen hat der impulsive Coach für die kommenden Monaten das Kommando Demut ausgeben. Schluss mit Lear Jet, zehn Handys in der Tasche und wilden Ferrari-Jagden. "Von mir wird es keine großen Sprüche mehr geben", sagte Abraham kurz nach Mitternacht - eine Ansage, die sein Coach gerne hören wird.

Das Management braucht Abraham

Abraham muss jetzt Top-Gegner schlagen. Das weiß auch sein Promoter Kalle Sauerland, der nach dem Sieg sichtlich erleichtert war. Schließlich gehört Abraham zu den wenigen vielversprechenden Boxern in seinem Stall.

Der Riese Nikolai Walujew hat sich aus dem Staub gemacht, der Däne Mikkel Kessler war lange außer Gefecht gesetzt, "Großmaul" David Haye, an dem Sauerland die deutschen Rechte hielt, wird wohl nicht noch einmal gegen einen Klitschko in den Ring steigen. Bleibt nur noch Marco Huck, der Mitte kommenden Monats gegen den Russen Alexander Powetkin in Stuttgart um die WBA-Krone im Schwergewicht kämpfen wird.

Sauerland braucht Abraham. Auch um TV-Partner ARD weiter zu gefallen. Deshalb wurde bei der Pressekonferenz kurz nach Mitternacht auch gleich an einem vermeintlich attraktiven Duell gestrickt. WBO-Weltmeister Robert Stieglitz soll ein kommender Gegner für Abraham sein. Stieglitz ist Weltmeister des Verbandes WBO und hat in Offenburg mühevoll den unbekannten Deutschen Henry Weber bezwungen. Ein Gegner also, der auch für den eingerosteten Abraham schlagbar scheint.

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insgesamt 9 Beiträge
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1. Nicht überzeugend!
paretooptimal 15.01.2012
Abraham fehlt noch einiges, um wieder zur früheren Stärke zurückzukehren. Die Schläge waren ungenau und sein verstecken hinter der Doppeldeckung ab der 3. Runde war offensichtlich. Ich glaube nicht, dass er zur Weltspitze aufschliessen kann. Nur auf den "einzigen Schlag" zu warten, ist einfach zu wenig.
2. Lexus
Lexus 15.01.2012
das war doch gestern wieder ein Tiefpunkt. Abgesprochener kampf..so etwas von klar..nein danke..
3.
enrico3000 15.01.2012
Zitat von sysopAbheben verboten: Arthur Abraham muss nach dem K.o.-Sieg gegen den Argentinier Pablo Farias*weiter an vielem arbeiten: an seiner Technik, an Beinarbeit, Deckung und Genauigkeit. Die größte Aufgabe für seinen Trainer ist es aber, Abraham auch im Kopf topfit zu bekommen. http://www.spiegel.de/sport/sonst/0,1518,809172,00.html
Axel Schulz (vom ARD Interviewer Axel Schulze genannt) sagte es doch vorher, da wurde ein Gegner ausgesucht, bei dem nichts passieren kann. Auch der Argentinier freute sich hinterher über die Einladung zum Kampf. Selbst gegen so einen schwachen Gegner kpnnte Arthur ansolut nicht überzeugen. Doppeldeckung und pro Runde 5-6 Schläge sind immer zu wenig. In der 5. Runde stand der Gegner dann nicht mehr auf obwohl sichtbare Wirkungsteffer nicht ersichtlich waren. Der Kampf war in meinen Augen ein Witz. Gegen Direll, Ward, Froch, Bute und auch Kessler hätte er Null Chancen. Selbst der gestrige Gegner von Stieglitz hätte ihm ordentlich zu schaffen gemacht.
4.
enrico3000 15.01.2012
Zitat von paretooptimalAbraham fehlt noch einiges, um wieder zur früheren Stärke zurückzukehren. Die Schläge waren ungenau und sein verstecken hinter der Doppeldeckung ab der 3. Runde war offensichtlich. Ich glaube nicht, dass er zur Weltspitze aufschliessen kann. Nur auf den "einzigen Schlag" zu warten, ist einfach zu wenig.
Wieso wird von der WBO in diesem Kampf ein Europameistertitel vergeben? Ein Armenier boxt gegen einen Argentinier?
5. richtig
idealist100 15.01.2012
Zitat von Lexusdas war doch gestern wieder ein Tiefpunkt. Abgesprochener kampf..so etwas von klar..nein danke..
mein posting wurde nicht veröffentlicht, habe den Kampf gesehen und wer einfach in runde 5 umfällt ohne getroffen zu werden. na ja eben gekauft.
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Box-Glossar
Beim Boxen ist die Stellung der Kämpfer ausschlaggebend, dazu kommen in der Regel drei verschiedene Schlag-Varianten zum Einsatz. Diese werden untereinander beliebig zu sogenannten Schlag-Kombinationen zusammengefügt. Ebenfalls ein probates Mittel ist das Klammern, um sich aus ungünstigen Situationen zu befreien.

  • Auslage: Unter der Auslage eines Boxers versteht man die Stellung und Richtung zum Gegner. Die Kämpfer stehen dabei einander nicht frontal, sondern versetzt gegenüber, wobei diejenige Hand, die dem Gegner näher ist, als Führhand, die hinten liegende Hand als Schlaghand bezeichnet wird. Da die meisten Menschen Rechtshänder sind, gilt die Linksauslage als normal und wird meistens Normalauslage genannt. Bei ihnen stehen linkes Bein und linke Hand näher zum Gegner - in der Rechtsauslage entsprechend andersherum.

    Jab: Eine abrupt geschlagene Gerade mit der Führhand. Der Schlag hat zumeist den Kopf zum Ziel. Der Jab zählt dabei nicht zu den stärksten Schlägen, nur selten geht ein Boxer nach einem einzelnen Jab zu Boden.

    Cross: Eine Gerade, die mit der Schlaghand geschlagen wird. Die Schlaghand wird vom Kinn auf einer geraden Linie ins Ziel geführt. Die Führhand wird dabei zurückgenommen, um das Kinn zu schützen. Der Cross ist ein sogenannter Powerpunch.

Haken: Ein Schlag, bei dem zwischen Kopf- und Körperhaken unterschieden wird. Zum Einsatz kommt der Haken beim Boxen in der Halbdistanz. Der Schlag eignet sich vor allem als K.o.-Schlag, da er zumeist von der Seite kommt und so durch die Deckung des Gegners geht.

Klammern: Eine taktische Maßnahme, um sich eine Pause zu verschaffen oder sich aus einer ungünstigen Position zum Gegner zu befreien. Der Ringrichter muss die Kontrahenten aus der Klammerung trennen, so dass eine neue Kampf-Situation entsteht. Klammern stellt einen Regelverstoß dar, der aber aufgrund der Häufigkeit oft geduldet wird. Ab einem gewissen Grad wird das Vergehen jedoch mit Verwarnungen und damit mit Punktabzügen bestraft.